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26.07.2016

14:09 Uhr

Bayer-Abspaltung Covestro

Ein Kunststoffhersteller blüht auf

VonBert Fröndhoff

Covestro entwickelt sich seit der Loslösung von Bayer prächtig. Die Gewinne steigen mit jedem Quartal. Vorstandschef Thomas erhöht nun die Prognose – das war aber nicht der Grund, warum er am Morgen durchs Büro hüpfte.

Wieder einmal gute Zahlen in Leverkusen. dpa

Covestro Zentrale in Leverkusen

Wieder einmal gute Zahlen in Leverkusen.

DüsseldorfDie Mitarbeiter von Covestro kennen ihren Chef als humorvoll und quirlig. Doch am Dienstagmorgen überraschte sie Patrick Thomas mal wieder. „Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes durchs Büro gehüpft“, erzählt der Vorstandschef des Leverkusener Kunststoffherstellers im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Es waren nicht die guten Quartalszahlen und erst recht nicht die eher mäßige Börsenreaktion, die den Briten zu dem Gefühlsausbruch verleiteten. Er sei sehr aufgeregt gewesen, weil das Solarflugzeug Solar Impulse 2 seine Mission geschafft habe: einmal um die Welt zu fliegen ohne eine Tropfen Sprit.

Covestro war vom Start weg an dem Projekt beteiligt. Es ist für das Unternehmen eine Art Leistungsschau: Die Leverkusener bauten praktisch das gesamte Cockpit aus einer Spezialdämmung, die extrem leicht ist, aber zugleich die Piloten vor Hitze und Kälte schützt. Und auch die Sichtscheibe des Fliegers ist einer Spezialanfertigung aus Leverkusen.

„Die Hightech-Werkstoffe für Solar Impulse haben längst den Weg in tägliche Anwendungen gefunden“, sagt Thomas – etwa in moderne Kühlschränke oder in Lebensmittelverpackungen.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Die Beteiligung am Solar-Impulse-Projekt steht beispielhaft für die Mission von Covestro: Das Unternehmen setzt darauf, dass weltweit immer mehr Metalle und veraltetes Plastik durch moderne Kunststoffe ersetzt werden. „Um diesen Austausch dreht sich unser ganzes Geschäftsmodell“, erläutert Thomas.

In Elektroautos wird zunehmend Polycarbonat eingesetzt, um die Fahrzeuge leichter zu machen. Bei der Dämmung von Häusern kommen heute leichte Polyurethan-Schäume statt klassische Dämmstoffe zum Einsatz. Die moderne Medizin setzt auf Spezialkunststoffe für Behandlungsgeräte und Therapien.

Von diesem Trend hat Covestro bisher stark profitiert. Im August 2015 hat die Bayer AG ihren Teilkonzern Material Science abgespalten und wenig später unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht. Noch immer hält Bayer 64 Prozent der Aktien. Einst war die Sparte eher der Underperformer im Konzern, doch seit der Eigenständigkeit blüht das Unternehmen auf.

Das unterstreichen die Ergebnisse des zweiten Quartals: Covestro leidet zwar wie jedes Chemieunternehmen an Preisrückgängen – sie müssen das, was das billige Öl an Einsparungen bringt, direkt an die Kunden weitergeben. Aber die Verkaufsmengen und die Gewinnspannen steigen weiter. Thomas hat deswegen am Dienstag die Prognose für 2016 erhöht: Beim bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) will er nun 1,78 Milliarden Euro erreichen.

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