Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2012

11:39 Uhr

„Beschlüsse nicht rechtens“

Großmann kanzelt zum Abschied die Regierung ab

Mit einer Attacke auf die Bundesregierung verabschiedet sich Jürgen Großmann von der großen Bühne. Der RWE-Chef hält die Beschlüsse zur Kernenergie für „nicht rechtens“. Und der „Atom-Dino“ umgarnt die Mitarbeiter.

Jürgen Großmann verabschiedet sich mit einer Attacke auf die Bundesregierung. dapd

Jürgen Großmann verabschiedet sich mit einer Attacke auf die Bundesregierung.

EssenRWE-Chef Jürgen Großmann hat wenige Wochen vor seinem Amtsende die Bundesregierung wegen des beschleunigten Atomausstiegs scharf angegriffen. „Wir akzeptieren das Primat der Politik, aber wir halten die Beschlüsse der Bundesregierung rund um die Kernenergie nicht für rechtens“, sagte der 60-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen. RWE habe deswegen auch im Februar eine Verfassungsbeschwerde gegen die Novelle des Atomgesetzes eingereicht. Das Atomoratorium vom vergangenen Jahr halte er ebenso für rechtswidrig wie die Kernbrennstoffsteuer.

Im vergangenen Jahr war bereits der Konkurrent Eon vor das Bundesverfassungsgericht gezogen. Der Energieriese betont wie RWE, dass es ihm nicht um das Wiederanfahren der 2011 abgeschalteten Atomkraftwerke gehe. Sollte nach dem - wohl mehrere Jahre dauernden - Verfahren die Atomwende für verfassungswidrig erklärt werden, hoffen die AKW-Betreiber jedoch auf Entschädigungen in Milliardenhöhe.

„Im Jahr 2050 kann die deutsche Stromversorgung klimaneutral sein“, sagte Großmann. Die Risiken auf dem Weg dorthin seien allerdings enorm. Unter anderem seien im vergangenen Jahr auf einen Schlag 40 Prozent der Kernkraftwerkskapazität vom Netz genommen worden. Die Energieversorgung operiere seitdem an der Belastungsgrenze.

Großmann bekräftigte, dass RWE bis 2014 insgesamt 16 Milliarden Euro investieren wolle, insbesondere um den Kraftwerkspark auszubauen. In den Ausbau erneuerbarer Energien sollen bei der Tochter RWE Innogy bis 2014 insgesamt 4 Milliarden Euro fließen, unter anderem in Windenergie. Darüber hinaus steckt RWE Milliarden in Offshore-Windparks in Großbritannien.

RWE stößt mit seinen Stein- und Braunkohlekraftwerken in Europa das meiste CO2 aus. Greenpeace fordert, auf den Neubau eines Braunkohlekraftwerks im Rheinland und des Kohlekraftwerks im niederländischen Eemshaven an der deutsch-niederländischen Grenze zu verzichten. Das Kohlekraftwerk gefährde das Wattenmeer. Großmann hält fossile Kraftwerke allerdings für notwendig, um die schwankende Einspeisung grüner Energie auszugleichen.

Großmann hat sich wie kein ein anderer Manager für die Kernenergie in die Bresche geworfen und damit auch Proteste provoziert. Im vergangenen Jahr wurde der Zwei-Meter-Mann während der Hauptversammlung von einem Bodyguard von AKW-Gegnern abgeschirmt.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RWE-Aktionaer

19.04.2012, 11:52 Uhr

... weltwelt besteht inzwischen die neu jährlich neu installierte Stromleistung zu über 50% aus erneuerbaren Energien. Wenn sich deutsche Spitzenmanager, wie Herr Großmann, diesem eindeutigen Trend jahrelang verweigern, gehören sie als unfähig entsorgt.

Revisor

19.04.2012, 12:45 Uhr

Nein, sehr fähig dieser Mann.

Großmann ist einer der wenigen Ausnahmepolitiker, die sich nicht dem "Zeitgeist" der grünen Quacksalber und Heilsprediger unterordnen und auch einer Regierung mal Paroli bieten. Hut ab!

vandale

19.04.2012, 12:55 Uhr

Herr Grossmann ist hinsichtlich seines Mutes bewundernswert.
Während die anderen Spitzenmanager analog anderer politischer Umschwünge, z.B. 1933, 1945 Ergebenheitsadressen plazieren, nach dem Motto: Die Sonne ist schon immer im Westen aufgegangen, nimmt sich Herr Grossmann den Mut die Wirklichkeit auszusprechen.

Vandale

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×