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27.10.2016

15:07 Uhr

BASF nach dem Unfall

„Sicherheit hat immer Vorrang“

VonSiegfried Hofmann

Der Chemieunfall bei BASF führt zu Versorgungsengpässen. Doch der Konzern zeigt sich angesichts der wirtschaftlichen Folgen zuversichtlich. Konzernchef Kurt Bock verspricht eine Überprüfung der Sicherheitskultur.

„Sollten Fehler gemacht worden sein, so werden wir daraus Konsequenzen ziehen“. dpa

BASF-Chef Kurt Bock

„Sollten Fehler gemacht worden sein, so werden wir daraus Konsequenzen ziehen“.

LudwigshafenBASF ist tief betroffen vom Explosionsunglück der vergangenen Woche, aber kaum in wirtschaftlicher Hinsicht. Das ist die Botschaft, die das Management des Ludwigshafener Chemieriesen am Donnerstag auf einer Pressekonferenz vermittelte.

Firmenchef Kurt Bock, der sich erstmals vor Journalisten zu dem Vorfall äußerte, bemühte sich intensiv, Zweifel an den Sicherheitsvorkehrungen und der Transparenz des Chemiekonzerns zu zerstreuen. „Niemand hat größeres Interesse daran, aufzuklären, was passiert ist, und die Konsequenzen daraus zu ziehen, als die BASF“, sagte Bock. „Sollten Fehler gemacht worden sein, so werden wir daraus Konsequenzen ziehen“, versicherte Bock. Die BASF investieren erheblich in Sicherheit und Ausbau und pflege eine hohe Sicherheitskultur, so Bock. „Sicherheit hat immer Vorrang. Der Schutz von Mensch und Umwelt ist fundamental.“

Bei der Explosion einer Chemie-Pipeline im Norden des BASF-Werksgeländes, dem größten Unfall bei dem Konzern seit Jahrzehnten, waren am Montag vergangener Woche drei Menschen ums Leben gekommen, acht weitere Personen wurden schwer, 22 leicht verletzt. Der Hafen, über den die BASF einen Teil ihrer Rohstoffe bezieht, fällt für den Dauer der Unfallermittlungen komplett aus.

BASF: Explosionsunglück belastet den Gewinn

BASF

Explosionsunglück belastet den Gewinn

Die schwere Explosion im Stammwerk Ludwigshafen wird sich auf das Ergebnis von BASF auswirken. Der Konzern will nun Details zur Ursache des Unglücks präsentieren. Bereits im abgelaufenen Quartal ist der Gewinn gesunken.

Das wiederum führte zu Versorgungsengpässen und hat den Konzern nach dem Unglück gezwungen, 20 Anlagen – darunter zwei zentrale Anlagen für Basischemikalien, so genannte Cracker, – komplett abzuschalten. Inzwischen stehen, wie Bock erläuterte, nur noch acht dieser Anlagen komplett still. Auch einer der beiden Steamcracker wurde wieder in Betrieb genommen. Weitere 50 von insgesamt mehr als 200 Einzelbetrieben auf dem riesigen Werkgelände in Ludwigshafen haben aber die Produktionsmengen reduziert.

Der Umsatz mit Produkten aus dem Stammwerk Ludwigshafen ist dadurch nach den Worten von Finanzchef Hans Engel um zehn bis 15 Prozent reduziert. Bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro, die das Stammwerk pro Jahr generiert, errechnet sich daraus ein Umsatzausfall von etwa drei Millionen Euro pro Tag für den Konzern.

Die Ertragsentwicklung der BASF dürfte dessen ungeachtet von dem Unfall so gut wie nicht betroffen sein. Die BASF ist nach Aussage Engels sowohl für den unmittelbaren Schaden versichert, als auch für Ertragsausfälle aufgrund der Produktionsunterbrechung und externe Haftungsansprüche. Allerdings könnte es sein, dass der Konzern im vierten Quartal von gewissen Belastungen betroffen sein wird, die erst im kommenden Jahr durch Versicherungsleistungen kompensiert wird.

Der Unfall trifft den Konzern insgesamt in einer der wirtschaftlichen Erholung. Bereits Anfang des Monats hatte BASF bekannt gegeben, dass das Geschäft im dritten Quartal besser lief als ursprünglich von den meisten Analysten erwartet. Mit den am Donnerstag vorgelegten Zahlen hat er diesen Trend bestätigt. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) lag mit 1,5 Milliarden Euro nur fünf Prozent unter Vorjahresniveau, während der Umsatz um ein Fünftel auf 14 Milliarden Euro schrumpfte und der Nettogewinn mit 888 Millionen Euro um gut ein Viertel unter dem Vorjahresniveau lag.

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