Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2013

19:49 Uhr

Betriebsrat irritiert

Opel will aus Flächentarifvertrag aussteigen

Die Chefetage des Autobauers will offenbar, dass die Arbeitnehmer nicht nur in Bochum, sondern auch an anderen Standorten auf Lohnerhöhungen verzichten. Erst dann soll mit den Gewerkschaften verhandelt werden.

Arbeiter im Opel-Werk Eisenach: „Dammbruch für die gesamte Metallindustrie“ dpa

Arbeiter im Opel-Werk Eisenach: „Dammbruch für die gesamte Metallindustrie“

Der Konflikt um den geplanten Sparkurs bei Opel verschärft sich. Der angeschlagene Autobauer fordert nach Angaben des Betriebsrats Bochum und der IG Metall vom Montag einen Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag. Als Voraussetzung für Verhandlungen verlange der Vorstand nicht nur in Bochum, sondern auch an den Standorten Rüsselsheim, Eisenach, Kaiserslautern und Dudenhofen den Verzicht auf Lohnerhöhungen, teilten der Betriebsrat und die Gewerkschaft in Bochum mit.

Damit steige Opel aus der Tarifstruktur der Automobil- und Elektroindustrie aus. "Das wird die IG Metall niemals akzeptieren. Es wäre ein Dammbruch für die gesamte Metallindustrie", erklärten die Arbeitnehmer-Vertreter. Bei Opel war zunächst keine Stellungnahme zu der Mitteilung erhältlich.

Die Sanierungspläne von Opel

Der „Deutschland-Plan“

Das Opel-Management hatte seine Absichten für das Werk Bochum bereits im Juni in einem „Deutschland-Plan“ skizziert, der die Grundlage der Sanierung des verlustreichen Herstellers sein soll. Die Eckpunkte haben sich seitdem kaum verändert. Hier die wichtigsten Bestandteile.


Werk in Bochum schließt

Mit dem Verlegung der aktuellen Generation des Familien-Vans Zafira nach Rüsselsheim endet die Fahrzeugproduktion im Traditionswerk Bochum Ende 2014. Erhalten wird nur ein Warenverteilzentrum.

Bessere Auslastung für andere Werke

Die übrigen Opel-Werke könnten durch die Produktion für andere Automarken, etwa die Schwester Chevrolet, besser ausgelastet werden.

Hoffnung auf Nischenmodelle

Nischenmodelle wie der Mini-SUV Mokka oder der Kleinwagen Adam sollen zusätzlichen Absatz bringen.

Neue Märkte erschließen

Über den Mutterkonzern General Motors will Opel wachsende Auslandsmärkte wie Russland oder die Türkei besser erschließen.

Sparen dank Kooperation

In der Zusammenarbeit mit dem Partner PSA Peugeot Citroën will GM für Opel Spareffekte nutzen, etwa in der Konstruktion oder womöglich sogar beim Bau von Fahrzeugen.

Die Opel-Mutter General Motors hatte vergangene Woche den Druck auf ihre angeschlagene Tochter Opel erhöht. Sollte bis Februar keine Einigung mit dem Betriebsrat und der IG Metall über ein neues Sparpaket erzielt sein, fühlt sich das Management nicht mehr an frühere Angebote gebunden. Die Fahrzeug-Produktion in der Fabrik in Bochum mit seinen knapp 3400 Beschäftigten würde dann bereits zum 1. Januar 2015 eingestellt. Bislang will GM die Produktion des Familienwagens Zafira dort 2016 auslaufen lassen.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Der US-Autoriese GM verhandelt bereits seit vergangenen Sommer über weitere Einschnitte bei Opel. Die schwierigen Gespräche laufen bislang nur schleppend. Parallel hat der US-Konzern ein Investitionsprogramm aufgelegt, um das Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall in die Gewinnzone zu führen. So sollen in den nächsten Jahren zahlreiche neue Modelle wie der kleine Geländewagen Mokka und der Stadtwagen Adam an den Start gehen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×