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02.02.2017

15:38 Uhr

Autozulieferer

Neuer Investor attackiert Grammer-Führung massiv

Die zur Familie Hastor gehörende Investmentgesellschaft Cascade hat die Führung des Autozulieferers Grammer massiv angegriffen. Die Familie Hastor will den Vorstandschef ablösen und den Aufsichtsrat umbesetzen.

Das Unternehmen baut mit 12.000 Mitarbeitern Armaturenbretter und Sitze für Autos, Lastwagen, Traktoren, Busse und Züge. dpa

Grammer

Das Unternehmen baut mit 12.000 Mitarbeitern Armaturenbretter und Sitze für Autos, Lastwagen, Traktoren, Busse und Züge.

MünchenIm Kampf um die Macht beim Autozulieferer Grammer haben sich die Investoren zum erstmals öffentlich zu Wort gemeldet und eine „feindliche Übernahme“ bestritten. Zugleich griff die zum Firmenimperium der Familie Hastor gehörende Investmentgesellschaft Cascade die Führung von Grammer massiv an. Sie sei bei steigenden Umsätzen „nicht mit dem nötigen Engagement“ gegen sinkende Gewinnmargen angegangen. Cascade forderte erneut „die schnellstmögliche Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung“.

Die Familie Hastor hält inzwischen mindestens 20 Prozent an dem bayerischen Autozulieferer und will den Vorstandschef ablösen und den Aufsichtsrat zu 80 Prozent mit eigenen Leuten besetzen. Vorstand und Aufsichtsart haben dies abgelehnt, die IG Metall hat vehementen Widerstand gegen „einen feindlichen Übernahmeversuch durch die Hastor-Familie“ angekündigt.

Das Hastor-Firmenimperium

Von Jugoslawien nach Wolfsburg

Prevent hat seine Wurzeln 1952 in einer Sattlerei in Sloveni Grad im ehemaligen Jugoslawien, wie die Unternehmensberatung Oaklins mitteilte. 1976 wurde VW dort Kunde für Sitzbezüge. 1992 zog Prevent nach Wolfsburg um. Inzwischen gehören etwa drei Dutzend Firmen mit annähernd 12.000 Mitarbeitern rund um den Globus zum Firmengeflecht des Ingenieurs Nijaz Hastor und seiner Söhne Kenan und Damir.

Car Trim und ES Automobilguss

Oaklins war bei der Übernahme der beiden sächsischen Autozulieferer Car Trim und ES Automobilguss im Jahr 2015 beteiligt. Die Unternehmen bauen in Deutschland, Tschechien und Bosnien Getriebeteile, Sitze und Innenausstattung für VW, Audi, Porsche und andere Hersteller. 2016 machten die Unternehmen mit einer spektakulären Auseinandersetzung mit Volkswagen Schlagzeilen.

Keiper, TWB, Grammer

Ebenfalls 2015 kaufte Prevent auch das Südamerika-Geschäft des Sitzherstellers Keiper. Zu Prevent gehört auch das TWB Presswerk in Hagen mit etwa 500 Stellen. Der bayerische Autozulieferer Grammer, bei dem die Familie jetzt mit 20 Prozent größter Aktionär ist und die Kontrolle übernehmen will, wäre mit 12.000 Mitarbeitern und rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz der weitaus dickste Brocken im Firmengeflecht.

Wössner, Gepade, Alno

Den Möbellieferanten Wössner in Sulz am Neckar kaufte Prevent 2016 – inzwischen wurde die Produktion nach Bosnien verlagert. Der westfälische Möbelhersteller Gepade hatte kurz nach der Übernahme durch Prevent Insolvenz angemeldet. Inzwischen ist Prevent auch größter Aktionär beim kriselnden schwäbischen Küchenhersteller Alno.

Unsichtbarer Investor

Öffentlich tritt Hastor selten auf. Selbst die Hastor-Stiftung für Nachwuchstalente in Sarajevo zeigt den Stifter nicht.

Quelle: dpa

Cascade teilte mit, Grammer sei zur Einberufung der außerordentlichen Aktionärsversammlung gesetzlich verpflichtet. Mangelnder Einsatz der Grammer-Führung und ihr Verhalten bei der letzten Hauptversammlung im Mai 2016 habe bei Cascade zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. „Die intensivierte Kontrolle im Hinblick auf eingangs genannte Defizite darf nicht als „feindliche Übernahme“ missverstanden werden“, heißt es in der Mitteilung der Investoren weiter.

Die Familie Hastor hatte mit einem Lieferstopp ihrer Prevent-Gruppe die VW-Produktion in Emden, Wolfsburg und anderen Werken im vergangenen Sommer zeitweise lahmgelegt. Das Unternehmen in Amberg in der Oberpfalz baut Kopfstützen, Mittelkonsolen, Sitze und Armaturenbretter und beschäftigt rund 12.000 Mitarbeiter, davon gut 2000 in Amberg.

Von

dpa

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