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19.01.2005

07:54 Uhr

Banken signalisieren grundsätzliche Zustimmung zum Sanierungsplan

Walter Bau soll sein Rettungskonzept nachbessern

Die Verhandlungen des angeschlagenen Baukonzerns Walter Bau mit seinen Geldgebern laufen auf Hochtouren. Firmengründer und Aufsichtsratschef Ignaz Walter hatte am Dienstag kurzfristig die Teilnahme an der Pressekonferenz des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) zur konjunkturellen Entwicklung der Baubranche abgesagt, dessen Präsident Walter ist. Er begründete dies mit wichtigen Bankengesprächen.

agr/mm DÜSSELDORF. Bei den Gesprächen mit den Banken geht es vor allem um die Verlängerung von Bürgschaften (Avale) von 1,5 Mrd. Euro zur Absicherung des Baugeschäfts. Die Kredite von 200 Mill. Euro dürften dagegen eher weniger ins Gewicht fallen. Walter sprach zudem von einem „Liquiditätsengpass“, der durch ausstehende Forderungen von 450 Mill. Euro entstanden sei.

Wenngleich die Hausbanken gestern ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Sanierungskonzept signalisiert haben, ist die Krise des Augsburger Bauriesen noch nicht überwunden. Mehrere Banken beurteilen das Rettungskonzept nach wie vor als wenig überzeugend und verlangen Nachbesserungen beim Sanierungsprogramm. Bislang will Walter Bau Firmen verkaufen, 400 Arbeitsplätze abbauen und die Kosten durch eine Straffung der Unternehmensstrukturen um 40 bis 60 Mill. Euro verringern. „Mit dem Konzept ist Walter nicht überlebensfähig. Es müssen weitere Sparanstrengungen unternommen werden“, heißt es in Bankenkreisen. Ein Sprecher des Baukonzerns wollte dies nicht kommentieren. Von einer Insolvenz wären knapp 10 000 Arbeitsplätze bedroht.

Eine endgültige Einigung mit den Banken will Walter Bau noch in dieser Woche erreichen. Eine kleine Gruppe der 27 Banken soll dabei Ablehnung signalisiert haben, darunter die Berliner Bank. Ein hochrangiger Branchenmanager sagte am Dienstag allerdings, er könne sich nicht vorstellen, dass die Banken Walter fallen lassen, nur weil einige kleinere Institute wie die Berliner Bank aussteigen wollten. Die Bankgesellschaft Berlin als Muttergesellschaft der Berliner Bank wollte sich zu einem möglichen Rückzug nicht äußern. Neben der Berliner Bank will sich nach Angaben aus Gläubigerkreisen auch ABN Amro aus der Finanzierung des Baukonzerns zurückziehen.

In der Branche werden bereits Parallelen zur Insolvenz des Philipp- Holzmann-Konzerns gezogen. Allerdings hat die Bundesregierung Hilfe abgelehnt. Ein Rettungsprogramm wie bei Holzmann werde es nicht geben, hatte Bundesbauminister Manfred Stolpe am Rande der Baumesse in München gesagt.

Der Bauverband HDB erwarte von einer möglichen Insolvenz keine großen Auswirkungen auf die Branche, sagte Vizepräsident Helmut Echterhoff in Berlin. Der Abbau von Arbeitsplätzen, schätzungsweise 30 000 bis 40 000 im Jahr 2005, werde sich weiter fortsetzen, vor allem im Mittelstand. Eine Insolvenz würde auch nicht zu einer Marktbereinigung beitragen.

Von der Baukonjunktur wird Walter Bau nicht profitieren können. Die Bauindustrie erwartet das elfte Krisenjahr in Folge und hat ihre Umsatzprognose für 2005 gesenkt. Gerechnet wird nun mit einem Rückgang um 3,5 Prozent statt ein bis drei Prozent. 2004 war der Branchenumsatz um 5,5 Prozent gefallen.

Quelle: Handelsblatt

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