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22.08.2014

07:05 Uhr

Beschäftigungslage

Japan fehlen Arbeitskräfte

In Japan ist die Beschäftigungslage derzeit schwierig. Den Unternehmen gehen die Arbeitskräfte aus. Besonders stark betroffen ist der Einzelhandel. Doch einige Japaner werden vom Arbeitskräftemangel profitieren.

Ein japanischer Arbeiter in der Stahlindustrie: Bei Bau- und Immobilienunternehmen betrug die Quote 72 Prozent sowie im Automobilsektor 70 Prozent. ap

Ein japanischer Arbeiter in der Stahlindustrie: Bei Bau- und Immobilienunternehmen betrug die Quote 72 Prozent sowie im Automobilsektor 70 Prozent.

TokioJapanischen Unternehmen fällt es immer schwerer, genügend Arbeitskräfte zu finden. In einer am Freitag veröffentlichten Reuters-Umfrage gaben etwa 60 Prozent der Firmen Probleme bei der Stellenbesetzung an. Die zunehmend schwierige Lage treibt demnach die Kosten hoch und schmälert den Gewinn. Besonders stark betroffen sind der Einzelhandel, aber auch der Automobil- und Bausektor.

Der von Nikkei Research im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters vorgenommenen Umfrage zufolge gaben 80 Prozent der Einzelhändler an, die Beschäftigungslage sei schwierig. Bei Bau- und Immobilienunternehmen betrug die Quote 72 Prozent sowie im Automobilsektor 70 Prozent. Hintergrund der Engpässe ist die zunehmende Überalterung der Gesellschaft in Verbindung mit der begrenzten Einwanderung. Es wird erwartet, dass die Zahl der Japaner im Arbeitnehmer-Alter bis 2030 um 13 Millionen sinkt. Eine Lösung sei vielleicht in 30 bis 50 Jahren denkbar, sagte Shintaro Okuno von Bain & Co Japan. „In den kommenden fünf bis zehn Jahren könnte sich der Trend fortsetzen“, warnte er.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Zahlreiche japanische Unternehmen haben sich in jüngster Zeit über die Situation beklagt. „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist sehr schwierig geworden“, erklärte der Vize-Präsident des Einzelhändlers Aeon, Yoshiki Mori, im vergangenen Monat. Sein Unternehmen versuche nun, Teilzeit-Arbeiter in die Vollzeit zu locken. Zudem sollten mehr Rentner und Ausländer angestellt werden. Die Baumarktkette Komeri hat mit Hinweis auf fehlende Arbeitskräfte ihre Expansionspläne auf den Prüfstand gestellt. Andere Unternehmen - darunter auch Gaststätten - haben ganze Filialen schließen müssen.

Ein Manager eines Elektronik-Unternehmens konnte der Situation trotz der gestiegenen Kosten allerdings auch etwas Positives abgewinnen. „Das bedeutet für die Angestellten ein besseres Leben und langfristig steigen die Konsumausgaben“, schrieb er. „Es hat auch seine guten Seiten.“

Befragt wurden vom 4. bis zum 18. August 487 Unternehmen unter Zusicherung der Anonymität. Davon beantworteten 270 die Fragen zur Beschäftigungslage.

Von

rtr

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