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01.03.2017

08:45 Uhr

Bayer verkauft Covestro-Aktien

Baumanns Milliarden-Deal über Nacht

VonBert Fröndhoff

Bayer hat sich über Nacht von weiteren Anteilen an seiner Kunststofftochter Covestro getrennt. Damit holt Konzernchef Werner Baumann rund 1,5 Milliarden Euro herein. Dennoch behält Bayer die Mehrheit – aus gutem Grund.

Der Bayer-Chef muss sich in Sachen Covestro als geschickter Taktiker beweisen. dpa

Werner Baumann

Der Bayer-Chef muss sich in Sachen Covestro als geschickter Taktiker beweisen.

DüsseldorfAuf der Bayer-Jahrespressekonferenz in der vergangenen Woche war es eine der beliebtesten Fragen an den Vorstand: Wann trennt sich Bayer von seiner ausgegliederten Kunststofftochter Covestro? 64 Prozent der Anteile hielt der Konzern zuletzt noch. Und die Gelegenheit erschien günstig, weitere Pakete an die Börsen zu bringen. Mit rund 70 Euro notierte die Covestro-Aktie zuletzt auf absolutem Rekordwert.

Vorstandschef Werner Baumann gab keine neuen Pläne dazu bekannt. Doch die hatten er und Finanzvorstand Johannes Dietsch da längst in der Schublade. Am Dienstagabend platzierte Bayer ein Paket von 22 Millionen Covestro-Aktien für je 66,50 Euro bei institutionellen Investoren. Das brachte rund 1,5 Milliarden Euro in die Kasse des Leverkusener Dax-Konzerns. Am Mittwochmorgen verkündete Bayer den erfolgreichen Abschluss der Platzierung. Der Kurs von Covestro knickte zum Handelsstart am Mittwoch um sieben Prozent auf annähernd 66 Euro ein.

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Bayer-Chef Baumann hält an seinem Zeitplan fest: Bis Jahresende soll die Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto abgeschlossen sein. Dafür trimmt er den Konzern auf Stärke. Doch in der Bilanz zeigen sich auch Probleme.

Das Paket entspricht einem Anteil von 10,9 Prozent. Damit behält Bayer mit rund 53 Prozent weiterhin die Mehrheit an Covestro. Der Schritt kommt einem Kompromiss gleich: Zum einen nutzt Bayer das gute Börsenumfeld und den Höhenflug der Covestro-Aktie. Zum anderen kann der Konzern die abgespaltene Tochter weiterhin voll konsolidieren – und somit vorerst weiter von deren vorteilhafter Gewinn- und Cash-Entwicklung profitieren.

Bayer hatte bislang keinen festen Zeitplan zur kompletten Trennung von Covestro genannt, es hieß nur vage, man wolle dies in den kommenden Jahren vollziehen. Den Mehrheitsanteil von 53 Prozent wird Bayer nach der Aktion von Dienstagabend vorerst behalten. Wie bei solchen Platzierungen üblich, verpflichtete sich der Konzern dazu, in den kommenden 90 Tagen keine weiteren Anteile abzugeben.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Hersteller

Der US-amerikanische Konzern Monsanto ist einer der weltgrößten Hersteller von – oft auch gentechnisch verändertem – Saatgut sowie Unkrautbekämpfungsmitteln.

Umsatz

Das Unternehmen mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gehört zu den 500 größten börsennotierten in den USA und setzte zuletzt rund 15 Milliarden US-Dollar (gut 13 Mrd. Euro) um. Dabei erzielte Monsanto einen Überschuss von 2,3 Milliarden Dollar.

Mitarbeiter

Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 21.200 Menschen, fast die Hälfte davon in den USA. Der Saatgutkonzern ist in 66 Ländern vertreten – auch in Deutschland.

Kritik

Monsanto bezeichnet eine nachhaltige Landwirtschaft als „Kernanliegen“, wird jedoch weltweit von Umweltschutzorganisationen unter anderem für die Herstellung von gentechnisch veränderten Saatgut heftig kritisiert.

Quelle: dpa

Frühestens Ende Mai oder Anfang Juni könnten also weitere Verkäufe folgen, möglicherweise auch in Form einer größeren Tranche an Covestro. Das allerdings dürfte nicht nur vom Börsenumfeld abhängen, sondern auch davon, ob der operative Höhenflug der Kunststofftochter im zweiten Halbjahr 2017 weitergehen wird. Im Frühsommer dürfte darüber mehr Klarheit herrschen als heute.

Covestro gehört zwar nicht mehr zum Kerngeschäft des auf Medizin und Agrarchemie fokussierten Konzerns. Die Gewinne der Tochter fließen aber zu 100 Prozent in die Bilanz von Bayer ein. Die Tochter war im vergangenen Jahr neben der Pharmasparte einer der beiden Wachstumstreiber bei Bayer. Der bereinigte Betriebsgewinn von Covestro war 2016 um annähernd 22 Prozent in die Höhe geschnellt. Dass die Bayer-Aktionäre mehr Dividende und die Mitarbeiter eine dicke Sonderprämie bekommen, liegt also auch am Erfolg der früheren Kunststoffsparte.

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