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21.03.2016

13:29 Uhr

Bayer, Monsanto, BASF

Wo die Gerüchte blühen

VonBert Fröndhoff

In der Agrarchemie loten die Tophersteller Fusionen und Übernahmen aus – jetzt soll Bayers Pflanzenschutzgeschäft im Visier des US-Konzerns Monsanto sein. Und auch über BASF wird viel spekuliert. Ein Überblick.

Im Wochenrhythmus kommen neue Spekulationen auf den Markt. dpa

Agrochemie

Im Wochenrhythmus kommen neue Spekulationen auf den Markt.

DüsseldorfZwei Produkte dominieren das weltweite Geschäft in der Agrarchemie: Die großen Anbieter verkaufen Saatgut wie Weizen, Mais und Raps an die Landwirte. Sind die Pflanzen ausgesät, sollen ihnen wirksame chemische und biologische Mittel gegen Insektenbefall, Pilze und Unkraut zur vollen Blüte helfen.

Seit Monaten gibt es in der Branche aber eine weitere Blüte – die der Gerüchte über Fusionen und Übernahmen. Im Wochenrhythmus kommen neue Spekulationen auf den Markt. Am Montag geriet der Bayer-Konzern in den Fokus: Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, dass Bayer in Gesprächen mit dem US-Konkurrenten Monsanto stehe. Die Amerikaner hätten sogar Interesse an einer Komplettübernahme von Bayers Agrochemie-Geschäft, hieß es. Die Bayer-Aktie legte wegen der Gerüchte zeitweise um mehr als fünf Prozent zu.

Milliarden-Finanzierung stand bereits: BASF scheiterte mit Griff nach Syngenta

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BASF hatte offenbar ernsthaftes Interesse an einer Übernahme des Agrochemiekonzerns. Doch die Verhandlungen scheiterten – die Offerte aus China war zu hoch. Der Versuch verrät immerhin etwas über die Strategie der Ludwigshafener.

Mit BASF hätte Monsanto bereits gesprochen – ohne Ergebnis. BASF wiederum, so hieß es in den vergangenen Wochen, habe seinerseits beim Schweizer Pflanzenschutzspezialisten Syngenta wegen einer Übernahme angeklopft. Zugleich hätten die Ludwigshafener Gesprächen mit dem US-Chemiekonzern Dupont über einen Zusammenschluss gesprochen.

Die Spekulationen schießen hoch. Fakt ist, dass im überschaubaren Club der sechs großen Agrarchemiehersteller derzeit jeden mit jedem redet. Denn die Tür für eine Neuordnung der Branche ist weit geöffnet. Dupont und Dow Chemical fusionieren in den USA und formen in den nächsten Jahren den weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut mit rund 18 Milliarden Dollar Umsatz. Die Nummer zwei der Branche, Syngenta, geht für 43 Milliarden Dollar an den chinesischen Staatskonzern Chem-China. Was macht nun der Rest der Branche?

Der Verkauf von Syngenta an die Chinesen hat vor allem Marktführer Monsanto aus den USA in die Defensive gebracht. Denn die Amerikaner hatten im vergangenen Jahr selbst für die Schweizer geboten, waren aber am Widerstand des Managements gescheitert. Monsanto ist stark im Geschäft mit Saatgut. Doch dem Konzern fehlt es an Masse und attraktiven Produkten im Pflanzenschutz. Die Fusion von Dupont und Dow Chemical setzt Monsanto nicht nur im Heimatmarkt USA schwer unter Druck.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

PPG Industries (USA)
Mit 15,33 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet das US-Unternehmen mit Firmensitz in Pittsburgh (Pennsylvania) auf dem zehnten Platz der umsatzstärksten Chemieunternehmen weltweit.
Zu den Produktbereichen gehören Kunstglasprodukte, Kunstharze und Beschichtungswerkstoffe für Raumfahrt, Architektur und Industrie.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2017 / Gesamtjahr 2016, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 17,83 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den neunten Platz im Unternehmensranking.

Platz 8

Air Liquide (Frankreich)
Auf Platz acht des aktuellen Rankings landet das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz. 19,08 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz in 2016 machen dies möglich. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegasherstellern der Welt.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmitte, Schönheitspflege und die Klebstoffe und fuhr 2016 einen Jahresumsatz von 19,69 Milliarden US-Dollar ein. In naher Zukunft möchte der Siebtplatzierte sowohl die US-Firma Darex Packaging Technologies für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar übernehmen als auch den mexikanischen Anbieter von Friseurprodukten Nattura Laboratorios aufkaufen. Der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern will so vor allem das eigene Friseurgeschäft in Mexiko und den USA ausbauen.

Platz 6

DuPont (USA)
24,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und Platz sechs für den Konzern für Chemie, Materialien und Energie. Im Dezember 2015 gaben DuPont und der Konkurrent Dow Chemical bekannt, dass sie fusionieren wollen. Danach soll das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 29,18 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabischer Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 39,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reichte es für Metallkonzern nicht für den Sprung unter die Top-3-Chemiekonzerne. Neben Grundchemikalien wie Methanol und Ethanol stellt das Unternehmen aus dem Nahen Osten auch Düngemittel her.

Platz 3

Dow Chemical (USA)
Mit 48,16 Milliarden US-Dollar Umsatz fiel der zukünftige Fusionspartner von DuPont um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr. Die Hauptgeschäftsbereiche des US-Unternehmens aus Midland (Michigan) erstrecken sich auf die Kunststoffherstellung, Vorprodukte für die Wasseraufbereitung, Klebstoffe, Insektiziden, Saatgut und die Herstellung von Grundstoffen wie Chlor und Natronlauge.

Platz 2

Bayer (Deutschland)
Der zweitplatzierte deutsche Konzern (49,2 Milliarden US-Dollar Umsatz 2016) mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutische Industrie plant eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sollen Bayer und Monsanto bereit sein, Firmenteile für 2,5 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 60,54 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder, als an Größe an sich gelegt werden.

Kein Wunder also, dass Monsanto derzeit den intensiven Kontakt zu den Konkurrenten sucht – auch zur Leverkusener Bayer AG. Es gilt aber als ausgeschlossen, dass die Deutschen ihr komplettes Agrargeschäft abgeben. Die Sparte stehe nicht zum Verkauf, hat der Vorstand auf der jüngsten Bilanzpressekonferenz unterstrichen. Dies würde auch komplett der neuen Bayer-Strategie widersprechen. Das Unternehmen positioniert sich seit Anfang Januar als integrierter Life-Science-Anbieter, seine verbliebenen Sparten Medizin und Agrochemie sollen voneinander profitieren.

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