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17.11.2015

16:55 Uhr

BASF

Der Kampf um die Schäume

VonSiegfried Hofmann

Es ist ihr größtes Einzelprojekt: Die eine Milliarde Euro teure Anlage für das Schaumstoff-Vorprodukt TDI soll die Position von BASF langfristig sichern. Sie wird zunächst aber auch den Druck auf die Margen verstärken.

In Ludwigshafen hat der Chemie-Konzern eine Milliarden teure TDI-Anlage in Betrieb genommen. dpa

BASF

In Ludwigshafen hat der Chemie-Konzern eine Milliarden teure TDI-Anlage in Betrieb genommen.

FrankfurtDas Experiment gehört zu den eindrucksvollsten der Chemie: Man gieße ein paar Kubikzentimeter von zwei zähen, honigartigen Flüssigkeiten in einem Becher zusammen und rühre sie gründlich um. Nach wenigen Sekunden schäumt das Gemisch auf, dehnt sich auf ein Vielfaches des ursprünglichen Volumens aus und verfestigt sich schließlich zu einer stabilen Formmasse.

Was auf diese Weise entsteht, nennt sich Polyurethan und ist der wohl vielfältigste Kunststoff, den die Chemieindustrie hervorgebracht hat. In den 30er Jahren hat der Forscher Otto Bayer das Polymer erfunden. Heute werden aus Polyurethanen Dämmstoffe und Matratzen, Autositze und Armaturenbretter,  Skier und Schuhsohlen gefertigt. Sie dienen als Isoliermaterial und Montageschaum, umhüllen Fußbälle und Implantate und sind das Grundmaterial für die elastischen Fasern in Sportbekleidung.

Sie sind auch das Feld, auf dem sich die beiden deutschen Chemieriesen BASF und Bayer seit Jahrzehnten einen milliardenschweren Zweikampf um die Marktführerschaft liefern. Mit zwei Großinvestitionen starteten sie in den letzten zwölf Monaten in die nächste Runde: Bereits Ende 2014 nahm die Bayer-Tochter Covestro (ehemals Bayer Material Science)  eine neue Anlage für  das Ausgangsmaterial TDI (Toluoldiisocyanat) in Dormagen in Betrieb. Nun folgt BASF mit eigenen neuen Riesenfabrik für TDI, ein Schaumstoff-Vorprodukt, in Ludwigshafen.

„Die hervorragende Einbindung in den BASF-Verbund macht diese Anlage zu einer der modernsten und wettbewerbsfähigsten weltweit“, sagt BASF-Chef Kurt Bock. AFP

Kurt Bock

„Die hervorragende Einbindung in den BASF-Verbund macht diese Anlage zu einer der modernsten und wettbewerbsfähigsten weltweit“, sagt BASF-Chef Kurt Bock.

Die Anlage mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen gilt als das größte Investitionsprojekt in der Geschichte des Chemieriesen. Zusammen mit den nötigen Vorprodukt-Anlagen kostete sie rund eine Milliarde Euro  und soll das PU-Geschäft des Konzerns langfristig voranbringen. „Die hervorragende Einbindung in den BASF-Verbund macht diese Anlage zu einer der modernsten und wettbewerbsfähigsten weltweit“, zeigt sich BASF-Chef Kurt Bock überzeugt. Die Investition sei zudem ein Zeichen für das Vertrauen in die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland.

TDI ist neben Polyether-Polyolen und der Chemikalie Methylendiphenylisocyanat (MDI) einer von drei Bausteinen im PU-Geschäft.  Polyurethane entstehen durch die Kombination von Polyolen mit MDI oder TDI, je nach geforderter Eigenschaft. Sie bieten unter anderem den Vorteil, dass sie durch Modifikation der Bausteine in enormer Vielfalt  produziert und bei Bedarf auch am Verwendungsort erst zusammengemischt werden können.

Für die beiden Marktführer Bayer/Covestro und BASF sind Polyurethane seit vielen Jahren ein Eckpfeiler und wichtiger Ertragsbringer im Kunststoffgeschäft.

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