Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2016

18:41 Uhr

Bayer, BASF, Evonik

Kontrastprogramm in der Chemie

VonSiegfried Hofmann

Die europäischen Chemiekonzerne schneiden derzeit besser ab als von vielen erwartet. Doch beim Blick auf 2017 bleiben Manager und Analysten vorsichtig. Einige günstige Effekte werden sich kaum wiederholen.

Die europäische Chemiebranche steuert auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016 dpa

BASF-Werk in Ludwigshafen

Die europäische Chemiebranche steuert auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016

FrankfurtDer Blick auf die europäische Chemiebranche bietet in diesen Tagen ungewöhnliche Kontraste: Statistiker und Verbände zeichnen ein eher trübes Bild. Das Geschäftsklima zeige keine wesentliche Verbesserung, heißt es etwa im jüngsten Trendreport des europäischen Chemieverbandes Cefic. Rückläufige Preise und Produktionsmengen drückten die Erlöse. Der deutsche Branchenverband VCI sieht die Branche mehr oder weniger in einer Stagnationsphase. „Das Chemiegeschäft bleibt schwach“, betitelte der VCI seinen jüngsten Quartalsreport

In weitaus freundlicheren Farben kommen dagegen die Zwischenberichte der führenden börsennotierten Chemiekonzerne daher, wie ein Überblick über die jüngste Berichtssaison zeigt. Zwar sind die Erlöse durchweg geschrumpft, die große Mehrzahl der Firmen verbucht dabei aber steigende Erträge.

Ärger mit Blutverdünner Xarelto: Klagewelle gegen Bayer in den USA

Ärger mit Blutverdünner Xarelto

Premium Klagewelle gegen Bayer in den USA

Der Pharmakonzern hat Ärger mit dem Blutverdünner Xarelto: In den USA ist die Zahl der Patientenklagen auf mehr als 14.000 gestiegen. Bei der Zulassung hat Bayers US-Partner wohl jahrelang Informationen zurückgehalten.

In der Summe legten die operativen Gewinne der führenden zehn Chemiekonzerne Europas nach Berechnung des Handelsblatts in den ersten neuen Monaten immerhin um fünf Prozent zu, während die Umsätze um den gleichen Prozentsatz schrumpften. Die durchschnittliche Ebit-Marge der Großkonzerne verbesserte sich damit um gut einen Punkt auf knapp 12 Prozent. Die Branche steuert damit auf insgesamt relativ solide Geschäftsabschlüsse im Jahr 2016 zu, auch wenn sich das Tempo im Schlussquartal wohl etwas abschwächt.

Spitzenperformer unter den großen Chemiefirmen ist bisher französische Konzern Arkema mit rund 40 Prozent Ertragsplus in den ersten neun Monaten 2016. Sehr kräftige Ertragssteigerungen zeigten ferner die beiden Bayer-Sprösslinge Covestro und Lanxess. Der 2015 aus dem Bayer-Konzern ausgegliederte Kunststoffhersteller Covestro konnte in den ersten neun Monaten den bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) immerhin um rund ein Viertel und das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) um 17 Prozent steigern. Er steuert in seinem ersten Jahr an der Börse nun auf einen Rekordgewinn zu.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess, den Bayer bereits vor elf Jahren in die Eigenständigkeit entließ, überraschte unterdessen mit 15 Prozent Ebit-Steigerung und hat seine Prognose für das Gesamtjahr abermals angehoben. Die Krise im operativen Geschäft, die Lanxess vor drei Jahren heftig zurück warf, hat Firmenchef Matthias Zachert damit endgültig überwunden.

Branchenführer BASF weist insgesamt zwar insgesamt einen operativen Gewinnrückgang um rund ein Zehntel aus. Verantwortlich dafür ist aber in erster Linie der starke Einbruch im Öl- und Gas-Geschäft. Die Chemiesparten des Ludwigshafener Konzerns steigerten ihre Erträge in der Summe dagegen noch um rund sieben Prozent – bei acht Prozent Umsatzrückgang.

Einzige Verlierer unter den Top-10 sind die Spezialchemiehersteller Wacker und Evonik, mit 35 und 18 Prozent Rückgang beim operativen Gewinn. Sie wurden dabei allerdings zum Teil von Sondereffekten getroffen, Wacker hatte im Vorjahr hohe Schadensersatzleistungen vereinnahmt, Evonik profitierte 2015 von einer Sonderkonjunktur im Geschäft mit Aminosäuren, die im laufenden Jahr wieder abflachte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×