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16.04.2011

12:41 Uhr

Bestechungsaffäre

Ferrostaal geht auf Konfrontationskurs zu MAN

Der Industriedienstleister Ferrostaal wehrt sich gegen eine Strafzahlung in der Bestechungsaffäre. Stattdessen forderte die Firmenanwältin, die Vorstände vom früheren Mutterkonzern MAN zu vernehmen.

Ferrostaal fordert, dass MAN für Fehlverhalten im Rahmen der Bestechungsaffäre geradesteht. Quelle: dpa

Ferrostaal fordert, dass MAN für Fehlverhalten im Rahmen der Bestechungsaffäre geradesteht.

Essen/MünchenIn der Bestechungsaffäre geht der Industriedienstleister Ferrostaal auf Konfrontationskurs zum früheren Mutterkonzern MAN. In einem Schreiben an die ermittelnde Staatsanwaltschaft München forderte eine Firmenanwältin des Essener Konzerns nach „Spiegel“-Informationen die Fahnder auf, Vorstände von MAN zu vernehmen und sich umfassend interne MAN-Unterlagen zu besorgen. Ferrostaal geht davon aus, dass MAN das Bußgeld von 196 Millionen Euro zu zahlen hat, das die Staatsanwaltschaft fordert.

Die Staatsanwaltschaft München nahm am Samstag keine Stellung dazu.

In dem Schreiben heiße es, die Staatsanwaltschaft solle „die Verantwortung auf allen Stufen des Konzerns ermitteln“. Schließlich habe MAN alle Großgeschäfte, denen die Fahnder jetzt nachgehen, kontrolliert und die Gewinne kassiert. Deshalb müsse nun auch MAN und nicht Ferrostaal für Fehlverhalten geradestehen. Die MAN-Spitze habe empört reagiert.

Der Ferrostaal-Mehrheitseigentümer IPIC streitet seit Monaten mit MAN darüber, wie die Vertragspartner mit dem erst nach der Übernahme von 70 Prozent bekanntgewordenen Schmiergeldskandal bei dem Essener Unternehmen umgehen sollen. IPIC weigert sich, die übrigen 30 Prozent zu übernehmen und forderte sogar in einem Schiedsgerichtsverfahren eine Rückabwicklung des Kaufs. Die Staatsanwaltschaft München wirft dem Unternehmen vor, in Griechenland und Portugal Bestechungsgelder gezahlt zu haben, um den Verkauf von U-Booten an die Länder anzuschieben. Sie hat deshalb Anklage gegen einen ehemaligen Ferrostaal-Vorstand und einen früheren Prokuristen erhoben.

Unterdessen liegt laut „Spiegel“ der interne Untersuchungsbericht einer US-Kanzlei zu dem Korruptionsskandal vor. Demnach identifizierten die Anwälte Schmiergelder in Höhe von lediglich acht Millionen Euro, die noch strafrechtlich von Belang sein könnten.

Insgesamt habe es nach dem Bericht verdächtige Zahlungen in Höhe eines kleineren dreistelligen Millionenbetrags gegeben. Häufig sei entweder Verjährung eingetreten oder die Endempfänger der Gelder seien nicht ermittelbar.

 

Von

dpa

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