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05.06.2013

11:01 Uhr

Betriebsratschef im Interview

MAN könnte VW-Transporter bauen

ExklusivDer Lkw-Bauer MAN gehört zum Volkswagen-Reich und könnte schon bald davon profitieren. Das Unternehmen prüft, den VW-Lieferwagen Crafter in seinem polnischen Werk zu bauen. Bislang läuft der in Düsseldorf vom Band.

Volkswagen hält die Mehrheit am Lkw-Hersteller MAN. dpa

Volkswagen hält die Mehrheit am Lkw-Hersteller MAN.

HamburgDer Betriebsratschef von MAN, Jürgen Dorn, pocht unter dem Dach des Volkswagen-Konzerns auf eine starke Rolle für den Münchener Lastwagen- und Maschinenbauer. „Wir sind ein stolzes, traditionsreiches Unternehmen. Und das älteste Mitglied im Dax. Das geben wir nicht einfach auf“, sagte Dorn dem Handelsblatt. „Im VW-Konzern wollen wir eine wichtige Rolle spielen.“ So könnte bald der VW-Transporter Crafter in einem MAN-Werk vom Band laufen.

Im Kerngeschäft von MAN läuft es derzeit allerdings schlecht, die Werke sind nicht ausgelastet. In den ersten Monaten des Jahres musste Anders Nielsen, neuer Chef der Lkw- und Bus-Sparte, Kurzarbeit ansetzen. „Die Frage lautet: Ist unsere Werksstruktur noch richtig?“, so Dorn. Die Arbeitnehmervertreter haben klare Vorstellungen, wie die Antwort ausfällt. „Das Insourcing von Komponenten ist der richtige Ansatz“, sagte der Betriebsratschef. „Wir denken da konkret an Getriebe, Bremsscheiben oder Tankbehälter. Standortschließungen lehnen wir kategorisch ab.“

Die weltgrößten Lkw-Hersteller

1. Dongfeng

Die Dongfeng Motor Corporation ist ein chinesisches Großunternehmen im Lastkraftwagenbau, Busbau und Personenwagenbau sowie in der Entwicklung und Herstellung von Motoren und Fahrzeugkomponenten. Gleichzeitig ist das Unternehmen mit 300.100 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 10,3 Prozent im Jahr 2010 der weltgrößte Lkw-Hersteller gewesen.

2. Daimler Trucks

Daimler Trucks belegte mit 280.700 verkauften Einheiten und 9,7 Prozent Marktanteil im Jahr 2010 den zweiten Platz bei den weltgrößten Herstellern von Lkw mit einem Gewicht von mehr als sechs Tonnen.

3. First Automotive Works

First Automotive Works (FAW) ist der größte chinesische Hersteller von Dieselmotoren, Pkw sowie mittleren bis schweren Bussen und Lkw. FAW produziert an insgesamt 19 verschiedenen Standorten hauptsächlich im Nordosten von China. Außerdem hat FAW noch Fabriken in Russland und der Ukraine. FAW verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 274.300 Lkw und erreichte einen Marktanteil von 9,5 Prozent - Platz drei bei den weltgrößten Lkw-Herstellern.

China National Heavy Duty Truck

Das chinesische Staatsunternehmen China National Heavy Duty Truck kommt mit 199.900 verkauften Lkw auf einen Marktanteil von 6,9 Prozent im Jahr 2010.

5. Tata Motors

Tata Motors ist der größte Automobilhersteller in Indien und gehört mehrheitlich zur Tata Group. Das Unternehmen ist im Finanzindex BSE Sensex gelistet. Tata Motors ist mit 194.900 verkauften Lkw und einem Marktanteil von 6,7 Prozent der fünftgrößte Lkw-Hersteller der Welt.

6. MAN-Scania

MAN/Scania verkauften im Jahr 2010 zusammen 152.400 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) und belegen mit einem Marktanteil von 5,2 Prozent derzeit Rang sechs bei den weltgrößten Herstellern von Lastkraftwagen.

7. Volvo Global Trucks

Die Lkw-Sparte von Volvo verkaufte im Jahr 2010 insgesamt 125.800 Einheiten und belegt mit einem Marktanteil von 4,3 Prozent Platz sieben.

8. Torch

Der chinesische Hersteller Torch hat mit 113.200 verkauften Lkw im Jahr 2010 einen Marktanteil von 3,9 Prozent.

9. Beijing Automotive Industry

Die chinesische Beijing Automotive Industry kam im Jahr 2010 auf 109.400 verkaufte Einheiten und belegt damit Platz neun mit einem Marktanteil von 3,8 Prozent.

10. Ashok Leyland

Der indische Nutzfahrzeughersteller Ashok Leyland produziert Lkw, Omnibusse und Militärfahrzeuge. In der Rangliste der weltgrößten Lkw-Hersteller rangiert das Unternehmen auf Platz zehn. Im Jahr 2010 wurden 80.000 Lkw (schwerer als sechs Tonnen) verkauft, was einem Marktanteil von 2,8 Prozent entspricht.

Eigentlich müsste Truck-Chef Nielsen mindestens ein Werk schließen, doch ihm sind die Hände gebunden: Die Standortfrage ist bei MAN ein Politikum. Das Stammwerk in München ist tabu, das Bus-Werk Salzgitter in der VW-Heimat Niedersachsen ebenso. Als Ausweg zeichnet sich eine neue Nutzung der erst 2007 geöffneten Fabrik im polnischen Krakau ab. „Der Standort Deutschland hat im Vergleich zum Standort Polen viele Vorteile: Hier gibt es viel mehr Flexibilität durch Arbeitszeitkonten und das Instrument der Kurzarbeit, um Schwächephasen zu überbrücken“, sagte Dorn. Das Werk Krakau sei unter der Voraussetzung gebaut worden, von dort aus den russischen Markt zu bedienen. Das gelte heute nicht mehr. „Die Auslastung des Werks liegt deutlich unter damaligen Erwartungen“, so Dorn.

Nun zeichnet sich eine alternative Nutzung im VW-Reich ab. „Wir prüfen den Bau des neuen Crafter in Krakau“, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Die Nutzfahrzeugtochter VWN will den Nachfolger des mittelschweren Transporters Crafter selbst fertigen und nicht mehr beim Rivalen Mercedes-Benz im Werk Düsseldorf. Die Gemeinschaftsproduktion dort soll wohl 2016 auslaufen.

Dorn setzt auf eine Trendwende. „Mittel-und langfristig wächst der Transportbedarf in Europa. Damit wird die Nachfrage nach Lastwagen steigen“, sagte der MAN-Betriebsratschef. „Es wäre deshalb falsch, jetzt Produktionskapazitäten bei uns zu reduzieren. Die Durststrecke müssen wir überstehen.“

Auf Truck-Chef Anders Nielsen warten harte Verhandlungen. „Wenn Herr Nielsen nur das Ergebnis treiben will, dann hat er bei uns keine Zukunft“, sagte Dorn dem Handelsblatt. „Wir wollen ein gutes Ergebnis und die Sicherung der Beschäftigung.“

Von

mcs

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