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24.02.2017

10:20 Uhr

BASF

Ludwigshafener starten eine Aufholjagd

VonSiegfried Hofmann

Der Chemiekonzern BASF schafft einen Gewinnsprung. Dank des guten Geschäfts mit Basischemikalien können die Ludwigshafener den Einbruch im Öl- und Gasgeschäft kompensieren. Chef Kurt Bock ist „verhalten optimistisch“.

BASF

Vorstandschef Kurt Bock: „Wir sind vorsichtig optimistisch“

BASF: Vorstandschef Kurt Bock: „Wir sind vorsichtig optimistisch“

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LudwigshafenNach zwei Jahren mit rückläufigen Erträgen schwenkt BASF wieder auf Wachstumskurs. Allerdings dürfte der Zuwachs nach den jüngsten Prognosen des Chemiekonzerns der Erträge nur moderat ausfallen. BASF-Chef Kurt Bock stellt eine deutliche Umsatzsteigerung, aber nur eine leichte Verbesserung des Betriebsgewinns vor Sondereinflüssen in Aussicht. Das deutet nach der Terminologie des Konzerns auf mehr als fünf Prozent Umsatzwachstum und eine Ertragssteigerung von ein bis zehn Prozent hin.

Mit den Zahlen für das abgelaufene Jahr 2016 haben die Ludwigshafener die eigenen Prognosen wie auch die Erwartungen der Analysten nahezu exakt getroffen. Die Geschäftsentwicklung ist geprägt von einem 18-prozentigen Rückgang des Umsatzes auf nur noch 57,5 Milliarden Euro, einem stagnierenden Betriebsgewinn von 6,3 Milliarden Euro und einem leichten Anstieg des Nettogewinns (nach Anteilen Dritter) auf 4,1 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn schrumpfte um sechs Prozent auf 6,3 Milliarden Euro.

Ausschlaggebend dafür war vor allem ein massiver Einbruch im Öl- und Gasgeschäft, wo der Umsatz um fast 80 Prozent schrumpfte und das bereinigte Betriebsergebnis um 62 Prozent auf nur noch 517 Millionen Euro. Neben dem kräftigen Ölpreisrückgang trug dazu auch der Verkauf des Gashandelsgeschäfts an den russischen Partner Gazprom bei. Dieses Geschäft lieferte 2015 noch etwa zehn Milliarden Euro Umsatz und 260 Millionen Euro Ebit für den Chemieriesen.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Die vier Chemie-Segment der BASF dagegen entwickelten sich 2016 überwiegend positiv. Nur die Sparte Chemikalien, in der das Geschäft mit Grundprodukten gebündelt ist, verbuchte einen leichten Ergebnisrückgang von vier Prozent. Hier wirkten sich hohe Anlaufkosten für die in den vergangenen Jahren errichteten Neuanlagen negativ aus. Nicht zuletzt die erheblichen Verzögerungen bei einer Großanlage für das Kunststoff-Vorprodukt TDI dürften das Ergebnis gebremst haben.
Die Agrochemiesparte stagnierte bei 1,1 Milliarden Euro bereinigtem Betriebsgewinn.

Die übrigen Chemiesparten dagegen, die das Geschäft mit höher veredelten Chemieprodukten umfassen, lieferten 2016 fast durchweg höhere Erträge. In der Summe steigerte das BASF-Chemiegeschäft (ohne Öl und Gas) damit den bereinigten Betriebsgewinn um knapp acht Prozent. Die operative Marge im Chemiegeschäft verbesserte sich damit von 9,4 auf 10,6 Prozent. Hier schlugen sich neben einer anziehenden Nachfrage offenbar auch die Effizienzmaßnahmen der vergangenen Jahre positiv nieder.

Ertragsmäßig ist BASF damit wieder fast vollständig zu einem reinen Chemiekonzern geworden. Die Öl- und Gassparte, die in der Vergangenheit noch rund 18 Prozent der Erlöse und gut ein Fünftel der Erträge geliefert hat, steuerte 2016 nur noch fünf Prozent zum Umsatz und acht Prozent zum operativen Ergebnis bei.

Alles in allem dürfte sich der Ludwigshafener Konzern mit seinem Chemiegeschäft sogar etwas besser entwickelt haben als die gesamte Branche. Die großen westlichen Chemiekonzerne, die bisher Zahlen vorlegt haben, wiesen im Schnitt einen in etwa stagnierenden Betriebsgewinn aus, wobei die Ergebnisse allerdings durch viele Sondereffekte und eine große Bandbreite gekennzeichnet sind. Die Spanne reicht von rund 100 Prozent Ertragszuwachs bei der Bayer-Tochter Covestro und der niederländischen DSM bis hin zu mehr als 50 Prozent Gewinnrückgang beim amerikanischen Farbstoffhersteller PPG.

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