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03.05.2012

07:12 Uhr

Baustoffkonzern

Heidelberg Cement baut Verluste aus

Bei Heidelberg Cement geht es nicht mehr um die Existenz. Doch die Verluste steigen erneut stärker als die Analysten erwartet haben. Insbesondere das Geschäft in Europa belastet das Ergebnis.

Zementierte Verluste - HeidelbergCement schneidet schlecht ab. ap

Zementierte Verluste - HeidelbergCement schneidet schlecht ab.

HeidelbergPreisschübe bei Energie und Reparaturen sowie höhere Frachtenkosten haben dem Baustoffkonzern HeidelbergCement zu Jahresbeginn zugesetzt. In den wegen der winterlichen Witterung auf der Nordhalbkugel traditionell schwachen Monaten Januar bis März vergrößerte sich der Fehlbetrag nach Minderheiten-Anteilen auf 204 Millionen Euro nach 161 Millionen Euro vor Jahresfrist, wie HeidelbergCement am Donnerstag mitteilte.

Der operative Gewinn schrumpfte um drei Viertel auf 14 Millionen Euro zusammen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang des Betriebsgewinns auf 52,9 Millionen Euro gerechnet.
Die operative Marge erreichte zu Jahresbeginn noch magere 0,5 Prozent nach 2,3 Prozent vor Jahresfrist, da die Einkaufskosten für die energie- und kapitalintensive Zementproduktion schneller als die Erlöse kletterten. Die unerwartet kräftigen Kostensteigerungen will Deutschlands Branchenführer nun auf breiter Front mit Preiserhöhungen kontern. Im vergangenen Jahr waren diese jedoch größtenteils verpufft.

Heidelberg Cement: Die Sünden der Vergangenheit

Heidelberg Cement

Die Sünden der Vergangenheit

Heidelberg Cement hat die Insolvenz abgewendet. Doch obwohl der Optimismus zurückkehrt, bleiben die strategischen Sünden der Vergangenheit sichtbar. Nun will Vorstandschef Bernd Scheifele umsteuern.

Der Umsatz legte im Auftaktquartal um acht Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zu, da HeidelbergCement - wie Konkurrent Cemex - von einem milden Winter und der Konjunkturbelebung in Nordamerika profitierte. Damit glich der Konzern die schwächere Nachfrage in Europa aus, für die HeidelbergCement das kalte Winterwetter und die schwächelnde Konjunktur verantwortlich machte.

Die Stärken und Schwächen von HeidelbergCement

Stärke 1 - Schwellenmärkte

Der Lieferradius für Zement und Baustoffe auf dem Landweg beträgt maximal 200 Kilometer. Das Geschäft ist damit stark von der lokalen Baukonjunktur abhängig. In dieser Hinsicht ist Heidelberg Cement (HC) derzeit etwas besser positioniert als die meisten Konkurrenten. Anders als Lafarge zum Beispiel ist HC in Südeuropa und Nordafrika nur schwach vertreten, stärker dagegen in Schwarzafrika und wichtigen asiatischen Märkten wie Indonesien, wo derzeit die Baukonjunktur deutlich besser läuft. Der Asienanteil am Gesamtumsatz liegt bei knapp einem Viertel, und damit deutlich höher als bei den Konkurrenten Lafarge und Cemex, reicht allerdings noch nicht an die knapp 40 Prozent der Schweizer Holcim heran.

Stärke 2 - Kostensenkung

Was die Arbeit an den internen Kostenstrukturen angeht, kann man dem HC-Management wenig vorwerfen. Scheifele legt kontinuierlich neue Effizienzprogramme auf und hat jüngst die Einsparziele um weitere 400 Millionen Euro angehoben. Die Personalkostenquote des Konzerns ist seit Anfang des letzten Jahrzehnts um fünf Punkte auf rund 16 Prozent gesunken. Gemessen an der operativen Marge hat der Konzern jüngst Lafarge wie auch den bisherigen Branchenprimus Holcim überrundet.

Stärke 3 - Reserven

Dank der Hanson-Übernahme verfügt Heidelberg Cement über große Reserven an Sand und anderen Zuschlagstoffen für das Betongeschäft. Die Vorräte reichen zum Teil für mehr als 60 Jahre. Das könnte sich langfristig als wichtiger Vorteil für den Konzern erweisen, insbesondere im US-Geschäft.

Schwäche 1 - Zinslasten

Die große Finanzierungskrise des Jahres 2009 hat Heidelberg Cement längst überwunden, und neue Liquiditätsnöte sind dank 4,7 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln und ungenutzten Kreditlinien nicht in Sicht. Dennoch ist die verbliebene Nettoverschuldung von 7,8 Milliarden Euro eine Bürde für den Konzern. Erfolgsrechnung und Cash-Flow wurden 2011 immerhin noch mit mehr als 600 Millionen Euro Zinsaufwand belastet. HC gehört damit zu den wenigen Großkonzernen, bei denen die Kreditgeber einen höheren Anteil an der Wertschöpfung erhalten als die Aktionäre. Vorerst dürfte sich daran wenig ändern. Denn durch die jüngsten Refinanzierungen erhöhen sich die durchschnittlichen Zinskosten von 6,2 auf 6,7 Prozent.

Schwäche 2 - Kapitalrendite

Heidelcement erwirtschaftet ordentliche Umsatzrenditen, aber magere Kapitalrenditen. Vor allem in Nordamerika ist der Konzern weit davon entfernt, seine Kapitalkosten zu verdienen, die er für die Region mit 6,5 Prozent nach Steuern kalkuliert. Sollte sich die Situation in absehbarer Zeit nicht ändern, könnte sich mittelfristig die Frage nach den bilanziellen Bewertungsansätzen stellen. Denn aus dem Kauf von Hanson und anderen Akquisitionen stehen immerhin noch knapp elf Milliarden Euro Goodwill in der Bilanz. Ein Großteil davon dürfte auf das US-Geschäft entfallen. Analysten und Wirtschaftsprüfer sehen wenig Anlass für eine Korrektur, zumal sich das US-Geschäft wieder zu bessern scheint. An der Börse indessen wird Heidelcement gut ein Drittel unter Buchwert gehandelt. Das heißt: Der Kapitalmarkt betrachtet die Bewertung der Assets als zu hoch.

Auch in den Schwellenländern Asiens und in Afrika wurde mehr Zement verkauft, da die Bautätigkeit dort rege blieb. "Wir werden unsere erfolgreiche Strategie des gezielten Ausbaus unserer Zementkapazitäten in den Schwellenländern fortsetzen", kündigte Vorstandschef Bernd Scheifele an.
Gleichzeitig will er jedoch auch den Schuldenberg von netto 8,4 Milliarden Euro abbauen, um die Bonitäts-Note zu verbessern und sich günstiger refinanzieren zu können. Im ersten Quartal sanken die Verbindlichkeiten um 248 Millionen Euro.

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Für 2012 sieht sich Vorstandschef Scheifele trotz erwarteter Einbußen im europäischen Zementgeschäft auf Kurs und bekräftigte seine Sparmaßnahmen. Binnen drei Jahren sollen die Ausgaben um 850 Millionen Euro sinken. Bei den Energiekosten und den Personalausgaben sei zwar ein weiterer Anstieg im laufenden Jahr zu erwarten, die Preisschübe schwächten sich aber ab. Mit Hilfe von Kostensenkungen und gezielten Preiserhöhungen soll die Preisspirale bei Einkauf und Personalaufwand wettgemacht werden. Umsatz und operatives Ergebnis dürften im laufenden Jahr voraussichtlich zulegen, stellte der Vorstand in Aussicht. "Die Nachfrageentwicklung im ersten Quartal hat uns in unserem Ausblick für das Geschäftsjahr 2012 bestätigt", sagte Scheifele vor der für Donnerstag anberaumten Hauptversammlung.

Von

dpa

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