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18.06.2015

08:00 Uhr

Autozulieferer ZF

Ein Mann im Zwielicht

VonBenjamin Wagener

Das Arbeitsgericht Ulm prüft Vorwürfe gegen den Betriebsratschef des drittgrößten Automobilzulieferers der Welt. Hat der IG-Metall-Funktionär seine Stellung zum Wohl seiner Gewerkschaft missbraucht?

Hat die IG Metall unrechtmäßig profitiert? dpa

Autozulieferer ZF

Hat die IG Metall unrechtmäßig profitiert?

FriedrichshafenDer Verdacht wiegt schwer: Hat Achim Dietrich-Stephan das Wohl der IG Metall über das Wohl seines Unternehmens gestellt? Diese Frage stellt sich seit einigen Monaten nicht nur der Friedrichshafener Technologie-Konzern, sondern nun auch das Arbeitsgericht Ulm. Richter Klaus Mayr beschäftigt sich mit möglichen Unregelmäßigkeiten im Betriebsrat des 1915 gegründeten Traditionsunternehmens. Eine Betriebsrätin von ZF will ihren Arbeitgeber dazu zwingen, die Kosten für ein Rechtsgutachten zu tragen, das mutmaßlich strafbare Handlungen von Betriebsratschef Achim Dietrich-Stephan untersucht.

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Dem ZF-Betriebsratschef scheint persönlicher Einfluss wichtiger als das Wohl seines Konzerns. Die Opposition lässt sein Vorgehen gerichtlich überprüfen. Das vollständige Handelsblatt-Feature.

Der Verdacht, den die 57-Jährige hegt: Der ranghöchste Arbeitnehmervertreter von ZF und Funktionär von Deutschlands größter Einzelgewerkschaft IG Metall soll Rechnungen für Seminare, Zeitungen und Broschüren gegenüber seinem Unternehmen als sachlich richtig zur Zahlung frei gegeben haben. Davon profitierte nicht der Betriebsrat als Gremium insgesamt, sondern in erster Linie die Gewerkschaft. Das wäre laut Betriebsverfassungsgesetz verboten. Es geht um etwa ein Dutzend Rechnungen und eine Summe von rund 140.000 Euro, die das Unternehmen ZF möglicherweise zu Unrecht gezahlt hat.

Die Ravensburger Außenstelle des Ulmer Arbeitsgerichts bestätigte den Eingang eines entsprechenden Antrags. Presserichter Frank Söhner sagte, das Gericht werde ZF den Schriftsatz in den nächsten Tagen zukommen lassen und danach eine Güteverhandlung ansetzen.

ZF teilte mit, dass „die Vorwürfe gegen einzelne Betriebsratsmitglieder im Zuge von Auseinandersetzungen innerhalb des Gremiums am Standort Friedrichshafen bekannt geworden sind.“ Daraufhin habe ZF eine Untersuchung eingeleitet, die nach derzeitigem Stand der Prüfung die Vorwürfe im Kern nicht bestätige. „Sollten neue Erkenntnisse zu einer abweichenden Bewertung des Komplexes führen, würde ZF selbstverständlich alle notwendigen Konsequenzen daraus ziehen.“

Die größten Autozulieferer der Welt

Platz 10

Aisin (Japan): 18,9 Milliarden Euro

Platz 9

Michelin (Frankreich): 20,2 Milliarden Euro

Platz 8

Johnson Controls (USA): 20,9 Milliarden Euro

Platz 7

Hyundai Mobis (Korea): 23,3 Milliarden Euro

Platz 6

Bridgestone / Firestone (Japan): 24,6 Milliarden Euro

Platz 5

Magna (Kanada): 24,9 Milliarden Euro

Platz 4

Denso (Japan): 27,8 Milliarden Euro

Platz 3

ZF Friedrichshafen + TRW (Deutschland): 29,9 Milliarden Euro
(Anm. d. Red. In einer ersten Fassung war versehentlich der Umsatz verkauften Sparte ZF Lenksysteme doppelt herausgerechnet worden)

Platz 2

Bosch (Deutschland): 30,7 Milliarden Euro

Platz 1

Continental (Deutschland): 33,3 Milliarden Euro

Achim Dietrich-Stephan wies die Vorwürfe zurück, Gewerkschaftszeitungen und IG-Metall-Broschüren auf ZF-Kosten gedruckt zu haben. „Unsere Publikationen sind keine Wahlwerbung für eine bestimmte Gewerkschaft oder eine bestimmte Betriebsratsliste, sondern eine Berichterstattung über die Arbeit des Betriebsrates.“ Zur Frage, ob er Wahlkampfseminare der IG Metall als Weiterbildungen des Betriebsrats deklariert habe, äußerte sich der Betriebsratschef der ZF nicht.

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