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30.11.2016

14:34 Uhr

Betriebsversammlung in Wolfsburg

VW-Spitze erklärt Belegschaft „Zukunftspakt“

Es ist die größte Umwälzung bei VW seit langem. Der „Zukunftspakt“ soll Milliarden-Kürzungen und Milliarden-Ausgaben bei der Kernmarke ins Gleichgewicht bringen. Die Belegschaft verlangt Erklärungen.

Bei der VW-Betriebsversammlung geht es um Stellenstreichungen im Zuge des „Zukunftspakts“. dpa

Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg

Bei der VW-Betriebsversammlung geht es um Stellenstreichungen im Zuge des „Zukunftspakts“.

WolfsburgDie Führung von Volkswagen hat den „Zukunftspakt“ mit der Kappung Zehntausender Stellen in den nächsten Jahren vor der Belegschaft verteidigt. Konzernchef Matthias Müller, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) erläuterten am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk die massiven Kürzungen, die zugleich Mittel für E-Autos, neue Technologien und Dienstleistungen freisetzen sollen.

Müller sagte bei der nicht öffentlichen Veranstaltung, Ziel sei es, die Marke VW „effizienter, produktiver und wettbewerbsfähiger“ zu machen. Das anfangs zwischen Management und Betriebsrat umstrittene, über Monate verhandelte Konzept hatten beide Seiten vor zwei Wochen vorgelegt. Nun erfuhren etwa 20.000 Mitarbeiter weitere Einzelheiten.

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Osterloh versuchte, Sorgen bei den Beschäftigten zu mildern. „Der Zukunftspakt ist ein wichtiges Signal für den Standort Deutschland und für die Zukunft unserer Werke“, sagte er laut Redemanuskript. Das Programm enthalte vor allem wichtige Schritte zum Ausbau der Elektromobilität: „Wir haben die Produktion von zwei Elektrofahrzeugen in die deutschen Werke geholt. Und der erste rein elektrische SUV der Marke Volkswagen kommt ab 2020 aus Wolfsburg.“

Der Pakt sieht unter anderem vor, dass bis zum Jahr 2025 an den deutschen VW-Standorten bis zu 23.000 und weltweit bis zu 30.000 Jobs wegfallen. Der Autobauer will dies ohne betriebsbedingte Kündigungen schaffen – etwa über eine stärkere Nutzung von Altersteilzeit.

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Der Betriebsratschef forderte, erste Beschäftigte sollten schon nach dem Jahreswechsel „Angebote bekommen, wie und wann sie in die Altersteilzeit gehen können“. Personalvorstand Karlheinz Blessing warb um Verständnis für den Jobabbau, der gleichzeitig Perspektiven in neuen Feldern schaffe: „Nutzen Sie Qualifizierungsangebote.“ Zur Altersteilzeit seien ersten Mitarbeitergespräche im Januar geplant. Viele Leiharbeitnehmer müssen allerdings gehen.

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Parallel dazu will VW viel Geld in die Elektromobilität und den Ausbau neuer Dienstleistungen stecken. Es werden zudem 9000 Stellen geschaffen, so dass sich der Netto-Abbau in Deutschland unterm Strich auf 14.000 Arbeitsplätze verringert. Der „Zukunftspakt“ gilt als finanzieller Balanceakt, weil ungeachtet der hohen Investitionen auch die weitere Bewältigung des Diesel-Skandals Milliardensummen bindet.

Der genaue Umfang der Kürzungen ist noch unklar, ebenso die genaue Verteilung auf die Standorte. Osterloh meinte mit Blick auf E-Autos und Batterietechnik, es gebe inzwischen jedoch einen „konkreten Plan, wo in Deutschland entwickelt und gefertigt werden soll“.

Von

dpa

Kommentare (1)

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30.11.2016, 15:13 Uhr

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