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07.04.2003

11:05 Uhr

Beginn der Hannover-Messe

Maschinenbau vor schwerem Jahr

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht angesichts ungewisser Folgen des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit SARS für die Weltwirtschaft vor einem schwierigen Geschäftsjahr.

Reuters HANNOVER. Zwar bekräftigte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag zum Beginn der weltgrößten Industriemesse in Hannover Messe seine Prognose eines stabilen Geschäfts 2003 - trotz eines im Januar und Februar rückläufigen Auftragseingangs. Gleichzeitig nannte VDMA-Präsident Diether Klingelnberg aber zahlreiche Risiken für die stark vom Export abhängige Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft. Nach seiner Einschätzung dürften die Maschinenbauer allein in diesem Jahr bis zu 30 000 Arbeitsplätze abbauen.

„Unsere Prognose für 2003 heißt Stagnation“, sagte Klingelnberg zum Start der Hannover Messe. Die Krise habe den Maschinenbau aber noch nicht erfasst. Im vorigen Jahr war der Branchenumsatz um knapp zwei Prozent auf 131 Mrd. € zurückgegangen, bei einem Umsatzminus im Inland von acht Prozent. Im Januar und Februar 2003 blieb die Nachfrage im Inland rückläufig. Dagegen gab es trotz schwacher Weltkonjunktur leichte Zuwächse bei den Aufträgen aus dem Ausland.

Allein im Februar gingen im Inland binnen Jahresfrist fünf Prozent weniger Bestellungen ein, während die Kundschaft jenseits der Landesgrenzen zwei Prozent mehr orderte. Auf den Exportmärkten könnten sich Maschinen- und Anlagen „made in Germany“ trotz eines schwierigen konjunkturellen Umfeldes nach wie vor gut behaupten, urteilte der Branchenverband.

Die Lage bleibe aufgrund des Irak-Krieges noch „extrem störanfällig“. Viele Kunden würden mit Bestellungen noch das Kriegsende abwarten, sagte Klingelnberg. Die unmittelbaren Auswirkungen in der Kriegsregion im Nahen und Mittleren Osten seien aufgrund des vergleichsweise geringen Exportanteils von vier Prozent für den deutschen Maschinenbau allerdings weniger gravierend. Natürlich würden bei einem Wiederaufbau des Irak der Großteil an Aufträgen wohl in die USA gehen, sagte Klingelnberg. Wichtig sei jedoch ein schnelles Kriegsende, damit die Weltkonjunktur bald wieder anspringe und damit auch das Geschäft mit Investitionsgütern belebt werde, sagte Klingelnberg.

Negative Auswirkungen sind nach Einschätzung des VDMA-Präsidenten auch durch die akut grassierende Lungenkrankheit SARS zu befürchten. „Aktuell haben wir deshalb noch keine Einbußen beim Auftragseingang aus Asien. Doch SARS dämpft natürlich die Wachstumserwartungen in dieser Region und das kann sich auch auf den Maschinenbau auswirken“, sagte Klingelnberg. Vor allem in Asien - der Ursprungsregion dieser Lungeninfektion - sind inzwischen zahlreiche Menschen an SARS erkrankt. Aus Angst vor einer Ausbreitung der Krankheit und einer weiter steigenden Zahl von Toten stand das öffentliche Leben zuletzt in einigen asiatischen Ländern nahezu still. Dies hat sich bereits negativ auf Produktionsprozesse in wichtigen Industriezweigen und der Verwaltungen vor Ort ausgewirkt.

Die schwache Konjunktur und vor allem hausgemachte Probleme im Inland werden nach VDMA-Einschätzung auch 2003 negative Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Allein für dieses Jahr erwartet der Dachverband den Verlust von 25 000 bis 30 000 Arbeitsplätzen. Ende 2002 seien in der Branche 885 000 Menschen beschäftigt gewesen. Etliche Maschinenbauunternehmen hätten Pläne für Produktionsverlagerungen zum Beispiel nach Osteuropa, hieß es. Die Gründe dafür seien einer VDMA-Umfrage zufolge hohe Lohnnebenkosten und die aus Sicht der Unternehmen mangelnde Flexibilität des deutschen Arbeitsmarktes.

Vor diesem Hintergrund müsse auch in Deutschland selbst ein besseres Investitionsklima entstehen, sagte Klingelnberg. Er forderte die Bundesregierung erneut auf, ihre angekündigten Reformen für den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme ohne Abstriche auch gegen Widerstände - etwa von Gewerkschaftsseite - durchzusetzen. Vom Appell des Bundeskanzlers zur Messeeröffnung an die Unternehmen, mehr Lehrstellen anzubieten, fühlt sich der Maschinenbau nicht angesprochen. Zur Zeit seien noch 4000 bis 5000 Ausbildungsplätze offen. Auch im vorigen Jahr seien nicht alle Lehrstellen besetzt worden, sagte ein VDMA-Sprecher.

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