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04.12.2013

14:36 Uhr

Beteiligung

Polen will bei EADS einsteigen

Nach Deutschland, Frankreich und Spanien will nun auch Polen Anteile am Luftfahrt- und Rüstungsriesen EADS erwerben. Die Beteiligung soll das Land noch enger in das europäische Verteidigungssystem einbinden.

Der Eurofighter ist das Vorzeigeprojekt der EADS-Rüstungssparte. dpa

Der Eurofighter ist das Vorzeigeprojekt der EADS-Rüstungssparte.

WarschauDie polnische Regierung verhandelt einem Bericht zufolge über einen Einstieg beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Dabei gehe es um eine Beteiligung von ein bis zwei Prozent, berichtete die Tageszeitung „Dziennik Gazeta Prawna“ am Mittwoch. Ziel sei es, die militärische Kooperation mit der Europäischen Union auszubauen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, man werde „analysieren welche Vorteile Polen von einer Beteiligung an EADS hat, aber das ist ein langer Prozess und wir sind erst am Anfang.“ Eine endgültige Entscheidung müsse der Premierminister fällen.

Eine Ein-Prozent-Beteiligung hätte bei dem gegenwärtigen Aktienkurs einen Wert von rund 400 Millionen Euro.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

EADS ist die Muttergesellschaft des Flugzeugbauers Airbus, verfügt aber auch über eine breite Rüstungssparte. Zu den Eigentümern gehören auch die französische, deutsche und spanische Regierung. Allerdings hatte EADS-Chef Thomas Enders erst kürzlich den Staatseinfluss beim Rüstungsriesen durch eine Reform der Aktionärsstruktur zurückgedrängt. Frankreich hat seine Anteile von 15 auf 12 Prozent reduziert und damit sein Veto-Recht bei strategischen Entscheidungen verloren. Deutschland hält ebenfalls 12 Prozent an EADS, Spanien hält vier Prozent.

Bereits 2006 hatte sich die russische Bankengruppe VTB für rund eine Milliarde Euro rund fünf Prozent der EADS-Anteile gesichert. Weil das Unternehmen den Russen aber jeglichen Einfluss in den Aufsichtsgremien und auf die Unternehmensstrategie verwehrten, wurden die Anteile aber bereits nach wenigen Monaten wieder verkauft.

Kommentare (4)

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Zork

04.12.2013, 15:39 Uhr

Irgendwohin müssen ja die jährlichen, zweistelligen Milliardenbeträge, die Polen dank EU-Strukturfonds erhält, investiert werden.

Thomas-Melber-Stuttgart

04.12.2013, 15:54 Uhr

Polen ist Netto-Empfänger von EU-Leistungen, in 2011 ca. 11 Mrd. EUR !!

scharfschuetz

04.12.2013, 16:04 Uhr

Und sicher wird Deutschland Polens Beteiligung bezahlen, z.B. aus KfW-Mitteln.

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