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29.06.2012

13:15 Uhr

Bergleute von der Saar

„Traurig, wehmütig und verärgert zugleich“

Viele Kumpel werden nach dem Ende des Bergbaus an der Saar nach Nordrhein-Westfalen ziehen. Das Aus für die Zeche in der Heimat verstehen sie nicht: „Wir haben eins der modernsten Bergwerke der Welt - und machen es zu.“

Jürgen Meißner im Bergwerk Saar in Ensdorf: „Der Anfang war schwer“. dpa

Jürgen Meißner im Bergwerk Saar in Ensdorf: „Der Anfang war schwer“.

EnsdorfJürgen Meißner wollte schon als Junge Bergmann werden. Seit jetzt fast 30 Jahren arbeitet er im Saarland für und mit der Steinkohle. Doch mit dem Ende des Bergbaus an der Saar fällt auch sein Arbeitsplatz weg. Wie rund 1350 seiner Kumpel muss Meißner umziehen. Zu einer anderen Zeche nach Nordrhein-Westfalen, wo zumindest noch bis 2018 Kohle abgebaut wird. „Das ist schon ein Einschnitt“, sagt der 47-Jährige aus Püttlingen, dessen Frau und Sohn nicht ins rund 400 Kilometer entfernte Marl mitkommen werden. Er wird also pendeln müssen. „Als Saarländer ist man sehr heimatverbunden.“

Am 30. Juni steht im Saarland eine historische Zäsur an. Nach 250 Jahren endet der Bergbau an der Saar, der einst bis zu 70.000 Menschen Arbeit gegeben hat. Das Aus steht schon länger fest, weil Importkohle billiger ist, wurde aber von der Politik vorgezogen.

So steigt Deutschland aus dem Steinkohlebergbau aus

Steinkohlebergbau nur noch bis 2018

Der deutsche Steinkohlebergbau ist unter anderem wegen der großen Fördertiefen nur mit Milliardensubventionen möglich. Nach dem Deutschen Steinkohlekompromiss läuft der traditionsreiche Industriezweig deshalb Ende 2018 unwiderruflich aus.

Vier Fünftel heute schon Importkohle

Schon jetzt werden fast vier Fünftel der in Deutschland verbrauchten Steinkohle aus dem Ausland importiert. Eine ursprünglich vorgesehene Möglichkeit zum Überdenken des Ausstiegs wurde im Frühjahr 2011 vom Bundestag endgültig gekippt. Damit ist klar, dass ab 2019 keine einheimische Steinkohle mehr gefördert wird.

Sozialverträglicher Ausstieg

Betriebsbedingte Kündigungen wird es nach dem Steinkohlekompromiss nicht geben. Der Zechenkonzern RAG steuert den schrittweisen, sozialverträglichen Ausstieg unter anderem über Umschulungen, Vorruhestandsangebote und die interne Versetzung innerhalb der Zechen.

Versetzungen nach Ibbenbüren und an die Ruhr

So wurden und werden mit der Schließung des Saar-Bergbaus mehr als 1100 Bergleute nach Ibbenbüren am Rand von Nordrhein-Westfalen und an die Ruhr versetzt. Aktuell beschäftigt der deutsche Bergbau noch rund 15.000 Bergleute.

Nur noch vier Bergwerke

1957 waren es einmal mehr als 600.000 Menschen. Nach der Schließung des Saar-Bergwerks gibt es bundesweit neben Ibbenbüren nur noch drei Bergwerke.

Bottrop und Ibbenbüren bis 2018

Das Bergwerk West in Kamp-Lintfort (Niederrhein) schließt Ende 2012, Auguste Victoria (Marl) Ende 2015. Die volle Laufzeit bis Ende 2018 schöpfen nur Prosper-Haniel (Bottrop) und Ibbenbüren aus.

Der Grund: Im Februar 2008 hatte bergbaubedingt die Erde stärker als sonst gebebt, zigtausend Gebäude wurden beschädigt. Damals standen noch 4700 Beschäftigte im Bergwerk Saar auf der Lohn- und Gehaltsliste des Zechenkonzerns RAG Deutsche Steinkohle.

Wer von den Bergleuten konnte, ist seitdem in den Vorruhestand gegangen, etwa 400 Jüngere wurden an andere Unternehmen vermittelt, sagt RAG-Sprecherin Annette Weinmann in Saarbrücken. Von den Übriggebliebenen gingen die meisten nach Nordrhein-Westfalen, vor allem nach Ibbenbüren. Etwa 300 sind bereits 2010 und 2011 gewechselt, in diesem Jahr folgen knapp 1000, sagt sie.

Jörg Lutz war einer der ersten 80 Bergleute, die nach Ibbenbüren umgezogen sind. Gut zwei Jahre ist das schon her. „Der Anfang war schwer“, sagt er. „Neue Arbeitsstätte, die Familie bricht weg.“ Inzwischen habe er sich „gut eingelebt“, mache eine Ausbildung zum Steiger. „Aber das Heimweh kommt irgendwann.“ Wann immer er ein paar Tage freihabe, fahre er die 500 Kilometer nach Hause zu seiner Freundin, zu seinen Eltern. Meist nur alle zwei bis drei Wochen. „Daheim erlebt man jetzt jeden Tag viel intensiver als früher.“ Klar für ihn ist aber: Wenn seine Zeit in Nordrhein-Westfalen vorüber ist, zieht er wieder zurück ins saarländische Gersweiler.

Kommentare (1)

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Deutschlothringer

29.06.2012, 16:47 Uhr

Her ma uff, diese dummschwätzer unn ökofaschiste, datt sinn die eigentliche verbrecha

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