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14.10.2015

19:31 Uhr

Besuch der Kanzlerin

Renningen, das Stanford von Bosch

VonMartin-W. Buchenau

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den neuen Forschungscampus von Bosch in Renningen besucht. Auch über die Diesel-Affäre von Volkswagen wurde beim Automobilzulieferer gesprochen.

Bei der Eröffnung des Bosch-Forschungscampus in Renningen steuert Merkel einen Agrarroboter. dpa

Die Kanzlerin auf dem Campus

Bei der Eröffnung des Bosch-Forschungscampus in Renningen steuert Merkel einen Agrarroboter.

RenningenDie promovierte Physikerin amüsiert sich. Die Bezeichnung „Zentrum für Forschung- und Vorausentwicklung“ findet sie witzig: „Bosch war schon immer seiner Zeit voraus“, sagt die Bundeskanzlerin, die heute nach Renningen in Baden-Württemberg gekommen ist. Das Traditionsunternehmen habe stets Ideen umgesetzt, die andere nicht hatten. Bosch gelinge es immer wieder mit Innovationen, den Schlüssel zur Zukunft zu finden.

Als Bosch-Chef Volkmar Denner der Bundeskanzlerin später ein Roboter-Auto vorführt, ist sie zu Späßen aufgelegt. „Da sitzt ja noch einer drin“, sagt Merkel. „Er hat aber die Hände nicht am Lenkrad“, sagt der Vorführer. Die Kanzlerin staunt, mitfahren will sie aber lieber nicht.

Auch zur Elektromobilität äußert sie sich. Sie wisse, dass die Erwartungen der Industrie höher seien als die bisherigen politischen Entscheidungen. Dann spielt sie den Ball geschickt zu Bosch-Chef Denner. „Ich hoffe, dass die Batterieforschung gebührende Fortschritte macht.“

Tatsächlich besuchte die Bundeskanzlerin heute den Ort, an dem sich die Zukunft von Bosch entscheidet. In dem 310 Millionen Euro teuren neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum will Bosch unter anderem Grundlagen für neue Batterien entwickeln. Das könnte der Durchbruch für die Technik der Elektroautos sein.

Zum Diesel-Skandal, und ob Bosch Volkswagen gewarnt habe, will sich Denner nicht äußern. Zu den angekündigten Sparmaßnahmen von VW habe es noch keine Gespräche gegeben. „Bislang sehen ich in unserem Diesel-Markt keine Veränderung. Deshalb kann ich dazu nichts sagen“, sagt Denner. „Es wird darauf ankommen, die momentane Verunsicherung der Kunden durch eine Kampagne für den Diesel zu beenden.“ Wann das sein wird, ließ er offen. Doch eine Sache macht Denner deutlich: Bosch habe die Technologie für einen sauberen Diesel.

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Die Bosch-Vertreter zeigen der Bundeskanzlerin zunächst den „Bonirob“. Und das ist kein Zufall. Der Agrarroboter revolutioniert die Pflanzenzucht, weil er vollautomatisch die besten Pflanzen erkennt – und nebenbei auch noch störendes Unkraut vernichtet. Zwar passt das neue Produkt noch in kein Geschäftsbereich des Konzerns, der neben Autoteilen, auch Elektrowerkzeuge, Kühlschränke, Heizungs- und Industrietechnik herstellt. Aber: Der Roboter soll für den neuen Geist von Renningen stehen. Und der Bosch-Chef legt noch einen drauf: „Renningen ist das Stanford von Bosch“.

Bosch will hier auf der grünen Wiese so früh wie möglich interdisziplinärer arbeiten – und weitere Innovationen entwickeln. Ein Beispiel ist der Agrarroboter. Er ist vollgepackt mit Sensoren und einer Bilderkennung, die sonst in Autos verbaut wird.

Und Bosch hat noch vieles vor: Rund 1200 Mitarbeiter von drei Standorten sind künftig an einem für den Bereich Forschung und Vorausentwicklung verantwortlich. Dabei handelt es sich um das wichtigste Zukunftsprojekt von Bosch-Chef Volkmar Denner. Insgesamt 310 Millionen Euro will der Konzern in das mehr als 100 Hektar große Gelände investieren. Entstehen soll ein Campus mit 14 Gebäuden, sechs Institute für Physik, Chemie und Fertigungstechnik.

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