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02.01.2009

20:09 Uhr

Bergbaukonzern erleidet Rückschlag

Australien stoppt Expansion von Xstrata

VonUrs Wälterlin

Der Rohstoffkonzern Xstrata hat bei seiner geplanten Expansion in Australien einen empfindlichen Rückschlag erlitten. In der australischen Stadt Darwin setzten sich die Ureinwohner des Northern Territory gegen den weltweit viertgrößten Nickelanbieter durch - das australische Bundesgericht stoppte den Ausbau einer Mine.

Der weltweit viertgrößte Nickelproduzent Xstrata musste vor Gericht eine herbe Niederlage einstecken. Foto: ap Quelle: ap

Der weltweit viertgrößte Nickelproduzent Xstrata musste vor Gericht eine herbe Niederlage einstecken. Foto: ap

SYDNEY. Das Gericht entschied, Xstrata müsse die bereits begonnene Umleitung des McArthur-Flusses im isolierten Norden von Australien abbrechen. Xstrata wollte auf diese Weise Zugang zu einem massiven Erzkörper schaffen und die bestehende McArthur-River-Mine von einer Untergrund- zu einer Tagebauoperation ausbauen.

Die Bewilligung zu diesem von den traditionellen Besitzern der Region seit Jahren heftig bekämpften Vorhaben sei vom früheren konservativen Umweltminister Ian Campbell unrechtmäßig ausgegeben worden, befand das Gericht. Vertreter der Aborigines forderten Xstrata auf, die bereits umgeleiteten Abschnitte des Flusses in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. "Das wird eine Menge Geld kosten", so der traditionelle Besitzer des Gebietes, Harry Lansen.

Die australische Regierung hatte vor etwas über zwei Jahren grünes Licht zum Ausbau der McArthur River-Mine gegeben. McArthur River Mining (MRM), eine Xstrata-Tochter, fördert seit 1995 Zink und Blei in einer reichsten Erzlagerstätten der Welt. Pro Jahr produziert die Mine etwa 150 000 Tonnen Zink. Dazu kommen 30 000 Tonnen Blei und 1,2 Mio. Tonnen Silber. Das Zink-/Bleikonzentrat wird nach Rumänien, Japan, Polen und China verschifft.

Für MRM steht außer Frage, dass das Projekt positive wirtschaftliche Auswirkungen hat auf eine der isoliertesten Regionen des fünften Kontinents. Nicht nur biete die Anlage vielen Einheimischen Arbeitsplätze, sie trage mit jährlich 350 Mio. austr. Dollar zur Wirtschaft des Northern Territory bei, argumentiert das Unternehmen.

Wie es nach dem Entscheid mit der Mine weitergehen wird, steht noch nicht fest. Für die traditionellen Besitzer des Gebietes, die Aborigines, war der Plan für die Umleitung des McArthur-Fluss seit jeher ein Sakrileg. Nicht nur ist der Fluss seit Jahrtausenden von spiritueller Bedeutung - er gilt als Heimat der Regenbogenschlange, dem mythischen Tier aus der "Traumzeit", der Geschichte der Aborigines.

Die Urbesitzer fürchten auch die Kontaminierung der bisher kaum berührten Landschaft im Flussdelta durch Schwermetalle. In der Vergangenheit sei es schon mehrfach zu Verunreinigungen aus der bestehenden Anlage gekommen, sagt ein Sprecherin. "Wir hatten in den letzten zehn Jahren drei große Überschwemmungen." Giftige, mit Schwermetallen beladene Abwässer seien in den Fluss gelangt und von dort in den Golf von Carpentaria, wo sie sich in den Meerestieren ablagerten. "Am schlimmsten betroffen sind die Menschen auf den vorgelegten Inseln. Sie leben seit Jahrtausenden vom Fischfang".

MRM bestritt diese Vorwürfe und weist auf eine Politik der "strikten Kontrolle" der Umwelt und der Verhinderung von Kontaminierungen hin. Auch in der Queenslander Mine von Mount Isa, einem anderen von Xstrata kontrollierten Projekt in Australien, wird der Firma vorgeworfen, sich nicht genügend um die Konsequenzen ihrer Tätigkeit auf Umwelt und Menschen zu kümmern.

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