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07.12.2012

18:46 Uhr

Betriebsversammlung

Aus für Opel-Werk Bochum 2016 wahrscheinlich

Die Zeit für das Opel-Werk in Bochum läuft offenbar ab. Am Montag soll die Belegschaft über die Zukunft des Werkes informiert werden. Als wahrscheinlich gilt eine Schließung 2016.

General Motors will das Opel-Werk in Bochum spätestens 2016 schließen. dpa

General Motors will das Opel-Werk in Bochum spätestens 2016 schließen.

HamburgNach jahrelangem Siechtum droht dem Bochumer Opel-Werk das Aus. Der Betriebsrat will die Belegschaft am Montag über die Pläne des Vorstands informieren. Bochums Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, das Management habe vor wenigen Tagen bekräftigt, dass in der Fabrik mit mehr als 3000 Mitarbeitern in der Ruhrgebietsstadt nach dem Auslaufen des aktuellen Familienwagens Zafira Ende 2016 kein neues Modell vom Band laufen solle.

„Damit ist spätestens 2016 Schluss für Bochum als Fahrzeugwerk.“ Opel kündigte die Teilnahme eines Vorstandsmitglieds an der Betriebsversammlung an, nannte aber keine Details zum Stand der Verhandlungen.

Das sind Opels Baustellen

Worum geht es bei den Verhandlungen zum Deutschland-Plan?

Generell geht es um die Frage, wie der kriselnde Hersteller mehr Autos verkaufen, Beschäftigung sichern und wieder Geld verdienen kann. Im Detail wird über neue Modelle, Motoren und Märkte, die Fertigung markenfremder Modelle wie Chevrolets in Opel-Werken sowie über Einsparungen gesprochen. Das Management will Produktionskosten senken, aber auch am Personal sparen. Nach aktuellen Stand sollen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 und damit zwei Jahre länger als bisher festgelegt ausgeschlossen werden.

Drohen Werkschließungen oder Massenentlassungen?

Jedenfalls nicht sofort. Das Management hatte angeboten, das Werk Bochum nicht wie ursprünglich angestrebt Anfang 2014 sondern erst mit dem Auslaufen der Zafira-Produktion zwei Jahre später zu schließen. Damit gewinnt der Standort Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Marktentwicklung bleibt erhalten.

Wie kann Opel ohne Werksschließungen auf Überkapazitäten reagieren?

Bei den Verhandlungen ging es auch um freiwillige Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen. So soll nach und nach sozialverträglich Beschäftigung abgebaut werden. Aktuell hat Opel nach Betriebsratsangaben noch etwa 38 000 Beschäftigte - nach der jüngsten Sanierung Ende 2010 waren es noch 40.000.

Welchen Sanierungsbeitrag könnten die Beschäftigten leisten?

Zunächst verzichten die Mitarbeiter erneut auf Lohn. Von November an wird die jüngste Metall-Tariferhöhung von 4,3 Prozent erneut gestundet. Falls es eine Einigung über die Zukunft der deutschen Opel-Werke gebe, könnten die erneut gestundeten Millionen auch „in einer Gesamtkonzeption aufgehen“, sagt der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Wie das aussehen könnte, ist unklar. Kommt keine Einigung zustande, zahlt Opel das gestundete Geld nachträglich aus.

Was bedeutet die Allianz mit PSA für die Opel-Beschäftigten?

Glaubt man dem Unternehmen, wird die Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën keine Jobs bei Opel kosten. Selbst wenn die Partner eines Tages Autos nicht nur gemeinsam entwickeln sondern auch bauen sollten, dürfe das nicht auf Kosten des anderen gehen, betont GM-Vize und GM-Europachef Stephen Girsky: Keine Seite werde ihre Probleme zulasten der anderen lösen. Bei Opel könnten zudem schon 2016 Chevrolets vom Band laufen, um die Überkapazitäten zu senken.

Fallen durch die Allianz in den Entwicklungszentren Stellen weg?

Zwar wollen GM und PSA zunächst vier Fahrzeugplattformen gemeinsam entwickeln. Weder Betriebsrat noch Unternehmen sehen aber Jobs im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefährdet. Vielmehr könnten die freigesetzten Kapazitäten genutzt werden, um wie versprochen die Entwicklung neuer Modelle voranzubringen.

Wie ernst ist die Lage von Opel?

Opel schreibt seit Jahren Verluste. Jetzt leidet der Hersteller zudem unter der aktuellen Absatzkrise in Europa. Im dritten Quartal schrieb GM in seinem Europageschäft einen Verlust von 500 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr wird ein Betriebsverlust von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar erwartet.

Die Opel-Mutter General-Motors hatte bereits im Juni angekündigt, Bochum eine Galgenfrist von vier Jahren zu geben. Im Gegenzug sollten bis dahin für alle Standorte der hohe Verluste schreibenden Tochter in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Seitdem laufen mit dem Betriebsrat Verhandlungen über die Auslastung der Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern.

Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte GM im Reuters-Interview jüngst zum Verzicht auf jede Werksschließungen aufgefordert. Ohne dies werde sich das angekratzte Ansehen der Marke mit dem Blitz nicht wiederherstellen lassen, sagte er. Schäfer-Klug hatte bis Mitte Dezember ein Verhandlungsergebnis gefordert. Die Belegschaft dürfe nicht mit der Angst um ihre Arbeitsplätze in die Weihnachtspause geschickt werden.

Die Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung dürften auch Thema des Opel-Aufsichtsrats sein, der sich laut Unternehmenskreisen am Donnerstag in Rüsselsheim treffen soll. Einem Insider zufolge tagt nächste Woche zudem der Verwaltungsrat von GM in Detroit. Dann könnten die Weichen für ein neues Sparpaket für Opel gestellt werden. Opel wollte sich nicht dazu äußern.

Der Traditionsautobauer leidet wie andere Massenhersteller massiv unter der Absatzkrise in Südeuropa und kann seine Werke kaum auslasten. Deshalb hatte Opel ab Anfang September mehr als 10.000 Beschäftigte tageweise in Zwangspause geschickt. Die Anmeldung galt zunächst bis Jahresende. Nun kündigte Opel an, die Bänder im Stammwerk Rüsselsheim auch im Januar an drei Tagen anzuhalten. In Bochum sei im Januar an zehn Tagen Kurzarbeit geplant.

Das jahrelange Ringen von Opel

2001

Der erfolglose Opel-Vorstandschef Robert Hendry muss das Handtuch werfen. Sein Nachfolger Carl-Peter Forster versucht, mit dem europaweit angelegten „Restrukturierungsprogramm Olympia“ die Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) wieder profitabel zu machen.

2004

GM legt im Oktober einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter vor, der den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen vorsieht - davon bis zu 10.000 in Deutschland. Die Arbeiter im Bochumer Werk legen aus Protest spontan die Arbeit nieder.

2005

Der Betriebsrat und das Opel-Management unterschreiben einen „Zukunftsvertrag“, der die Existenz der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern bis 2010 sichern soll.

2008

Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten bittet Opel als erster deutscher Autohersteller den Staat um Hilfe. Eine Bürgschaft von Bund und Ländern soll das Unternehmen stützen.

2009

Um nicht in den Strudel der GM-Insolvenz zu geraten, arbeitet Opel an einem Konzept zur Trennung von dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern. Zwei Tage vor der GM-Pleite am 1. Juni einigen sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept. Im November beschließt GM, Opel doch zu behalten.

2010

Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird Opel-Chef. Im Zuge seines Sanierungskurses macht Opel im Oktober das Werk im belgischen Antwerpen mit einst 2500 Beschäftigten dicht. Von den 48.000 Stellen in Europa werden insgesamt 8000 abgebaut.

2011

Der bisherige GM-Chefentwickler Karl-Friedrich Stracke löst Reilly ab, der Chef des GM-Europageschäfts wird. Im zweiten Quartal verzeichnet Opel erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn. Im dritten Quartal rutscht der Autobauer aber zurück in die roten Zahlen.

2012

Während GM in Nordamerika einen Rekordgewinn einfährt, verbucht der Konzern in Europa einen Verlust von mehreren hundert Millionen Euro. Das Europageschäft besteht überwiegend aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.12.2012, 18:54 Uhr

Wiedereinmal keine Unternehmensname im Header, es kann doch nicht so schwer sein dort einfach Opel davor zu schreiben.

Account gelöscht!

09.12.2012, 06:05 Uhr

Klar verschlechtert die Absatzkrise das ganze Bild, aber machen wir uns nichts vor, es wird schlicht und einfach zu teuer in West-Europa zu produzieren! Alle grossen Autobauer und deren Lieferanten investieren in neue in Osteuropa und in den heutigen Wachstumsmärkten! Die Schaeffler Gruppe, Deutschlands grösster Lieferant für die Autoindustrie produziert seit 1997 in Ungarn mit Erfolg und das Tocher-Unterhnemen INA betreibt in der slowakischen Region Kysuce (Kysucké) in Nove Mesto eine Fabrik, die für € 40.000.000 erweitert wurde.

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