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31.03.2006

14:03 Uhr

Betriebsratswahl

Angst um Arbeitsplatz stärkt IG Metall bei VW

Trotz der Affäre um Luxusreisen haben die VW-Beschäftigten dem neuen Betriebsratschef Bernd Osterloh den Rücken gestärkt. Die Furcht um den Arbeitsplatz lag der Belegschaft offenbar näher als der Drang, den Arbeitnehmervertretern die Quittung für vergangene Lustreisen auszustellen. Für die Sanierung von Europas größtem Autokonzern ist dies eine gute Nachricht.

Bernd Osterloh (links) geht gestärkt in die weiteren Verhandlungen mit VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Foto: dpa Quelle: dpa

Bernd Osterloh (links) geht gestärkt in die weiteren Verhandlungen mit VW-Chef Bernd Pischetsrieder. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Die Affäre um Sex-Parties und mögliche Untreue beim Volkswagenkonzern haben der IG Metall bei der Betriebsratswahl nicht geschadet: Die Gewerkschaft kam auf 88,85 Prozent der Stimmen nach 88,4 Prozent bei der Wahl vor vier Jahren. Die IG Metall stellt damit 227 von 248 Betriebsräten, wie der Gesamtbetriebsrat am Freitag mitteilte. Betriebsratschef Osterloh erklärte, die VW-Mitarbeiter wüssten zu unterscheiden zwischen der Arbeitnehmervertretung und „möglichen Verfehlungen einzelner“. Den Angaben zufolge kam die Christliche Gewerkschaft Metall auf 8 Sitze, sonstige Gruppen auf 13 Sitze. Die Wahlbeteiligung stieg um fast drei auf 80,6 Prozent.

Nach den Skandalen des vergangenen Jahres galt die Wahl als ein wichtiger Stimmungstest im Unternehmen: Branchenexperten gehen davon aus, dass die Wahl die Verhandlungen über eine Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW erleichtern werden. „Schwache Partner sind immer schlecht“, sagt Analyst Albrecht Denninghoff von der Münchener Großbank HVB mit Blick auf die Wahlen. Dies sei auch dem Management klar. Mit dem von Konzernchef Bernd Pischetsrieder im Februar angekündigten Sanierungsprogramms stellt Volkswagen 20 000 Arbeitsplätze in seinen westdeutschen Werken in Frage.

Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz wog offenbar schwerer als der Ärger über die Skandale. Die Arbeitnehmer treten in der Auseinandersetzung nun mit einem gestärkten Betriebsrat auf. Eine Schonfrist allerdings wird der alte und absehbar auch neue Betriebsratschef Osterloh nach der Wahl indes nicht genießen. Am 19. und 20. April bereits kommt der Aufsichtsrat bereits zu einer Sondersitzung zusammen, um neben der Zukunft von VW-Chef Bernd Pischetsrieder auch über das Sparprogramm zu beraten.

Osterloh erklärte, das Ergebnis der Betriebsratswahlen mache deutlich, dass die Affäre bei der Wahl keine Rolle gespielt habe. Er fügte hinzu, dass die nächsten Wochen keine leichte Zeit würden, da die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns verbessert werden müsse. Dazu führt der Betriebsrat Gespräche mit dem Vorstand. Die IG Metall sieht sich durch das gute Abschneiden bei den Betriebsratswahlen gestärkt. Bezirksleiter Hartmut Meine sagte, das Ergebnis „zeigt die hohe Anerkennung der Arbeit der IG Metall und ihrer Betriebsräte bei Volkswagen“.

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