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14.01.2009

14:40 Uhr

Autozulieferer

Metzler wird zweitgrößter Conti-Eigner

VonCarsten Herz

Die Aktionärsstruktur von Continental hat sich spürbar geändert: Das Frankfurter Bankhaus Metzler ist im Zuge der Conti-Übernahme durch den Familienkonzern Schaeffler zum zweitgrößten Eigner des Hannoveraner Autozulieferers aufgestiegen. Hinter den Kulissen knirscht es weiterhin.

Die Aktionärsstruktur von Continental hat sich deutlich geändert. Foto: ap Quelle: ap

Die Aktionärsstruktur von Continental hat sich deutlich geändert. Foto: ap

FRANKFURT. Nach Angaben von Continental übernahm das Frankfurter Bankhaus Metzler nunmehr 19,5 Prozent an dem früheren Dax-Konzern von Schaeffler. Die Privatbank Sal Oppenheim hatte bereits Anfang des Jahres einen Anteil von 5,5 Prozent an Conti gemeldet. Die Franken kommen damit einer im August 2008 getroffenen Absprache mit Conti nach, wonach der neue Großaktionär ohne Zustimmung des Conti-Managements bis 2012 nur 49,9 Prozent an Conti halten darf. Schaeffler hatte deshalb mit den beiden Banken vereinbart, dass die Herzogenauracher ihre übrigen angedienten Conti-Anteile aus dem vollzogenen Übernahmeangebot an die beiden Institute weiterreicht. Die Eigentümerstruktur von Conti gewinnt damit nach dem Einstieg von Schaeffler weiter an Kontur. Schaeffler muss insgesamt rund 40 Prozent an Conti aus dem Übernahmeangebot bei Banken parken. Das Bankhaus Merrill Lynch meldete gestern, dass es zwischenzeitlich 16,25 Prozent der Conti-Papiere hielt, sich von diesem Anteil aber inzwischen bereits wieder getrennt habe. Schaeffler wollte sich dazu gestern nicht äußern, Merrill Lynch war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zum Kaufpreis und ihren Plänen mit der Conti-Beteiligung wollten sich Metzler und Sal Oppenheim nicht äußern. Finanzkreisen zufolge hat sich Schaeffler verpflichtet, den Banken die Anteile später abzukaufen und ihnen für das Halten der Aktien Gebühren zu entrichten. Ein Schaeffler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Die Banken seien angehalten, die Conti Aktien fünf Jahre lang nicht zu einem Preis von unter dem Angebotspreis von 75 Euro zu verkaufen - insofern Schaeffler dem nicht ausdrücklich zustimme, bekräftigte er lediglich. Die Niedersachsen drückt eine Kreditlast von fast elf Mrd. Euro aus dem Kauf des Konkurrenten VDO. Schaeffler wiederum hat sich wegen der Conti-Übernahme einen Kreditrahmen von gut 16 Mrd. Euro von einem Konsortium unter Führung der Royal Bank of Scotland einräumen lassen. Die Franken hatten den Conti-Aktionären 75 Euro je Anteilsschein geboten. An der Börse werden die Papiere derzeit aber nur zu rund 32 Euro gehandelt. Wie die Kredite zurückbezahlt werden sollen, ist bislang unklar. Längerfristig kann nach Expertenansicht nur ein grundlegender Umbau des Verbunds weiterhelfen. "Um einen Verkauf der Conti-Reifensparte wird man kaum herum kommen", sagte NordLB-Analyst Frank Schwope. Dies war vom Conti-Aufsichtsrat aber erst im Dezember vorläufig verworfen worden. Hinter den Kulissen knirscht es deshalb vernehmlich zwischen Conti und Schaeffler. So war Conti-Boss Karl-Thomas Neumann jüngst Schaeffler-Chef Jürgen Geissinger öffentlich vor, sich noch vor Abschluss der Übernahme in das Geschäft von Continental eingemischt und sich an die Banken der Hannoveraner gewandt zu haben. Schaeffler soll daraufhin intern Front gegen Continental-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg gemacht haben. Zuletzt schlug Geissinger allerdings versöhnliche Töne an und stellte eine konstruktive Zusammenarbeit in Aussicht. Die Belegschaftsvertreter beider Unternehmen hatten erst Anfang der Woche ein Ende des Machtkampfs im neuen Verbund gefordert. "Die öffentliche Auseinandersetzung über Management- und Unternehmensstrukturen muss beendet werden und einer gemeinsamen Aufarbeitung der aktuell operativen Themen weichen", forderten die Gewerkschaften IG Metall, IG BCE sowie die Konzernbetriebsräte von Continental und Schaeffler in einer gemeinsamen Erklärung. Die Beschäftigten im neuen Konzernverbund erwarteten vom Management und von den Eigentümern, dass sie "konstruktiv zusammenarbeiten".

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