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21.03.2013

15:21 Uhr

Autozulieferer

Schaeffler spürt die Autokrise in Europa

In Zeiten eines schrumpfenden Automarktes in Europa schaut die Zulieferindustrie lieber auf andere Kontinente. So auch Schaeffler. In einer Region legten die Umsätze im zweitstelligen Prozentsatz zu.

Der Schaeffler-Sitz in Herzogenaurach: Der Konzern mach vor allem in Nordamerika und Asien Gewinne. dapd

Der Schaeffler-Sitz in Herzogenaurach: Der Konzern mach vor allem in Nordamerika und Asien Gewinne.

Herzogenaurach/HamburgDer Auto- und Industriezulieferer Schaeffler rechnet nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr mit stabilen Geschäften. Dabei stützt sich der Continental -Großaktionär vor allem auf Länder außerhalb Europas. „Wachstumstreiber sind und bleiben die Regionen Asien/Pazifik und Nordamerika“, sagte Vorstandschef Jürgen Geißinger am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanz für 2012 am Unternehmenssitz in Herzogenaurach. Für das laufende Jahr stellte er ein Umsatzplus in Höhe des Vorjahres von vier Prozent und eine stabile operative Rendite in Aussicht.

2012 hatte der Familienkonzern aus Franken seine wegen der Euro-Schuldenkrise und der schleppenden Entwicklung in Asien gesenkten Wachstumsziele erreicht und den Umsatz um vier Prozent auf 11,1 Milliarden Euro gesteigert. Der Betriebsgewinn (Ebit) schrumpfte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, womit die Umsatzrendite mit knapp 13 Prozent am unteren Rand der Erwartungen lag. Damit bestätigte Schaeffler Angaben aus Branchenkreisen, über die die Nachrichtenagentur Reuters bereits am Vortag berichtet hatte.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Besonders stark steigerte Schaeffler den Umsatz in Nordamerika (plus 18 Prozent) und in der Region Asien/Pazifik, wo die Erlöse um rund zehn Prozent kletterten. Im Europageschäft schlug sich wie bei vielen anderen Zulieferern und Autobauern auch bei Schaeffler die Pkw-Absatzkrise auf dem Heimatkontinent in stagnierenden Erlösen nieder. Zudem liefen die Geschäfte mit Komponenten für Windkraftanlagen und den Maschinenbau schlechter. Schaeffler, der sich vor Jahren fast mit der Übernahme des weitaus größeren Reifen- und Automobiltechnik-Konzern Continental verhoben hatte, stellt unter anderem Komponenten für Getriebe und Motoren sowie Wälz- und Gleitlager für die Schwerindustrie oder für Schienenfahrzeuge her.

Im Industriesegment brach das Ergebnis um ein Drittel ein, in der Kernsparte Automotive schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um sieben Prozent. Dabei schlugen neben der Konjunkturschwäche auch höhere Mitarbeiterzahlen zu Buche: Zuletzt arbeiteten über 76.000 Menschen für den Konzern, ein Zuwachs um knapp drei Prozent.

Die innovativsten Autostandorte

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Innovationskraft der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Spanien
Die Spanier verlieren im Innovationsranking satte 12 Prozentpunkte. Drei Prozent halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 14 Prozent für eher wettbewerbsfähig. Damit sind die Spanier Schlusslicht in Europa.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Innovationskraft hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Türkei
Gleichauf mit Ungarn sind die Türken in punkto Innovationskraft. Auch die Türkei ist für ein Prozent der befragten Unternehmen sehr wettbewerbsfähig, für 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch nicht sonderlich innovativ. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für wettbewerbsfähig. Das sind acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Platz 14

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet im Innovationsranking ebenfalls eher schlecht ab. Zwei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Italien
Satte neun Prozentpunkte haben die Italiener im Innovationsranking eingebüßt. Die Heimat von Fiat und Ferrari halten mittlerweile nur noch vier Prozent aller befragten Unternehmen für sehr wettbewerbsfähig,  24 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Innovation ist davon wenig geblieben. Erneut büßen die Briten 11 Prozentpunkte ein – und rutschen damit im Ranking ab. Sieben Prozent bewerten UK als sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 27 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Innovationskraft besteht Nachholbedarf. Sieben Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Frankreich
Der große Verlierer im Innovationsranking. 21 Prozentpunkte büßt der Standort Frankreich ein. Nur noch sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 28 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Schweden
Die Heimat von Volvo gehört zu den großen Gewinnern des Innovationsrankings. Neun Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 13 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 30 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Trotzdem wird das Land von den Automobilunternehmen als relativ innovativ angesehen. Zehn Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 35 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Brasilien
Den zweitgrößten Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Innovationskraft bewerten zehn Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 39 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Innovationskraft hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 43 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

China
Obwohl der chinesische Automarkt sich zuletzt wieder abgekühlt hat, belegt das Land im Innovationsranking einen der Spitzenplätze. 18 Prozent halten China für sehr wettbewerbsfähig, 42 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt vor allem an der Innovationskraft der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Innovationsranking satte 21 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 20 Prozent aller befragte ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 41 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Innovationskraft. 24 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 41 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa innovativer als Deutschland. Satte 44 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Innovationskraft, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Zugleich verringerte Schaeffler seinen Schuldenberg auf rund 6,8 Milliarden Euro. Vor Jahresfrist hatten noch Netto-Finanzschulden von 7,1 Milliarden zu Buche gestanden. Finanzvorstand Klaus Rosenfeld kündigte an, die Finanzierungskosten im laufenden Jahr weiter zu senken. Er ließ offen, ob sich Schaeffler von weiteren Conti-Anteilen trennen werde, um die Gesamtschulden von 10,3 Milliarden Euro zu senken. Es liege auf der Hand, dass die Möglichkeiten dafür begrenzt seien, sagte Rosenfeld lediglich. Schaeffler hatte im September Continental-Aktien für 1,6 Milliarden Euro an institutionelle Investoren verkauft. Der auf die Familienholding entfallende Anteil der Schulden sank dadurch auf 3,5 Milliarden Euro.

Von

rtr

Kommentare (7)

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tree

21.03.2013, 17:44 Uhr

Schaeffler ist schon ein Fall für sich. Die Folgen der völlig mißglückten Coni-Übernahme zahlen die entlassenen MA und die neueingestellten Leiharbeiter. Dagegen die Gewinne sprudeln direkt in die Banken und in den Schoß derer, die das Desaster verursacht haben.

Account gelöscht!

22.03.2013, 08:01 Uhr

Ich kann hier "tree" nicht ganz folgen. Also du sprichst von "entlassenen" Mitarbeitern bei einem Mitarbeiterzuwachs von knapp 3%? Grade Schaeffler bemüht sich doch, nicht an den Mitarbeitern zu sparen, sondern das operative Geschäft so zu lenken, dass die Umsätze etwaige Einbrüche wieder wettmachen.
Und missglückte Conti-Übernahme würde ich das auch nicht nennen. Natürlich konnte man nicht vorhersehen, dass nach der Übernahme eine Wirtschaftskrise über die ganze Welt hereinbricht, aber wie man sieht löst die Schaeffler-Gruppe auch diese Hürde auf sehr solide Weise. Sie sind immerhin unter den umsatzstärksten Unternehmen in der deutschen Industriebranche platziert.

tree

23.03.2013, 16:00 Uhr

Ihr Beispiel zeigt deutlich wie Statistiken, die richtig sein können an der Realität völlig vorbei gehen. Es beweisst auch, dass Sie etweder k. A. haben oder einfach im Auftrag schreiben. Ich möchte nur daran erinnern wie im Jahr 2009/2010 die perfidesten Änderungsverträge an viele MA verteilt wurden. Zum einen als Einsparungspotentiale zum anderen wurde die Gelegenheit genutzt die lukrativen Arbeitsplätze bei Schaeffler an gut betuchte und deren Kinder an den jeweiligen Standorte nach der Kriese zu vergeben. Was auch inzwischen voll umgesetzt wird. Die Geschäftsleitung hat dies mir gegenüber sogar als grossen Fehler eingeräumt. Korrigiert hat sie es bis heute nicht. Daas bei Schaeffler so einiges falsch läuft, zeigen auch die unzerschiedlichen Standpukte zwischen der Familie und der Geschäftsleitung. Zu diesem Thema gibt es noch viel mehr zu sagen, aber das ändert nichts mehr daran was passiert ist. Schade, schade...!

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