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14.09.2012

20:50 Uhr

Autozulieferer

Neumayer Tekfor braucht erneut Hilfe

Nach drei Jahren benötigt der badische Autozulieferer Neumayer Tekfor erneut frisches Geld. Für die kommenden drei Monate will sich das Unternehmen mittels des Schutzschirmverfahrens aus eigener Kraft sanieren.

Für den Autozulieferer Neumayer Tekfor wird es erneut eng. dpa

Für den Autozulieferer Neumayer Tekfor wird es erneut eng.

FrankfurtDer badische Autozulieferer Neumayer Tekfor ist nach gut drei Jahren erneut ein Sanierungsfall. Das Unternehmen mit 3900 Mitarbeitern weltweit schlüpft für drei Monate unter einen Schutzschirm, um sich in Eigenregie über einen Insolvenzplan zu sanieren, wie Neumayer am Freitag mitteilte. Das Schutzschirmverfahren steht seit der Reform des Insolvenzrechts Unternehmen offen, die noch nicht zahlungsunfähig sind, aber absehbar in Finanz-Probleme kommen werden. Mit 500 Millionen Euro Umsatz ist Neumayer Tekfor eine der größten Firmen, die dieses Instrument in Anspruch genommen haben. Überwacht wird die Sanierung von einem externen Sachwalter. Die Position übernimmt bei Neumayer Tekfor nun der Insolvenz-Spezialist Jan Plathner.

Das Unternehmen aus Offenburg sieht sich als eines der ersten Opfer des Abschwungs auf dem Automobilmarkt. „Namhafte Hersteller und auch erste Zulieferer drosseln wegen der Absatzschwankungen bei PKW wie bei Nutzfahrzeugen in wichtigen Märkten ihre Produktion, führen Kurzarbeit ein“, erklärte der Geschäftsführer von Neumayer, Ulrich Mehlmann. „Neumayer Tekfor reagiert nun, da wesentliche Märkte in Südeuropa oder Südamerika sich nicht kurzfristig erholen werden.“ In Deutschland arbeiten 1700 Menschen für den Konzern. Ein Sprecher wies zurück, dass der Kauf eines italienischen Presswerks von SKF die Probleme hervorgerufen habe. Die Werke seien durch Aufträge bis ins nächste Jahr hinein ausgelastet.

Neumayer Tekfor war bereits 2009 in Schieflage geraten. Damals hatten die Banken, allen voran die Commerzbank, auf 400 Millionen Euro verzichtet und die Kredite in eine 45-Prozent-Beteiligung eingetauscht. Der frühere Alleineigentümer, der Finanzinvestor Barclays Private Equity (heute Equistone), kommt ebenfalls auf 45 Prozent. Der Rest liegt bei nachrangigen Gläubigern und dem Management.

Neumayer Tekfor braucht nun wieder frisches Geld, doch ist Equistone nicht mehr bereit nachzuschießen. „Wir sind der Überzeugung, dass das Schutzschirmverfahren der Neumayer Tekfor Gruppe momentan die bestmöglichen Voraussetzungen bietet, um die Sanierung des Unternehmens langfristig sicherzustellen“, hieß es in einer Stellungnahme. Der Betrieb soll weitergehen. Equistone unterstütze den Prozess und wolle ihn mitgestalten, betonte der Alteigentümer. Bei einem Insolvenzplan verzichten in der Regel alle Beteiligten auf einen Teil ihrer Ansprüche. Das neue Recht erlaubt auch einen Tausch von Schulden in Eigenkapital, so dass die Gläubiger weitere Anteile übernehmen und Equistone weiter verdrängen könnten.

Von

rtr

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