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08.07.2014

19:03 Uhr

Behandlung bei Augenkrankheit

Billige Konkurrenzprodukte treffen Novartis

Vorerst ist es nur der französische Markt: Neben dem Novartis-Medikament gegen Netzhautdegeneration wird auch die Billig-Variante zugelassen. Macht das Schule, könnten Novartis und andere Platzhirsche Probleme bekommen.

Sie bedienen eher das höherpreisige Segment mit umfassend getesteten Medikamenten: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis. ap

Sie bedienen eher das höherpreisige Segment mit umfassend getesteten Medikamenten: Der Schweizer Pharmakonzern Novartis.

ParisIn Frankreich dürfen Ärzte in Zukunft aus Kostengründen das medizinisch dafür nicht zugelassene Roche-Krebsmedikament Avastin zur Behandlung einer Augenkrankheit verschreiben. Das beschloss das Parlament am Dienstag. Mit dem Schritt soll der Sozialhaushalt um 200 Millionen Euro im Jahr entlastet werden.

Der Beschluss geht in erster Linie zulasten des Pharmakonzerns Novartis. Der ebenfalls in Basel ansässige Novartis-Konzern vertreibt in Europa das Medikament Lucentis gegen altersbedingte Netzhautdegeneration (AMD). Eine Behandlung mit Lucentis schlägt in Frankreich mit 900 Euro zu Buche. Ärzte in den USA und in Europa verschreiben aber seit einiger Zeit gegen AMD auch Avastin. Das kostet lediglich 30 Euro pro Behandlung.

Die Pharmakonzerne und Experten sprechen sich gegen den Einsatz von Avastin bei AMD aus, solange keine ausreichenden klinischen Tests vorliegen. Unter anderem könne es zu Infektionen kommen, argumentieren sie, die Patientensicherheit dürfe nicht zugunsten von Kosteneinsparungen aufs Spiel gesetzt werden. Es gibt aber auch eine von der US-Regierung unterstützte Studie aus dem Jahr 2011, wonach Avastin gleiche Wirkung hat wie Lucentis, wenn auch mit mehr unerwünschten Nebenwirkungen.

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Die Wirkstoffe von Lucentis und Avastin - Ranibizumab und Bevacizumab - wurden beide von der Roche-Biotechnologietochter Genentech in den USA entwickelt. Novartis hat die Lucentis-Vertriebsrechte außerhalb der USA. Für beide Konzerne geht es um viel Geld: Roche erzielte im vergangenen Jahr mit Lucentis in den USA umgerechnet 1,4 Milliarden Euro Umsatz, bei Novartis waren es 1,7 Milliarden Euro. Würde das französische Beispiel in Europa Schule machen, könnte Novartis nach Analystenschätzungen im schlimmsten Fall drei bis vier Prozent des Gewinnes verlieren. Betroffen wäre womöglich auch der Bayer-Konzern, der das Augenmedikament Eylea vertreibt und dem ebenfalls Gewinneinbußen drohen könnten.

Auch Kartellwächter in Frankreich und Italien haben Roche und Novartis wegen der Präparate im Visier. Italienische Behörden werfen den beiden Firmen Absprachen vor, um den Einsatz von Avastin zur AMD-Behandlung zu verhindern und Ärzte zur Verschreibung von Lucentis anzuhalten. Italien brummte den Schweizer Konzernen deswegen Millionenstrafen auf. Das Gesundheitsministerium in Rom fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Roche und Novartis wiesen die Vorwürfe zurück und wollen die Strafen vor Gericht anfechten.

Von

rtr

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