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26.02.2016

08:42 Uhr

BASF-Bilanz

Die Ludwigshafener brauchen mehr Hightech

VonSiegfried Hofmann

BASF schrumpft – doch der Konzern ist solide genug aufgestellt, um die Ölpreiskrise abzufedern. Trotzdem muss Konzernchef Kurt Bock stärker ins Risiko gehen, um den Konzern zukunftsfest zu machen. Eine Analyse.

Der Konzern muss sein Gewicht noch stärker in die Hightech-Chemie verlagern. obs

BASF-Produkte für die Halbleiterindustrie

Der Konzern muss sein Gewicht noch stärker in die Hightech-Chemie verlagern.

LudwigshafenDer Chemieriese BASF rechnet auch für 2016 mit einem leichten Rückgang des Betriebsgewinns vor Sondereinflüssen. Gemessen an dem Umfeld, in dem sich der Konzern bewegt, erscheint das noch als relativ optimistische Prognose. Auch mit seiner weiteren Dividendenerhöhung um einen Cent auf 2,90 Euro je Aktie demonstriert der Chemieriese einiges an Zuversicht.

Denn vor allem im Geschäft mit Öl und Gas zeichnen sich weitere Einbußen ab. Firmenchef Kurt Bock weist in seinem Ausblick daher nicht umsonst darauf hin, dass man das Ertragsziel wohl nicht erreichen wird, wenn der Ölpreis über das ganze Jahr dauerhaft unter 40 Dollar liegen sollte.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Immerhin zeigt die Prognose, dass sich der Konzern im Chemiegeschäft insgesamt offenbar in solider Verfassung befindet, auch wenn hier die Bäume zurzeit keineswegs in den Himmel wachsen. Alles in allem unterstellt der Ludwigshafener Konzern, dass die Erträge im Chemiegeschäft die Einbußen bei Öl und Gas zumindest teilweise kompensieren.

Das ist insofern bemerkenswert, da die Margen, vor allem im Petrochemiegeschäft, nach einem sehr starken Jahr 2015 inzwischen deutlich unter Druck geraten sind. Das zeigte sich bereits im vierten Quartal beim Einbruch in der Sparte Chemicals, die das Grundproduktegeschäft der BASF umfasst. Nachdem man bis Ende September die Erträge hier noch steigern konnte, haben sie sich im Schlussquartal mehr als halbiert.

Insbesondere in China spürt auch BASF inzwischen die konjunkturelle Abkühlung und den wachsenden Preisdruck in Teilen des Chemiegeschäfts deutlich. Das operative Ergebnis in der Region Asien sank im Gesamtjahr 2015 um rund ein Drittel, während man in Europa und Asien nur moderate Einbußen verzeichnete.

BASF-Jahresbilanz: Der Chemieriese geht auf Schrumpfkurs

BASF-Jahresbilanz

Der Chemieriese geht auf Schrumpfkurs

Das abgelaufene Jahr hat BASF mit einem Gewinneinbruch abgeschlossen. Und auch für 2016 rechnet der Chemiekonzern mit einem deutlich sinkenden Umsatz. Trotzdem will BASF mehr Geld an die Aktionäre ausschütten.

Für 2016 zeichnet sich im Bereich Chemikalien ein weiterer kräftiger Ergebnisrückgang ab, ebenso wie in der Öl- und Gassparte. Demgegenüber traut es sich der Konzern zu, in seinen anderen drei Chemiesegmenten – Performanceprodukte, Funktionslösungen und Agrarchemie – die Betriebsgewinne leicht zu steigern. Diese Bereiche mit zusammen knapp 60 Prozent Anteil am BASF-Konzernumsatz von 70 Milliarden Euro repräsentieren das breite Spektrum an höher veredelten Chemieprodukten, von Lacken und Katalysatoren über Bauchemikalien und Pigmenten bis hin zu Pflanzenschutzmitteln und Vitaminen.

Der nach wie vor positive Trend in diesem Bereich spricht dafür, dass sich der Konzern in den letzten beiden Jahrzehnten tatsächlich ein sehr tragfähiges, robustes und weniger schwankungsanfälliges Chemiegeschäft aufgebaut hat und in diesem Bereich auch seine Effizienz nach und nach verbessern kann. Aber dieser Teil der BASF ist letztlich immer noch nicht groß genug, um die heftigen zyklischen Schwankungen bei den so genannten Commodities, das heißt Standardprodukten wie Öl- und Gas sowie Basischemikalien, völlig aufzufangen.

Der Ludwigshafener Konzern muss daher sein Gewicht noch stärker in Richtung Hightech-Chemie verlagern. Er wird dafür sowohl mehr Geld in die Hand nehmen müssen als auch weitere Risiken wagen müssen. Denn auch eine innovationsorientierte Strategie ist kein Selbstläufer, wie etwa die bisher eher enttäuschenden Resultate der BASF-Forschung in der Pflanzenbiotechnologie zeigen – ein Arbeitsgebiet, in das man in den letzten eineinhalb Jahrzehnten immerhin fast zwei Milliarden Euro investiert hat.

Die Entscheidung, dort auf die Bremse zu gehen und die Ausgaben zu halbieren, war vermutlich überfällig. Aber die eingesparten Ressourcen wird Bock letztlich wohl an anderer Stelle in die Forschung reinvestieren müssen.

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