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15.04.2015

15:12 Uhr

Azubikrise in Deutschland

Zahl der Ausbildungsverträge auf Rekordtief

Rund 100.000 Ausbildungsverträge weniger als 2007 verzeichnet die deutsche Wirtschaft – der Abwärtstrend hält an. Bildungsministerin Johanna Wanka nimmt auch die Unternehmen selbst in die Pflicht.

Die Zahl der Auszubildenden in Deutschland ist so gering wie nie. dpa

Immer weniger Azubis

Die Zahl der Auszubildenden in Deutschland ist so gering wie nie.

BerlinTrotz aller Warnungen vor einem Fachkräftemangel wird in Deutschland so wenig ausgebildet wie nie seit der Wiedervereinigung. Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch den Berufsbildungsbericht, wonach rund 522.200 junge Leute 2014 einen Ausbildungsvertrag abschlossen.

Den Rückgang um 1,4 Prozent führte die Bundesregierung auf weniger Schulabgänger und die höhere Neigung zum Studium zurück. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) forderte, die "Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung muss in den Köpfen ankommen". Die Arbeitgeber erklärten, für Unternehmen werde es immer schwieriger, ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern.

Die Bilanz für 2014 markiert den Tiefstand im wiedervereinigten Deutschland. 2007 gab es mit knapp 626.000 Lehrverträgen noch über 100.000 mehr junge Leute, die den Weg einer beruflichen Ausbildung im dualen System von Betrieb und Berufsschule einschlugen. Gleichzeitig gibt es für immer mehr Lehrstellen keine geeigneten Bewerber, obwohl auch 2014 über 250.000 junge Leute im sogenannten Übergangsbereich landeten.

Insgesamt stiegen 2014 rund 256.100 junge Leute in ein Programm zur Berufsorientierung, zur Förderung der Ausbildungsreife oder zum Nachholen von Hauptschul- oder Realschulabschluss ein. Etwa jeder Achte (13,1 Prozent) zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland hat keinen Berufsabschluss.

Erst am Dienstag hatten das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das IAB der Bundesagentur für Arbeit gewarnt, dass es bis 2030 zu flächendeckenden Fachkräfteengpässen bei technischen Berufen kommen werde, die zumeist einen Berufsabschluss voraussetzen. Gleichzeitig sei ein Überangebot an Arbeitskräften unter anderem bei kaufmännischen Dienstleistungen zu erwarten.

Der Berufsbildungsbericht fiel zusammen mit Daten des Statistischen Bundesamtes, die sich geringfügig unterscheiden, weil die Behörde das Kalenderjahr 2014 erfasst, während der Regierungsbericht das Berufsberatungsjahr zugrunde legt, das am 30. September eines Jahres endet.

Laut Statistikamt schlossen 518.000 junge Leute einen Ausbildungsvertrag ab. Im größten Ausbildungsbereich Industrie und Handel, zu dem auch Banken und Versicherungen gehören, wurden demnach 1,7 Prozent weniger Lehrlingsverträge abgeschlossen. Im Handwerk, dem zweitgrößten Bereich, gab es ein Minus von 1,5 Prozent.

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