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03.01.2004

16:25 Uhr

Bessere Finanzkontrollen gefordert

Tanzi bestreitet Vernichtung von Dokumenten

Der wegen des Finanzskandals beim Parmalat-Konzern inhaftierte Firmengründer Tanzi hat bestritten, belastende Dokumente vernichtet zu haben. Derweil suchen die Ermittler weiter nach geheimen Konten.

HB BERLIN. Der Gründer und langjährige Chef des italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, hat Medienberichten zufolge bestritten, belastende Dokumente vernichtet zu haben, die die Bilanzfälschung beim inzwischen insolventen Unternehmen hätten belegen können. Tanzis Anwalt Fabio Belloni sagte am Samstag nach einer Vernehmung seines Mandanten, Tanzi habe niemals die Vernichtung von Dokumenten angeordnet.

«Es gibt nichts zu verheimlichen», wurde Belloni zitiert. Es sei kein Geld des Konzerns im Ausland versteckt. Es könnte aber Ressourcen geben, von deren Existenz Tanzi nicht einmal etwas ahne. Parmalat hatte nach Weihnachten Insolvenz angemeldet, nachdem ein milliardengroßes Bilanzloch entdeckt worden war. Parmalat war mit 200 Tochterfirmen in 30 Ländern tätig.

Tanzi sagte, Manager und Finanzvorstände des Konzerns hätten unabhängig von ihm gehandelt. Dies bestreiten jedoch die ebenfalls inhaftierten Ex-Finanzchefs des Unternehmens. Wie italienische Medien am Samstag berichteten, suchen die italienischen Ermittler nach einem Geheimkonto auf Malta. Dort könnten 250 Millionen Euro gelandet sein, die 2001 verschwunden seien. Auch in Südamerika werde nach geheimen Konten gefahndet.

Wie aus italienischen Justizkreisen verlautete, sind bei Durchsuchungen der Büros des Parmalat-Anwalts Gianpaolo Zini in New York «nützliche Dokumente» aufgetaucht. Der Jurist sitzt in Mailand wegen des Parmalat-Skandals in Untersuchungshaft. Derweil schickte die US-Börsenaufsicht SEC einen Vertreter nach Italien, um dort die Rechte der amerikanischen Parmalat-Investoren zu wahren. Die SEC hatte in den USA Parmalat wegen Betrugs verklagt.

Der frühere italienische Ministerpräsident Giuliano Amato kritisierte unterdessen die bisherigen Finanzkontrollen in Italien. Er sagte der Tageszeitung «Corriere della Sera», die Notenbank habe nur ungenügende Kontrollen zur Vorbeugung des Finanzskandals durchgeführt. «Das System funktioniert nicht und muss geändert werden», sagte Amato dem Blatt. Er erwarte eine rasche Reaktion wie jene in den USA nach dem Enron-Skandal. Auch Italiens derzeitiger Regierungschef Silvio Berlusconi hat inzwischen bessere Kontrollen gefordert, um das Vertrauen wiederherzustellen.

Tanzi war am vergangenen Wochenende verhaftet worden. Ihm und weiteren Führungsmitgliedern von Parmalat wird Verwicklung in betrügerischen Bankrott und Bilanzfälschung vorgeworfen. Der Parmalat-Gründer gestand inzwischen, 500 Millionen Euro bei Parmalat abgezweigt zu haben. Diese Summe ist allerdings nur ein geringer Teil der Milliarden, die dem Konzern fehlen. Tanzi räumte ein, dass in den Bilanzen ein Loch von acht Milliarden Euro klafft. Die Staatsanwaltschaft geht sogar von zehn Milliarden Euro aus.

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