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03.04.2015

09:35 Uhr

BASF-Finanzvorstand

„Gazprom-Tausch später nicht ausgeschlossen”

Im Dezember sagten BASF und ihr russischer Partner Gazprom ein großes Tauschgeschäft ab. Vorstandsmitglied Engel schließt aber nicht aus, dass später noch etwas daraus wird. In Russland läuft das Geschäft problemlos.

Trotz des abgesagten Deals machen Gazprom und BASF weiterhin Geschäfte miteinander: Die BASF-Tochter Wintershall investiert in die Erschließung zweier Lagerstätten, beides Projekte mit Gazprom. obs

Tanklager der BASF in Ludwigshafen

Trotz des abgesagten Deals machen Gazprom und BASF weiterhin Geschäfte miteinander: Die BASF-Tochter Wintershall investiert in die Erschließung zweier Lagerstätten, beides Projekte mit Gazprom.

LudwigshafenBASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel schließt nicht aus, dass der abgesagte Tausch von milliardenschweren Geschäftsteilen mit dem russischen Partner Gazprom zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird. In der „geopolitischen Situation“, in der man sich derzeit befinde, sei das zwar wenig wahrscheinlich, sagte Engel in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur zum 150-jährigen Bestehen des weltgrößten Chemiekonzerns. Aber: „Verändern sich die Verhältnisse wieder, dann legen wir uns die Karten neu, sehen uns mit unserem Partner Gazprom in die Augen und überlegen noch einmal.“

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

BASF und Gazprom hatten den lange vorbereitete Tausch am 18. Dezember überraschend abgesagt und dies mit dem „aktuell schwierigen politischen“ Umfeld begründet. Geplant war unter anderem, dass die BASF-Tochter Wintershall das bislang gemeinsam betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft vollständig an Gazprom überträgt. Dies hätte den BASF-Umsatz zunächst um fast 12 Milliarden Euro gemindert. Im Gegenzug war die gemeinsame Erschließung von Gasfeldern in Westsibirien vorgesehen. Die Absage sei zum Bedauern auf beiden Seiten erfolgt, sagte Engel.

Auswirkungen der Ukraine-Krise bekommt die BASF bei ihren Öl- und Gasaktivitäten in Russland nach Engels Angaben weiterhin nicht zu spüren. Die Tochter Wintershall (Kassel) investiert unter anderem in die Erschließung zweier Lagerstätten, beides Projekte mit Gazprom. „Auf unsere Förderung in Russland wirkt sich die Krise nicht aus. Die Sanktionen gelten für die Felder, an denen wir beteiligt sind, nicht“, sagte Engel. Im russischen Chemiegeschäft des Konzerns habe sich allerdings der abgestürzte Rubelkurs bemerkbar gemacht.

Einem Verkauf der 1969 erworbenen Öl- und Gassparte erteilte er eine Absage. „Es ist eine Erfolgsgeschichte.“ Das Unternehmen sei hochprofitabel und hochwettbewerbsfähig. Dies sei schon vor 15 Jahren so gewesen, als der Ölpreis gerade einmal zehn bis zwölf Dollar betragen habe. Außerdem fließe das verdiente Geld teilweise auch in die Chemieaktivitäten.

Mit großer Besorgnis sehe die BASF die Entwicklung in Syrien, im Irak und in Nordafrika. In Syrien sei das Geschäft praktisch nicht existent. In Libyen fördere die BASF nur etwa ein Drittel der Kapazität, seit 2011 habe es immer wieder Unterbrechungen gegeben. „Das ist eine ausgesprochen unerfreuliche Entwicklung (...) nicht nur bezogen auf unser Geschäft.“ Wohl und Wehe der BASF hingen aber nicht davon ab, ihre Hauptumsatzträger lägen auf anderen Kontinenten. Gute Noten stellte er Indien aus, das eine „Renaissance“ erlebe. „Es wächst in ähnlichen Größenordnungen wie China.“

Von

dpa

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