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26.10.2016

08:23 Uhr

Bayer

Pharmageschäft treibt den Gewinn in die Höhe

Vor der Milliarden-Übernahme von Monsanto steht Bayer gestärkt da: Mit einem unerwartet hohen Gewinn überraschen die Leverkusener die Analysten. Vor allem das Pharmageschäft läuft für Bayer blendend.

Vor allem das Pharmageschäft lässt den Gewinn des Konzerns steigen. dpa

Bayer-Werk in Leverkusen

Vor allem das Pharmageschäft lässt den Gewinn des Konzerns steigen.

FrankfurtBayer baut vor der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto seinen Gewinn unerwartet deutlich aus. Im dritten Quartal stieg der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um sechs Prozent auf 2,68 Milliarden Euro, wie das Leverkusener Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 2,5 Milliarden Euro deutlich weniger erwartet. Der Umsatz kletterte um gut zwei Prozent auf 11,26 Milliarden Euro, wobei Bayer vor allem von einem starken Pharmageschäft profitierte.

„Unsere neueren Produkte verzeichneten weiterhin eine starke Entwicklung“, erklärte Vorstandschef Werner Baumann. Aber auch die Kunststofftochter Covestro, die bereits am Dienstag ihre Zahlenwerk vorgelegt hatte, und das Agrarchemiegeschäft schlugen sich besser als gedacht.

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Unterlagen von Monsanto belegen: Bayer musste sich im Übernahmekampf um den US-Saatgutriesen gegen drei Konkurrenten durchsetzen – darunter auch den Dax-Konzern BASF. Das Protokoll eines Verhandlungsmarathons.

Für das Gesamtjahr rechnet Baumann unverändert mit einem Anstieg des bereinigten operativen Gewinns im oberen einstelligen Prozentbereich. Der Konzernumsatz soll währungsbereinigt inklusive Covestro im unteren einstelligen Prozentbereich auf 46 bis 47 Milliarden steigen.

Bayer hatte sich Mitte September nach monatelangem Ringen mit Monsanto geeinigt und will das US-Unternehmen für 66 Milliarden Dollar kaufen. Dafür wollen sich die Leverkusener nun die erforderlichen Genehmigungen bei den Behörden einholen. Noch in diesem Jahr soll dafür der Antrag in den USA gestellt werden und voraussichtlich im ersten Quartal 2017 in der EU. Monsanto musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 einen Gewinneinbruch um rund 42 Prozent verdauen. Im Schlussquartal schrieben die Amerikaner zwar rote Zahlen, konnten ihren Verlust aber deutlich eindämmen und schnitten besser ab als erwartet.

Milliardendeal mit ungewissem Ausgang

Welche Dimension hat der Deal?

Es ist die größte Übernahme durch einen deutschen Konzern. Mit einer Bewertung von 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Milliarden Euro) stellt der Kauf selbst die später wieder aufgelöste „Hochzeit im Himmel“ zwischen den Autobauern Daimler und Chrysler aus dem Jahr 1998 und die Übernahme des US-Telekommunikationsanbieters Voicestream durch die Deutsche Telekom im Jahr 2000 in den Schatten.

Was treibt den deutschen Konzern?

Durch den Zusammenschluss werden die Leverkusener auf einen Schlag zur Nummer eins auf den Märkten für Saatgut und Pflanzenschutz aufsteigen. Bayer sichert sich nicht nur wichtige Schlüsseltechnologien etwa bei genverändertem Saatgut, sondern kann auch von Monsantos führender Rolle beim sogenannten „digital farming“ – der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft – profitieren.

Aber rechtfertigt das den hohen Preis?

Bayer-Chef Werner Baumann glaubt: Ja. Der Manager sieht angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung enorme Wachstumschancen im Agrarbereich. Schließlich müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Außerdem müsse die Menschheit die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen. Auch hier könnten Bayer und Monsanto zusammen wegweisende Antworten geben.

Und was spricht gegen die Übernahme?

Zum einen das schlechte Image von Monsanto. Der US-Biotechnologiekonzern steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Doch ist Baumann überzeugt, die Reputationsprobleme in den Griff bekommen zu könne. Kritiker monieren außerdem die künftige Marktmacht von Bayer und Monsanto - diese gehe zu Lasten von Landwirten und Verbrauchern.

Welche Risiken beinhaltet die Übernahme sonst noch?

Im Wesentlichen sehen die Experten zwei große Herausforderungen: Zum einen die unterschiedlichen Firmenkulturen. Das Beispiel Daimler-Chrysler hat gezeigt, dass auch mit großen Vorschusslorbeeren versehene transatlantische Firmenbündnisse scheitern können. Zum anderen ist der hohe Kaufpreis eigentlich nur zu rechtfertigen, wenn der zuletzt schwächelnde Markt für Saatgut und Agrarchemikalien in den nächsten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt. Doch ob dies wirklich zu erwarten ist, darüber sind Branchenkenner durchaus unterschiedlicher Meinung.

Die Übernahme ist also ein Risiko?

Das auf jeden Fall. Aber sie ist auch eine Chance für den Konzern. Denn sie rundet den Umbau von Bayer vom chemisch-pharmazeutischen Mischkonzern zum Spezialisten rund um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze ab.

Welche Rolle spielt die Verschuldung?

Die Mega-Übernahme wird die Verschuldung der Leverkusener zumindest kurzfristig kräftig in die Höhe treiben. Angesichts der globalen Niedrigzinsen und eines erwarteten robusten Barmittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft erscheint dies vielen Experten aber tragbar.

Ist die milliardenschwere Übernahmen jetzt endgültig unter Dach und Fach?

Noch nicht ganz. Zwar hat die Monsanto-Führung jetzt eine bindende Fusionsvereinbarung unterzeichnet, doch auch die Aktionäre von Monsanto müssen dem Geschäft noch zustimmen und sich bereit erklären, ihre Aktien zum von Bayer gebotenen Preis von 128 Dollar je Aktie zu verkaufen. Allerdings gilt dies als sehr wahrscheinlich. Immerhin bedeutet das Angebot einen Aufschlag von 44 Prozent gegenüber dem Kurs vor Bekanntwerden der Bayer-Übernahmepläne. Außerdem müssen die Kartellbehörden noch grünes Licht geben.

Und was sagen die Behörden?

Trotz der schieren Größe dürfte die geplante Übernahme bei den Kartellbehörden auf vergleichsweise wenig Widerstand stoßen. So ist Monsanto vor allem in Amerika stark, Bayer in Europa und Asien, ein Monopol droht dort daher kaum. Nur bei einzelnen Agrargütern wie Mais könnten Überlappungen die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen. Sie dürften aber wohl nur bei einzelnen Produkten Anpassungen verlangen, erwarten Experten.

Auch die Bayer-Agrartochter Crop Science überraschte im dritten Quartal mit einem bereinigten Betriebsergebnis, das mit 318 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau lag, während Analysten mit einem Rückgang von mehr als vier Prozent gerechnet hatten. Dabei halfen ein starkes Geschäft mit Pilzbekämpfungsmitteln und Saatgut, sowie höhere Preise und ein positiver Währungseffekt.

Investoren hatten sich besorgt gezeigt, dass unter einer Übernahme von Monsanto das Pharmageschäft von Bayer leiden könnte. Im dritten Quartal legte dieses aber bei Umsatz und Ergebnis weiter deutlich zu. Der Betriebsgewinn kletterte trotz hoher Investitionen in Forschung und Entwicklung um mehr als 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Thomas Behrends

26.10.2016, 10:17 Uhr

"Dabei halfen ein starkes Geschäft mit Pilzbekämpfungsmitteln und Saatgut, sowie höhere Preise und ein positiver Währungseffekt."

Klar, alles was sich in der Natur ursprünglich im Gleichgewicht befand und was der Mensch durch sein idiotisches Eingreifen in Naturkreisläufe zerstört hat muss dann letztendlich mit Hilfsmitteln (Fungizide, Herbizide und Pestizide) wieder "gekittet" werden. Dadurch wird aber nichts verbessert (außer der Ertrag), sondern die Qualität geht sukzessive zurück und der Mensch, die Tiere sowie die Pflanzen werden durch Einbringung von Chemikalien (Gift) zusehends vergiftet.

Mit Monsanto wird dieser Prozeß noch potenziert. Allein in den USA sind bereits mehrere 100.000e Hektar Land dadurch unbrauchbar geworden, dass RoundUp (das "tolle" Unkrautbekämpfungsmittel Monsanto´s) die Unkräuter nicht mehr bekämpfen kann, weil diese bereits resistent gegen dieses Gift sind.

Die Folge ist, dass riesige Flächen mit Nutzkräutern überwuchert sind und das Land nicht mehr re-kultiviert werden kann.

Wenn es dadurch bedingt in den USA zu Schadensersatzforderungen gegen Monsanto kommen wird, kann sich Bayer warm anziehen. VW lässt grüßen ...

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