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21.11.2013

14:26 Uhr

Bergbaumaschinen

Verband hofft auf neuen Rohstoff-Hunger

Die fetten Jahre sind vorerst vorbei. So lautet die Prognose der Hersteller von Bergbaumaschinen angesichts sinkender Rohstoffpreise. Langfristig bereitet auch Wirtschaftsspionage den Firmen Sorgen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer hofft auf neuen Rohstoff-Hunger, damit die Maschinen der Verbandsmitglieder wieder zum Einsatz kommen. Dies wird jedoch vermutlich eher am anderen Ende der Welt passieren, als in heimischen Gefilden. dpa

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer hofft auf neuen Rohstoff-Hunger, damit die Maschinen der Verbandsmitglieder wieder zum Einsatz kommen. Dies wird jedoch vermutlich eher am anderen Ende der Welt passieren, als in heimischen Gefilden.

EssenDie Hersteller von Bergbaumaschinen erwarten wegen der Zurückhaltung der Rohstofffirmen mit Investitionen im nächsten Jahr deutliche Umsatzeinbrüche. „Unsere Umsätze werden 2014 voraussichtlich zweistellig absinken“, sagte Paul Rheinländer, Vorsitzender des Fachzweiges im Branchenverband VDMA, am Donnerstag in Essen. Kurzarbeit und Personalabbau seien nicht ausgeschlossen. „Wir sind an einem Scheitelpunkt eines Zyklus angekommen.“ Die Branche beschäftigt rund 14.900 Mitarbeiter.

Hatte der weltweite Rohstoffhunger 2012 noch für zweistellige Zuwachsraten gesorgt, sei das Umsatzwachstum bereits in diesem Jahr mit einem Plus von lediglich ein bis zwei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro abgeebbt, erklärte Rheinländer. Da die Preise für viele Rohstoffe wie Kupfer, Zink oder auch Edelmetalle wie Gold und Silber im Keller seien, hielten sich die Produzenten mit Investitionen zurück. Da mittel- bis langfristig der Rohstoffhunger aber wiederkehren werde, könne es schon 2015 wieder aufwärtsgehen.

Seit 2007 waren die Umsätze bei den Bergbaumaschinen-Herstellern jährlich im Schnitt um etwa 13 Prozent gestiegen. Aufstrebende Länder wie Brasilien, Russland, Indien und China brauchen mehr Rohstoffe. Mit einem Exportanteil von 93 Prozent verkaufen die Firmen, zu denen neben zahlreichen Mittelständlern auch Konzerne wie ThyssenKrupp, Caterpillar, Liebherr und Komatsu gehören, die meisten Anlagen ins Ausland. Hauptabsatzmärkte sind Australien, Russland, die USA und China.

Größte Baumaschinenhersteller der Welt (Umsatz 2011)

35 Milliarden Dollar

Caterpillar (USA)

21,8 Milliarden Dollar

Komatsu (Japan)

10 Milliarden Dollar

Volvo (Schweden)

10 Milliarden Dollar

Hitachi (Japan)

7,9 Milliarden Dollar

Liebherr (Schweiz/Deutschland)

7,9 Milliarden Dollar

Sany (China)

7,2 Milliarden Dollar

Zommlion (China)

6,5 Milliarden Dollar

Terex (USA)

5,8 Milliarden Dollar

Doosan (Korea)

5,4 Milliarden Dollar

John Deere (USA)

Quelle: KHL Group via statista.de

Auch in Deutschland brummte das Geschäft nicht zuletzt durch die Braunkohleförderung, die unter anderem Energiekonzerne wie RWE oder Vattenfall betreiben. Allerdings könnte die Energiewende dem ein Ende setzen. „Seitdem Braunkohlekraftwerke gedrosselt gefahren werden und sich dadurch der Kohleabsatz verringert hat, stehen die Bergwerksbetreiber zunehmend auf der Investitionsbremse“, so Rheinländer. Zudem naht das Ende des Steinkohlebergbaus. „2018 wird Schluss sein.“

Neben der rückläufigen Nachfrage entwickelt sich die Industriespionage zu einer großen Belastung für die gesamte Maschinenbaubranche. Die mittelständischen Unternehmen hätten kaum eine Abwehrchance. „Wir melden bewusst keine Patente an, um uns vor Nachahmung zu schützen“, sagte Rheinländer, der in Bochum ein Unternehmen mit 1.800 Mitarbeitern leitet. Mittlerweile habe die Mafia den Datendiebstahl für sich entdeckt. Manche Clans sollen, wie der VDMA erst kürzlich verlauten ließ, mehr Geld mit gestohlenem Firmen-Know-how und Produktpiraterie als mit Prostitution und Drogenhandel einnehmen.

Von

rtr

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