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02.09.2013

07:11 Uhr

Bernd Osterloh

VW-Betriebsratschef will Sicherheit für Leiharbeiter

ExklusivVW-Betriebsratschef Osterloh verlangt von dem Autobauer Festverträge für Hunderte Zeitarbeiter. Bis 2014 sei der Konzern ausgelastet. In der Diskussion um Scheinwerkverträge stellt er sich hinter die Unternehmensführung.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh bei einer Betriebsversammlung im Februar: Im Gespräch mit dem Handelsblatt betont er, dass es bei dem Autobauer keine Scheinwerkverträge gebe. dpa

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh bei einer Betriebsversammlung im Februar: Im Gespräch mit dem Handelsblatt betont er, dass es bei dem Autobauer keine Scheinwerkverträge gebe.

WolfsburgDer Autobauer Volkswagen soll weitere Leiharbeiter zu Stammbeschäftigten machen. Das fordert der einflussreiche VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Bis Ende August hat VW innerhalb von zwei Jahren 3000 Leiharbeiter fest angestellt. Wir sind bis zum Jahresende gut ausgelastet. Deshalb wollen wir, dass weitere Zeitarbeitnehmer, die 36 Monate dabei sind, übernommen werden“, sagte Osterloh.

Mit dem Unternehmen spricht der Betriebsrat darüber, auch alle Zeitarbeiter an den deutschen Standorten einzustellen, die in den kommenden drei Monaten länger als 36 Monate bei VW sind. „Das sind jeweils einige Hundert“, erklärte Osterloh. Die Frist von drei Monaten gelte, weil die konjunkturellen Aussichten mittelfristig schwer einzuschätzen seien.

In der Diskussion um den Missbrauch von Werkverträgen stellt sich der Betriebsratschef hinter das Management. „Bei Volkswagen gibt es keine Scheinwerkverträge. Die passen nicht zu unserer Unternehmenskultur“, sagte Osterloh dem Handelsblatt. „Bekommen wir Hinweise auf Probleme, gehen wir diesen nach und helfen den betroffenen Kollegen. Das war im Jahr 2012 zweimal der Fall.“

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Wie das Handelsblatt berichtet, lagert VW Logistikdienste an billigere Subunternehmen aus. Während Stammbeschäftigte die Logistik für den Golf in Wolfsburg übernehmen, transportieren Werkverträgler des Subunternehmens Ceva Logistics die Teile für den Tiguan. In Eidesstattlichen Versicherungen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeichnen einzelne Ceva-Beschäftigte ein Bild, nach dem sie wie Festangestellte behandelt werden. Sollten ihre Vorwürfe zutreffen, könnten ihre Werkverträge illegal sein und die Betroffenen sich bei VW einklagen.

Das Unternehmen ist alarmiert. „Hinweise auf mögliche Verstöße nehmen wir ernst und gehen ihnen nach. Sollten Verstöße festgestellt werden, stellen wir sie ab“, betonte VW auf Anfrage. Im konkreten Fall sieht der Konzern aber kein strukturelles Problem im Einsatz von Ceva. „Den Vorwurf, es gebe in diesem Zusammenhang Scheinwerkverträge, weisen wir klar zurück“, so der Konzern.

Gut 450 Ceva-Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten. Sie werden nicht wie die Stammbelegschaft nach dem IG-Metall-Tarif entlohnt, sondern nach dem der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Ein Ceva-Staplerfahrer verdient demnach einen Stundenlohn von 9,77 Euro. VW-Festangestellte bekommen mit 19,45 Euro mehr als das Doppelte.

Kommentare (6)

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whisky

02.09.2013, 11:11 Uhr

Diese Unternehmen haben viele Zulieferer. Durch ständigen Druck auf die Preise werden diese Zulieferer gezwungen, mit Leiharbeitern und Werkvertraglern zu produzieren und die Löhne für die ständig Beschäftigten auf keinen Fall zu erhöhen.
Hauptsache VW, BMW usw. stehen nach außen gut da.

Account gelöscht!

02.09.2013, 11:33 Uhr

Mich überrascht, dass die Produktion bis Mitte 2014 ausgelastet ist. Woher kommt denn bitte der Absatz???

Account gelöscht!

02.09.2013, 11:50 Uhr

China, USA...?

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