Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.07.2013

16:35 Uhr

Bahnauftrag

Siemens gibt milliardenschweren Bieterkampf auf

Im Bieterwettkampf um einen milliardenschweren Bahnauftrag aus Großbritannien zieht Siemens sich zurück. Ganz unbeteiligt an der geplanten „Crossrail“-Strecke im Großraum London wird Siemens aber trotzdem nicht sein.

Ein Panorama einer Teilbaustelle der „Crossrail“-Bahnstrecke im Osten Londons. Das Projekt soll bis 2018 fertig werden. Reuters, Sascha Rheker

Ein Panorama einer Teilbaustelle der „Crossrail“-Bahnstrecke im Osten Londons. Das Projekt soll bis 2018 fertig werden.

MünchenSiemens zieht sich wegen drohender Überlastung aus einem Bieterwettkampf um einen milliardenschweren Bahnauftrag aus Großbritannien zurück. Der Technologiekonzern erklärte am Freitag, er bewerbe sich nicht mehr um die Lieferung von Zügen für die geplante neue "Crossrail"-Bahnstrecke im Großraum London.

Seit dem Einstieg in das Bieterrennen habe Siemens zahlreiche Aufträge gewonnen. "Ein weiteres Projekt dieser Größenordnung könnte unsere Fähigkeit zur Erfüllung unserer laufenden Kundenverpflichtungen beeinflussen", teilte das Unternehmen in London mit.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Das Verhältnis zu den Verantwortlichen des "Crossrail"-Projektes bleibe gut. Siemens liefere wie vereinbart Signal- und Kommunikationstechnik für die Strecke, zu der ein neuer Tunnel unter der Londoner Innenstadt gehört. Crossrail ist mit einem geplanten Investitionsvolumen von knapp 16 Milliarden Pfund (gut 18 Milliarden Euro) eines der größten Infrastrukturvorhaben in Europa.

Von der Gesamtsumme ist rund eine Milliarde Pfund für die Züge veranschlagt. Zu den übrigen Bietern zählt der kanadische Bahnzulieferer Bombardier.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×