Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2012

11:15 Uhr

Bergbau-Konzerne

Der Traum vom Superzyklus wird begraben

VonSebastian Ertinger

Die Rohstoff-Riesen melden erstmals seit Jahren durchweg sinkende Gewinne, viele verfehlen sogar die Erwartungen. Nach goldenen Jahren zeichnet sich für die Branche nun eine Trendwende zu mageren Zeiten ab.

Abbau von Eisenerz in Westaustralien: Die Branche spürt die schwindende Nachfrage aus China. Reuters

Abbau von Eisenerz in Westaustralien: Die Branche spürt die schwindende Nachfrage aus China.

DüsseldorfDie weltweite Konjunkturflaute erreicht die großen Minenkonzerne. Das drittgrößte Bergbau-Unternehmen der Welt, Rio Tinto, erlitt im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang um 22 Prozent. Der Nettogewinn schrumpfte auf 5,9 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen mitteilte. Im Vorjahreszeitraum stand noch ein Plus von 7,6 Milliarden Dollar.

Als Grund für den Rückgang nennt Rio Tinto fallende Preise für Eisenerz, Kupfer und Aluminium. Zugleich seien die Kosten gestiegen. Analysten hatten mit dieser Entwicklung gerechnet. So erfüllte der britisch-australische Konzern wenigstens die Erwartungen des Marktes.

Die Minenkonzerne weltweit belastet die schwindende Nachfrage aus China. Der Bauboom und der Aufbau der Infrastruktur im Reich der Mitte trieben über Jahre den Bedarf an Eisenerz, Nickel oder Zink sowie an Energieträgern wie Kohle und Öl. Konzerne wie Experten hatten mit einer anhaltenden Nachfrage und damit dauerhaft steigenden Rohstoffpreisen gerechnet.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Doch Chinas Wirtschaft wächst derzeit so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Das drückt die Preise für die Grundgüter und schmälert die Gewinnmargen der Rohstoffkonzerne. „Traditionelle Rohstoffunternehmen werden eine Reihe von Herausforderungen zu meistern haben, wie beispielsweise steigende Lohnkosten, höhere Projektkosten sowie ein zunehmender Ressourcen-Nationalismus“, sagt Sreejith Banerji, Fondsmanager von Vontobel.

So hat der weltgrößte Eisenerz-Förderer, der brasilianische Konzern Vale, im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch um fast 60 Prozent erlitten. Der Nettogewinn fiel auf 2,7 Milliarden Dollar. Das ist der niedrigste Gewinn seit dem ersten Vierteljahr 2010. Analysten hatten knapp drei Milliarden Dollar erwartet. „Ich habe wirklich Probleme, in der Bilanz irgendetwas Positives zu finden“, sagte ein Branchenbeobachter aus New York.

Deutlich verfehlte auch Anglo American die Erwartungen der Marktteilnehmer. Im ersten Halbjahr fiel der Gewinn um 46 Prozent. Anglo Amercian habe ein „schlimmes“ Halbjahresergebnis vorgelegt, kommentierte Christopher LaFemina, Analyst bei Jefferies International.

Der britisch-südafrikanische Konzern überprüft zudem seine bedeutende Platin-Sparte. Grund: die anhaltend schwachen Preise. Das Edelmetall wird vor allem in der Autoherstellung sowie in der Medizintechnik benötigt.
Einen Gewinnrückgang erlitt auch der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata. Der Nettogewinn der Schweizer sank auf 1,9 Milliarden Dollar – eine Milliarde weniger als im Vorjahr. Der Umsatz sank um sieben Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar. Aber damit schnitt Xstrata immerhin besser ab als von Analysten erwartet.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

interessierterBuergerKlaus

08.08.2012, 11:37 Uhr

Mir kommen die Tränen, statt 7 Milliarden Gewinn nur noch 5,6MIlliarden. Jammern, klagen ja geht's denn noch?

Account gelöscht!

08.08.2012, 12:13 Uhr

"Mir kommen die Tränen, statt 7 Milliarden Gewinn nur noch 5,6MIlliarden."
Das dachte ich mir auch gerade...

Und wenn ich dann sowas lese wie:
"Das ist der niedrigste Gewinn seit dem ersten Vierteljahr 2010."
"Doch Chinas Wirtschaft wächst derzeit so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr."

kommen mir richtig die Tränen^^

Erinnert mich irgendwo an die eine Southparkfolge,
wo wegen illegalem Musikdownload den Jungs gezeigt wird, wie sich die Weltmusiker wie Metallica etc. keinen neuen Swimmingpool mehr leisten können in ihrer riesigen Villa...

Tabu

08.08.2012, 12:34 Uhr

Bergbau-Konzerne?
Diese Konzerne bauen nichts,sie plündern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×