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12.04.2016

14:27 Uhr

BASF-Chef auf Handelsblatt-Tagung

Chemie auf dem Fahrersitz

VonSiegfried Hofmann, Bert Fröndhoff

Die Chemieindustrie in Deutschland giert nach Innovationen, um mit der weltweiten Konkurrenz langfristig mithalten zu können. Für BASF-Chef Kurt Bock geht es dabei nicht nur um Moleküle, auch sondern um Geschäftsmodelle.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Chemie ein Wachstumsmotor sein kann und muss“, sagt BASF-Chef Kurt Bock auf der Handelsblatt-Chemietagung in Frankfurt am Main. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Branchentreff

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Chemie ein Wachstumsmotor sein kann und muss“, sagt BASF-Chef Kurt Bock auf der Handelsblatt-Chemietagung in Frankfurt am Main.

FrankfurtForschung und Entwicklung – für die deutsche Chemie ist das traditionell ein großes Thema. Die Branche ist einst vor allem als Innovator auf dem Gebiet der Textilfarben, Pharmawirkstoffe und Düngemittel groß geworden und ist heute nach China und den USA immer noch Nummer drei in der Welt.

Für die Zukunft allerdings wird das Thema Innovation vermutlich noch wichtiger sein als in der Vergangenheit. Das ist die zentrale Botschaft, die BASF-Chef Kurt Bock und eine Reihe anderer prominenter Chemiemanager zur diesjährigen Handelsblatt-Jahrestagung Chemie in Frankfurt am Main mitbrachten. „Denn Innovation ist der einzige Werttreiber, den wir eigenständig beeinflussen können“, sagte Bock als Hauptredner der Tagung. „Hier können wir auf dem Fahrersitz Platz nehmen und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.“

Das Thema gewinnt nicht zuletzt deshalb an Brisanz, weil sich das Umfeld ansonsten eher ungünstig für die europäische Chemiebranche entwickelt: Die Konjunktur in Europa erholt sich nur sich schleppend, in wichtigen Schwellenmärkten hat sich die Wirtschaftsentwicklung deutlich abgekühlt, Märkte wie Brasilien versinken in einer Rezession.

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Gleichzeitig drängen neue Wettbewerber, insbesondere aus China und dem mittleren Osten massiv in den Markt. Neue Bereiche der Chemie werden dadurch „commoditisiert“, das heißt, aus einstigen Spezial-Chemikalien werden durch wachsende Konkurrenz Standardprodukte, die von neuen Wettbewerbern preisgünstiger und zu niedrigeren Margen angeboten werden. Das zwingt die etablierten westlichen Chemiefirmen dazu, permanent ihre Produktsortimente zu bereinigen und sich immer wieder aus Teilbereichen zurück zu ziehen. Hinzu kommt wachsender Konkurrenzdruck in der Forschung.

Bock weist darauf hin, dass die chinesische Chemieindustrie inzwischen ein Drittel der weltweiten Produktion und rund die Hälfte aller Patente in der Chemiebranche generiert. „Auch wenn die noch nicht von gleicher Qualität sind wie in Europa, sieht man doch eine große wissenschaftliche Dynamik in China. Dieser Trend wird sich fortsetzen“, warnt der BASF-Chef.

Bock gibt sich dabei – ungeachtet aller Herausforderungen – zuversichtlich. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Chemie ein Wachstumsmotor sein kann und muss“, sagt er.

Eine entscheidende Voraussetzung dafür sieht der BASF-Chef wie auch viele andere Branchenvertreter darin, den Innovationsprozess noch viel breiter aufzufassen. Nicht mehr das Molekül alleine sollte im Blickfeld der Chemieforscher stehen, sondern die gesamte Anwendungs- und Verarbeitungskette. Innovationen in der Chemie entstehen weniger aus neuen Substanzen, sondern vor allem aus neuen Kombinationen, Verarbeitungstechniken und der engeren Kooperation mit Weiterarbeitern und Endkunden. Auch die Digitalisierung könnte zu einem Innovationstreiber für die Chemie werden.

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