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29.04.2016

14:20 Uhr

Bayer-Hauptversammlung

Heimspiel eines Holländers

VonBert Fröndhoff

Überschwängliches Lob, eine Umarmung vom Aufsichtsratschef: Bayer-Chef Dekkers erfuhr an seinem letzten Arbeitstag eine Zuneigung, wie sie ein CEO selten erlebt. Sein Nachfolger muss die Sorgen der Aktionäre ausräumen.

Die Aktionäre feiern den scheidenden Bayer-Chef Marijn Dekkers auf der Hauptversammlung in Köln. Reuters

Würdiger Abgang

Die Aktionäre feiern den scheidenden Bayer-Chef Marijn Dekkers auf der Hauptversammlung in Köln.

KölnManager lieben Analogien zum Fußball. In ihren Reden tauchen sie hundertfach auf: Sie sehen sich in der Champions League ihrer Branche, wollen nicht am Spielfeldrand stehen, wenn es um Übernahmen geht und müssen in ihrer Firma auch schon mal die gelbe Karte zücken.

Marijn Dekkers hat solche Analogien in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender von Bayer vermieden. An seinem letzten Arbeitstag bei dem Leverkusener Konzern ließ er sich doch noch dazu hinreißen.

Als er vor sechs Jahren das erste Mal auf dem Treffen der Anteileigner war, da sei für ihn noch vieles fremd gewesen, sagte Dekkers am Freitag in Köln auf der Bayer-Hauptversammlung. „Heute fühlt es sich fast an wie ein Heimspiel“, rief er. „Ein Heimspiel hat ein Holländer nicht oft in Deutschland. Ich weiß das sehr zu schätzen.“

Die Aktionäre wiederum wissen ihn zu schätzen, das zeigte der lange Applaus nach seiner Rede. In der fünfjährigen Amtszeit an der Bayer-Spitze hat er den Konzern deutlich profitabler gemacht, komplett umgebaut und die Aktie auf einen Rekordkurs gebracht. Die Dividende steigt zum sechsten Mal in Folge auf 2,50 Euro.

 „Lieber Marijn, Sie haben die Erwartungen, die wir in Sie gesetzt haben, mehr als erfüllt“, lobte Bayers-Aufsichtsratsvorsitzender Werner Wenning und umarmte den Niederländer anschließend. „Heute ist der letzte Tag der Dekkers-Show“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Sie haben eine außerordentliche Performance hingelegt. Das betrifft nicht nur die Zahlen, sondern auch Spirit und Image von Bayer.“

Jetzt richten sich alle Augen auf seinen Nachfolger Werner Baumann. „Die Latte hängt sehr hoch, aber Sie haben unser vollstes Vertrauen“, rief ihm Tüngler zu. Der 53-Jährige hat die Neuausrichtung von Bayer in den vergangenen zwei Jahren als Strategievorstand maßgeblich mitgestaltet, eine Einarbeitungszeit braucht er nicht. Ab Montag steht Baumann in der Verantwortung als neuer Vorstandschef.

Revolutionen sind von ihm bei Bayer nicht zu erwarten, das hat Baumann schon klar gemacht. Die Aktionäre wollen von ihm ohnehin nur eines: Dass Bayer seine Erfolgsstory und den Wachstumskurs der vergangenen Jahre fortsetzt. „Wird die Luft jetzt dünner oder geht es jetzt erst richtig los?“, fragte Tüngler.

Manche Analysten fürchten ersteres, als sie am vergangenen Dienstag aus dem Investorengespräch mit dem Bayer-Vorstand kamen. Dort wurde bekannt, dass einige Projekte in der Pharmaforschung  überraschenderweise fallengelassen wurden, heißt es in einer Analyse der Credit Suisse, die Bayer deswegen zurückstufte.

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