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21.05.2012

12:10 Uhr

Betriebsversammlung

Opel verweigert Bochumer Mitarbeitern Perspektive

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatten vor der Betriebsversammlung Klarheit über die Zukunft des Werks gefordert. Doch die haben sie nicht bekommen.

Zittern um Opel-Werk in Bochum

Video: Zittern um Opel-Werk in Bochum

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BochumDie Opel-Beschäftigten in Bochum müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gab den Arbeitnehmern am Montag auf einer Betriebsversammlung nicht die ersehnte Zusicherung, dass die Fabrik in der strukturschwachen Ruhrgebietsstadt erhalten bleibt. "Wir wollen in die Gewinnzone kommen", bekräftigte der Chef des verlustreichen Autobauers. Über die Zukunft der europäischen Werke soll der Aufsichtsrat am 28. Juni entscheiden. Bis dahin will das Opel-Management mit den Arbeitnehmern weitere Einsparungen aushandeln, um die GM -Tochter profitabel zu machen.

Stracke bestritt, dass es Pläne gebe, die Produktion des Kompakt-Vans Zafira aus Bochum ins Stammwerk nach Rüsselsheim zu verlagern. "Ich habe Rüsselsheim nicht den Zafira aus Bochum angeboten." Nach der Entscheidung, den Kompaktwagen Astra künftig nur noch in Ellesmere Port in Großbritannien und Gleiwitz in Polen bauen zu lassen, hatten Spekulationen über eine Verlagerung der Astra-Fertigung nach Rüsselsheim Auftrieb erhalten. Stracke bekräftigte, Opel werde sich an den Standortsicherungsvertrag für halten, der betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bis Ende 2014 ausschließt.

Ein Opel-Mitarbeiter vor der Betriebsversammlung im Werk Bochum. dapd

Ein Opel-Mitarbeiter vor der Betriebsversammlung im Werk Bochum.

Der Betriebsratschef des Bochumer Werks, Rainer Einenkel, betonte die Kampfbereitschaft der Belegschaft. Die Arbeitnehmer seien zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit. "Wir zahlen keinen Cent für unsere Beerdigung." Die Entscheidung, die Produktion des Kompaktwagens Astra ins Ausland zu verlagern, sei verhängnisvoll. „Das werden Sie bei den Verkaufszahlen in Deutschland merken“, sagte er zu Stracke. Bochum habe nach den offiziellen Werkszahlen den höchsten Qualitätsstandard und derzeit auch die beste Produktivität im Verbund. Trotzdem werde der Standort schlecht geredet. „Das ist schmutzig“, sagte Einenkel.

Der Betriebsrat verlange einen Unternehmensplan, der allen Werken eine Perspektive gebe. Falls Opel die Schließung des Standorts ankündigen sollte, "brennt zehn Minuten später die Ruhr", sagte Opel-Mitarbeiter Carsten Adametz. "Wir sind schließungsresistent."

Die Opel-Führung spiele die Belegschaften der Werke gegeneinander aus, kritisierte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel vor der Betriebsversammlung. So habe das Management schon im Januar dem Stammwerk Rüsselsheim die Bochumer Produktion des Familienvans Zafira angeboten und als Gegenleistung dafür Zugeständnisse wie Lohneinbußen gefordert.

Der Bochumer Betriebsrat wirft dem Opel-Management vor, heimlich Vorkehrungen für eine Verlagerung der Produktion des Kompakt-Vans Zafira von Bochum ins Stammwerk Rüsselsheim zu treffen. Das Vorhaben würde wahrscheinlich das Aus für Bochum im Jahr 2015 bedeuten.

Die Belegschaft machte auch am Montag ihrem Ärger Luft. Der langjährige Opel-Beschäftigte Reinhard Ostermann (59) sagte: „Ich bin stinksauer. Das ist dieselbe Hängepartie wie seit zehn Jahren.“ Bochum werde ständig gegen andere Werke ausgespielt. „Die hundertste Beschwichtigung ist eine zu viel“, sagte Gabi Gärtner, Ehefrau und Schwester von Opel-Beschäftigten. Das Familienleben leide unter dem ständigen Bangen um den Job. „Das ist eine Atmosphäre, an der man kaputt geht.“ Die Bochumer Beschäftigten sollten sich an ihre eigene Kraft erinnern, meinte sie. 2004 habe das Werk schon einmal erfolgreich gestreikt.

Kommentare (10)

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hanswurst

21.05.2012, 10:30 Uhr

Jaja, dann brennt die Ruhr, ja klar. Arbeiterhände zur Faust geballt, alle Räder stehen still wenn mein starker Meniskus es will. Bla, bla, bla... Aufgrund solch selten dämlicher Sprüche zeigt sich wie wenig Funktionäre, Verwaltungshengste und die verbundene Politkaste schnallt, dass wir längst im 21 Jhrdt. angekommen sind. Jeder Investor der das liest und den gesamten ritualisierten Affenzirkus mit Folkloreveranstaltung sieht, wird sich dreimal überlegen ob er im Ruhrgebiet investiert. Meine vorsichtige Vermutung - eher nicht. Aber egal, erst mal ein paar Förderprogramme zur Bewältigung des Strukturwandels auflegen - auf Pump natürlich; is doch klar !

Jens

21.05.2012, 10:42 Uhr

Jens:

GM ist gerade in Macherlaune! Den Obrigkeiten in Detroit kommen die Spielchen gerade recht. Dann wird das Werk Bochum einfach betriebsbedingt zu gemacht und den Mitarbeitern angeboten in ein anderes GM-Werk zu wechseln oder das Unternhehmen zu verlassen. Bis Ende 2014 sind es doch noch gut 2,5 Jahre, wo liegt das Problem?

IGM

21.05.2012, 12:21 Uhr

Klar Frau Kraft. Sie werden an der Seite der Opelaner kämpfen..... und bestellen für die NRW Polizei VW Passat. Danke. Next point.

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