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18.06.2012

12:34 Uhr

Beraten von Mickey Mouse

Siemens und Disney in märchenhafter Allianz

VonThomas Jahn

„Cars Land“ heißt die neue Attraktion im Disney Park in Kalifornien. Was kaum jemand weiß: Die Abenteuerwelt ist bis obenhin voll mit Technik von Siemens. Und nicht nur das: Disney berät die Deutschen im US-Marketing.

Attraktionen in „Cars Land“: Bei dem Disney-Projekt mischte der deutsche Konzern Siemens mit. Reuters

Attraktionen in „Cars Land“: Bei dem Disney-Projekt mischte der deutsche Konzern Siemens mit.

Los AngelesDisney-Chef Bob Iger hält ein Startkabel in der Hand. Die rote Klemme steckt er in eine Autobatterie. Funken sprühen, Motoren heulen auf. "Cars Land ist eröffnet", ruft Iger und ein Feuerwerk bricht los, Konfetti fliegt. Vor wenigen Tagen feierten Hunderte geladene Gäste die neue Attraktion im Disney California Adventure Park in Los Angeles. Dort baute Disney für 1,1 Milliarden Dollar "Radiator Springs", die Stadt von Rennauto Lightning McQueen und Abschleppwagen Mater, die Helden des Kinoknüllers "Cars". Was die meisten Besucher nicht wissen: Alle Elektrik, Motoren und Steuerungssysteme der Karussells oder Neonzeichen sind von Siemens.

Ein kultureller Durchbruch für den deutschen Mischkonzern. Bislang arbeitete Disney mit dem US-Anbieter Rockwell zusammen. Das zeigt, wie sehr sich der deutsche Konzern amerikanisiert hat - was zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führt. Die US-Industriesparte von Siemens wächst überdurchschnittlich. Im Geschäftsjahr 2011 stieg der Umsatz um zehn Prozent auf knapp 7,3 Milliarden Euro. "Die Geschäfte gehen gut", sagt Helmuth Ludwig, Chef von Siemens Industry in den USA.

Was wenige wissen: Disney besitzt mit dem Disney Institute eine Unternehmensberatung. Der weltgrößte Medienkonzern berät auch Siemens in Sachen Kundenbetreuung in den USA. So sind Kliniken für Siemens beim Verkauf von Medizingeräten ein wichtiger Kunde. Um diese von Siemens-Produkten zu überzeugen, arbeiten die Deutschen eng mit dem Mickey-Mouse-Konzern zusammen. "Der Patient ist auch ein Gast", sagt Tom Haas, Marketingchef von Siemens USA, "und Disney weiß am besten, wie man einen Gast willkommen heißt."

So entwickelte Siemens mit Disney ein Hörgerät für Kinder in einer Mickey-Mouse-Tasche. Die Gebrauchsanweisung ist das Kinderbuch "Three Cheers for Bunny's Ears" (Dreimal Hurra für die Hasenohren). Das hilft jungen Patienten, sich mit dem Elektroteil anzufreunden. Ähnliche Angebote gibt es für Allergiediagnose und andere Kindermedizingeräte.

Auch Erwachsene werden angesprochen. Zusammen mit der Disney-Tochter Marvel und seinen Superhelden startet Siemens im Sommer die Kampagne "Unsung Heroes" (Unbeachtete Helden). Captain of America oder Hulk erklären US-Soldaten, warum sie nach Kriegseinsätzen vom US-Militär mit Siemens-Geräten auf Drogenkonsum untersucht werden.

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