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10.06.2011

10:53 Uhr

Bei Atomausstieg

RWE-Chef Großmann befürchtet feindliche Übernahme

Der RWE-Chef Jürgen Großmann wird nicht müde, vor dem angekündigten Atomausstieg zu warnen. Der Manager befürchtet bei einer Abschaltung aller AKW bis 2022 neben Stromausfällen auch eine Gefahr für den eigenen Konzern.

RWE-Chef Großmann: „Der Wertverlust unserer Aktie macht mir Sorge.“ Quelle: dpa

RWE-Chef Großmann: „Der Wertverlust unserer Aktie macht mir Sorge.“

DüsseldorfDeutschland droht durch den Atomausstieg nach Ansicht von RWE-Chef Jürgen Großmann der Verlust wichtiger Industriebranchen. Für seinen Konzern wächst nach Großmanns Worten zudem die Gefahr einer feindlichen Übernahme. Investieren wolle RWE künftig „eher im Ausland“, denn Wachstum gebe es vor allem außerhalb des deutschen Heimatmarkts.

Großmann griff in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Pläne der Bundesregierung für einen beschleunigten Atomausstieg erneut scharf an. Diese habe Beschlüsse gefasst, die „rational und rechtlich nicht begründbar“ seien. Unter anderem habe die Bundesregierung „willkürliche Grenzen“ zur Stilllegung der Atomkraftwerke in Deutschland gezogen. Großmann hatte dies bereits in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel beklagt und eine längere Laufzeit für den RWE-Meiler Gundremmingen B gefordert.

Deutschland drohten durch die Ausstiegspläne Stromausfälle, und die Verbraucher müssten sich auf höhere Strompreise einstellen. „Politikern täte es gut, die Folgen ihrer Handlungen zu überprüfen“, sagte Großmann.  Der RWE-Chef beschwor zudem die Gefahr einer Abwanderung ganzer Branchen aus der Bundesrepublik herauf. „Das wird ein schleichender Prozess.“ „Wenn die Politik weiter so konsequent die Zerstückelung der industriellen Energieerzeugung betreibt, werden wir bald auf ganze Industriezweige verzichten müssen“, warnte der RWE-Chef. Konzerne wie BASF und ThyssenKrupp werde es dann in Deutschland nicht mehr geben. Von ThyssenKrupp war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.   

„Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst“

Das Bundeskabinett hatte am Montag ein Gesetzespaket beschlossen, das das Atom-Aus bis 2022 besiegelt und den Umstieg auf Ökostrom beschleunigen soll. Als letztes der 17 deutschen AKW soll den Plänen zufolge Neckarwestheim II im Jahr 2022 abgeschaltet werden. Auch allen anderen Reaktoren wurden Enddaten zugewiesen. Die sieben Alt-Meiler und der bereits abgeschaltete Pannenreaktor Krümmel gehen ohnehin nicht wieder ans Netz.

Die RWE-Aktie war auch durch die Ausstiegsbeschlüsse unter Druck geraten. Am Freitag kostete das Papier 38,87 Euro - vor einem Jahr waren es noch 58,21 Euro. „Der Wertverlust unserer Aktie macht mir Sorge“, räumte der RWE-Chef ein. Die Gefahr einer feindlichen Übernahme wachse - zumal „der Konsolidierungsdruck in Europa wieder zunimmt“.  

Großmann hatte Finanzkreisen zufolge in der Vergangenheit eine Fusion mit dem spanischen Versorger Iberdrola ausgelotet, die Gespräche blieben aber ohne Ergebnis. RWE sei stark genug, Herausforderungen auch allein zu meistern, sagte Großmann nun. „Aber wenn es unabweisbare Vorteile gibt und eins plus eins eben mehr ist als zwei, warum soll man dann nicht zumindest über eine Zusammenarbeit nachdenken“, fügte Großmann hinzu.

Der RWE-Chef deutete zudem an, dass der Essener Konzern nun auch gegen die Brennelementesteuer klagen könnte: „Es sprechen deutlich mehr Gründe für eine Klage als dagegen.“ Konkurrent Eon will wegen des Atomausstiegs milliardenschwere Entschädigungen durchsetzen - und gegen die Brennelementesteuer vorgehen.    

Von

rtr

Kommentare (1)

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winter

10.06.2011, 11:23 Uhr

Für den sich anbahnenden weltweiten energiewirtschaftlichen Umruch ist Grossmann schlicht zu sehr von gestern, es ist immer hart für ein Schiff, wenn ein Käpitän die Seekarten nicht lesen kann.

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