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07.06.2013

00:17 Uhr

Beherrschungsvertrag

Piëch stellt sich bei MAN auf Klagen ein

Im 18. Jahrhundert hat MAN die Montanindustrie mitbegründet. Nun gab der Lastwagenbauer seine Selbständigkeit auf. Am Donnerstag stimmten die Aktionäre dem Vertrag mit VW zu - doch es könnte noch Ärger geben.

Der MAN-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech (l.) und der Vorstandvorsitzende der MAN SE, Georg Pachta-Reyhofen. dpa

Der MAN-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech (l.) und der Vorstandvorsitzende der MAN SE, Georg Pachta-Reyhofen.

MünchenDer Lastwagenbauer MAN verabschiedet sich in schwierigen Zeiten nach 255 Jahren aus der Selbstständigkeit. Der traditionsreiche Konzern hat wie die Konkurrenz heftig mit der Krise auf den europäischen Nutzfahrzeugmärkten zu kämpfen. Auch die Maschinenbausparte der VW-Tochter etwa bekommt die Flaute in der Frachtschifffahrt in ihrem Dieselmotorengeschäft zu spüren. Doch das Geschäft interessierte auf der Hauptversammlung am Donnerstag kaum.

Denn mit der Bestätigung des mit VW geschlossenen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrags verliert MAN seine Eigenständigkeit und unterstellt sich Volkswagen komplett. Im Gegenzug sind die Wolfsburger verpflichtet, den übrigen Aktionären eine Abfindung für jede Aktie anzubieten - deren Höhe von Gutachtern festgestellt wurde. Vielen Aktionären ist die zu niedrig. Ohne Widerstand wird die Sache nicht abgehen, Aktionärsanwälte deuteten rechtliche Schritte an.

MAN- und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch stellt sich schon mal auf einen juristischen Streit ein. „Wir werden uns noch länger vor Gericht sehen“, sagte der 76-Jährige in Richtung der Aktionäre, die Dutzende Fragen gestellt hatten. Später kritisierten sie, Antworten als falsch oder unvollständig - ein Schritt der eine Anfechtungsklage gegen die Hauptversammlung möglichen machen könnte. Erst nach einer mehr als zehnstündigen Marathonsitzung konnte die Abstimmung schließlich über die Bühne gebracht werden.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Im Kern geht es um die Abfindungshöhe und die zu Grunde liegende Bewertung. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte den Betrag als zu niedrig - mit gut 80 Euro liegt er unterhalb des aktuellen Aktienkurses von rund 84 Euro. „MAN kann viel, aber anscheinend nicht, die Aktionäre anständig zu behandeln“, sagte Bergdolt in Anlehnung an den Slogan des Lkw-Herstellers. „Sie sollten sich eigentlich schämen.“

Allerdings: Kein Aktionär muss das Angebot annehmen, sondern kann seine Papiere auch behalten. Statt einer Dividende gibt es dann jedes Jahr eine garantierte Ausgleichszahlung von 3,07 Euro je Aktie. MAN verteidigte die Höhe beider Zahlungen. In Gutachten sei das Unternehmen genau untersucht und bewertet worden, das Angebot sei fair und angemessen.

Die Abstimmung über den Vertrag war wegen der VW-Mehrheit nur Formsache. Die Wolfsburger hatten 2011 die Mehrheit an MAN übernommen und ihre Anteile später auf über 75 Prozent erhöht. Die Zustimmungsquote lag am Ende bei gut 98 Prozent.

Kommentare (2)

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merci

07.06.2013, 01:08 Uhr

Klagen wäre unprofessionell:
So schlimm das auch klingen mag: da setzt man besser auf Biologie, die einem viele Probleme abzunehmen vermag.
Den Unternehmergeist werden wir uns zwar noch herbeiwünschen indes gibt es Grenzen.

Und Lordobersiegelwahrer bleiben unantastbar: indes werden sie nicht unsterblich sein: das muss hier niemanden beruhigen.

Dachte man früher, es könne nicht mehr beschissener werden weiß man heute: es wir immer noch Beschissener werden: mit Brief und Siegel.

Solche Einsichten verdankt man 1a geschultem wie aufgestelltem Führungspersonal.

merci

btw

07.06.2013, 01:21 Uhr

Wehrwirtschaftsführer - irgendwie hat sich kaum etwas geändert im Flow.

Immer noch: Kriegswirtschaft.

Und wie teuer Kriege tatsächlich sind: das will doch keiner wissen.

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