Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2015

09:55 Uhr

Belastung für General Motors

Lass die Finger von Venezuela

Südamerika ist für die Autobauer weiterhin ein extrem schwieriger Markt. Besonders die Währungsturbulenzen machen den Herstellern zu schaffen. Für General Motors wird ein Markt zur Milliardenbelastung.

Für General Motors wird nun auch der südamerikanische Markt zunehmend zur Belastung. Reuters

Barra gibt die Richtung vor

Für General Motors wird nun auch der südamerikanische Markt zunehmend zur Belastung.

DüsseldorfMary Barra ist derzeit mehr Feuerwehrfrau als Konzernlenkerin. Immer wenn sie gerade wieder ein Feuer gelöscht hat, brennt es in einem anderen Teil ihres Autoreichs. Nachdem sie die Folgen eines Millionen-Rückrufs in den USA eingedämmt und den Rückzug aus dem russischen Markt eingeleitet hat, bereitet der General-Motors-Chefin nun ein Land in Südamerika neue Probleme.

Die Wirtschaftskrise in Venezuela hat die Landeswährung Bolivar auf Talfahrt geschickt. Die Sonderbelastungen durch die Abwertung sind für die Opel-Mutter General Motors massiv. Rund 600 Millionen Dollar fallen nach Angaben des Konzerns allein im zweiten Quartal an. Zusammen mit den Belastungen aus dem ersten Quartal summieren sich die Folgen der Währungsturbulenzen so mittlerweile auf rund eine Milliarde Dollar.

Das Rückruf-Debakel von General Motors

13. Februar 2014

GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

25. Februar 2014

GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. In Europa sind einige Tausend Roadster Opel GT betroffen. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

12. März 2014

Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten.

6. März 2014

Barra leitet eine interne Untersuchung ein. Zuvor war bekanntgeworden, dass die US-Sicherheitsbehörde NHTSA überprüft, ob GM den Rückruf verschleppt hat. In US-Medien häufen sich Geschichten von Unfallopfern.

17. März 2014

GM ruft weitere Autos wegen anderer Defekte zurück, etwa wegen Airbag-Ausfällen. Auch aktuelle Modelle sind nun betroffen. Wegen der Zündschlösser gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein, die den Wert ihrer Wagen geschmälert sehen.

19. März 2014

Die US-Regierung bestraft Toyota wegen der Pannenserie 2009/2010. Die Japaner müssen 1,2 Milliarden Dollar zahlen. Auch hier lautet der Vorwurf, der Konzern habe die Probleme zunächst vertuscht.

29. März 2014

GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

31. März 2014

Der nächste Ruf startet wegen ausfallender Servolenkungen. GM beordert nun wegen diverser Mängel insgesamt 6,3 Millionen Wagen in die Werkstätten. Die Kosten schnellen auf 750 Millionen Dollar hoch, später veranschlagt das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar.

2. April 2014

Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

10. April 2014

GM beurlaubt zwei Ingenieure wegen der Zündschlösser. Zwei Wochen später wird die Entwicklungsabteilung umgebaut und deren Chef scheidet aus. Zwischenzeitlich gehen auch die Personalchefin und der Kommunikationschef.

23. April 2014

GM erklärt, die ersten Ersatzteilpakete mit Zündschlössern versandt zu haben. Nun starten die Reparaturen.

30. Juni 2014

Ein weiterer Rückruf betrifft 8,4 Millionen Wagen weltweit, die meisten davon in den USA. GM zufolge hätten diverse Wagen Defekte. „Unsere Kunden verdienen mehr als das, was wir ihnen mit diesen Wagen geboten haben“, erklärte Firmenchefin Mary Barra in Detroit.

Auch der Autoabsatz in Venezuela ist um satte 72,5 Prozent auf 20.000 Fahrzeuge eingebrochen. Ein vollständiger Rückzug wie in Russland ist nach Angaben des Konzerns aber kein Thema. Der Markt sei weiter sehr wichtig für den Konzern, betonen die Verantwortlichen. Doch immer wieder war berichtet worden, dass der Konzern darüber nachdenke, die Produktion im Juli zumindest auszusetzen.

Im ersten Quartal war der Umsatz von General Motors in Südamerika schon um gut 30 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar eingebrochen. Unterm Strich stand ein Verlust betrug 214 Millionen Dollar. Am 23. Juli will General Motors die Zahlen für das zweite Quartal präsentieren. Dann wird Mary Barra klar sehen, welches Feuer sie als nächstes löschen muss.

Von

bay

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×