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15.04.2013

15:32 Uhr

Betrugsvorwurf

Wird der Porsche-Prozess eingestellt?

Wendung im Wirtschaftskrimi um Porsches früheren Finanzchef Holger Härter: Weil sich der zuständige Oberstaatsanwalt öffentlich über das Verfahren ausgelassen haben soll, hat die Verteidigung die Einstellung beantragt.

Holger Härter soll als Finanzvorstand von Porsche eine Bank bei der Übernahmeschlacht mit VW falsch informiert haben. dpa

Holger Härter soll als Finanzvorstand von Porsche eine Bank bei der Übernahmeschlacht mit VW falsch informiert haben.

StuttgartEr spricht von Hochkriminellen und Managern, die anderer Leute Geld verbraten: Ausgerechnet der zuständige Oberstaatsanwalt soll in einem Interview über den langwierigen Kreditbetrugsprozess um Porsches früheren Finanzchef Holger Härter gelästert haben. So zumindest sieht es die Verteidigung des ehemaligen Topmanagers – und beantragte am Montag die Einstellung des Verfahrens vor dem Landgericht Stuttgart.

Hintergrund ist ein Zeitungsartikel, in dem der zuständige Oberstaatsanwalt Hans Richter sich nach Ansicht von Härters Anwältin wertend über den 56-Jährigen und den laufenden Prozess geäußert hat. Ende März wurde Richter in der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert, er sehe es als Niederlage, „wenn Hochkriminelle mit Bewährungsstrafen davonkommen“. Härter soll 2009 eine Bank bei der Übernahmeschlacht mit VW falsch informiert haben. Die Pläne scheiterten damals an Geldproblemen.

Richter wird in dem Artikel zitiert: „Porsche, das könnte man angesichts der Beinahepleite wohl auch unter Insolvenzkriminalität ansiedeln.“ Härters Anwältin Anne Wehnert sieht in der Aussagen den Versuch, das Verfahren zu beeinflussen. Der Chef der Anklagebehörde hatte in dem Interview unter anderem zu Protokoll gegeben, auch mächtige Manager zu verfolgen, „wenn sie das Geld anderer Leute verbraten“.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Die Staatsanwaltschaft wirft Härter und einem Mitangeklagten vor, die Bank BNP Paribas bewusst hinters Licht geführt zu haben. Die Bank war mit 500 Millionen Euro an der Anschlussfinanzierung eines dringend benötigten 10-Milliarden-Euro-Kredits beteiligt, der im Frühling 2009 von einem Bankenkonsortium fließen sollte. Damals tobte die heiße Phase der Übernahmeschlacht zwischen der Porsche-Dachgesellschaft und Volkswagen. Härter und sein Manager sollen unter anderem ihren künftigen Geldbedarf für das Aufstocken der VW-Beteiligung zu niedrig angegeben haben. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.

Verteidigerin Anne Wehnert sagte am Montag vor Gericht, die Aussagen des Oberstaatsanwalts in der Zeitung seien „der bislang in der deutschen Rechtsgeschichte eklatanteste Fall der Herabwürdigung“ eines Angeklagten. Das Interview diene „offensichtlich der persönlichen Profilierung und der Verfahrenssteuerung“.

Welche Autostandorte kostengünstig produzieren

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktionskosten der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

England

Obwohl Großbritannien als Vorreiter für liberalisierte Arbeitsmärkte gilt, werden die Produktionskosten in keinem europäischen Land schlechter bewertet. Nur fünf Prozent halten die Briten in dieser Kategorie für sehr wettbewerbsfähig, immerhin 13 Prozent noch für eher wettbewerbsfähig. Das sind 21 Prozentpunkte weniger als noch 2011.

Platz 17

Italien

Ähnlich schlecht schneiden die Italiener ab. In der Heimat von Ferrari und Fiat kreist der Sparhammer. Nur fünf Prozent halten das Land in punkto Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 13 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Frankreich

Auch die Franzosen produzieren nach Ansicht der befragten Unternehmen zu teuer. Mittlerweile halten nur noch fünf Prozent das Land in Sachen Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, 15Prozent halten die Franzosen für eher wettbewerbsfähig. Das sind insgesamt 19 Prozentpunkte weniger als 2011.

Platz 15

Schweden

Traditionell gehören die Lohnnebenkosten und Steuern in Schweden zu den höchsten in Europa. Das beschert den Skandinaviern einen schlechten Platz im Kostenranking. Sechs Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 16 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 14

Spanien

Spanien steckt in einer der größten Wirtschaftskrisen seiner jüngeren Geschichte. Trotzdem produziert die Autoindustrie des Landes noch zu teuer, meinen die befragten Unternehmen. Vier Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

USA

Die große Konsolidierungswelle ist über die USA hinweggefegt. Doch bei den Produktionskosten kann sich das Land damit immer noch keinen Spitzenplatz sichern. Für fünf Prozent sind die Amerikaner in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 23 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

Japan

Die Heimat von Toyota, Suzuki und Honda gilt als Geburtsstätte der effizienten Produktion. In zwei Jahren hat das Land in punkto Produktionskosten aber an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Sechs Prozent halten Japan für sehr wettbewerbsfähig, 22 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Deutschland

Während die Deutschen bei Qualität, Produktivität und Innovation den Spitzenplatz belegen, schneiden sie bei den Produktionskosten nur mittelmäßig ab. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 21 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland

Ein gemischtes Bild hinterlassen die Russen im Kostenranking. Obwohl nur drei Prozent das Land für sehr wettbewerbsfähig halten, bewerten immerhin 34 Prozent die Russen als eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Türkei

Als Billigstandort der Automobilindustrie hat sich die Türkei etabliert. Allzu groß scheinen die Kostenvorteile allerdings nicht zu sein. Nur fünf Prozent bewerten das Land als sehr wettbewerbsfähig, immerhin 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Südkorea

Unter den führenden Autonationen belegen die Südkoreaner einen der oberen Ränge. Auch bei den Kosten reicht es immerhin für die Top Ten. Für acht Prozent aller befragten Automobilunternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 37 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Brasilien

Für die Autokonzerne gilt das Land als Schlüssel zum südamerikanischen Kontinent. Insbesondere die strengen Importbestimmungen des Landes machen den Herstellern das Leben schwer. In punkto Kosten bewerten sechs Prozent das Land als sehr wettbewerbsfähig, 45 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Polen

Unter den günstigsten europäischen Standorten eröffnen die Polen die Spitzengruppe. Sieben Prozent halten das Land bei den Produktionskosten für sehr wettbewerbsfähig, satte 49 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

Ungarn

Audi, Daimler und Suzuki haben ihre Werke in Ungarn nicht ohne Grund ausgebaut. Satte 11 Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 46 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

Slowakei

Ähnlich gut sieht die Kostenstatistik der Slowaken aus. Für zehn Prozent ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 51 eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Tschechien

Das einzige europäische Land auf dem Treppchen und damit Kostenführer in Europa ist Tschechien. Acht Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 54 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Indien

Unangefochten führend sind allerdings die wichtigsten Absatzmärkte. Für 34 Prozent aller befragten  Automobilunternehmen ist Indien in punkto Produktionskosten sehr wettbewerbsfähig, für 35 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

China

Mittlerweile wird jedes dritte Auto von Volkswagen in China produziert. Nicht ohne Grund. Kein Land der Welt wird von den Herstellern in punkto Kosten besser bewertet. Für 40 Prozent sind die Chinesen sehr wettbewerbsfähig, für 31 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Die Staatsanwaltschaft hält dagegen: Die Zitate bezögen sich nicht auf das laufende Verfahren, betonte ein Ankläger aus Richters Team vor Gericht. In dem Interview sei es vielmehr um Wirtschaftsstrafrecht im Allgemeinem gegangen. Die Kammer selbst traf am Montag noch keine Entscheidung: Der Vorsitzende Richter kündigte an, die Argumente zu prüfen.

Von

dpa

Kommentare (2)

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schmiermichl

15.04.2013, 15:45 Uhr

rotwelsch - die gaunersprache - soll es sein ,wie sich unsre management eliten verständigen

da hat der oberstaatsanwalt richter mal wieder ins schwarze getroffen

spitze auch ,wie porsche mit sonderpreisen den korrupten östreichischen finanzminister karl-heinz grasser bestochen hat

wen alles bestechen die verantwortlichen aus zuffenhausen in deutschland

Deepwater

15.04.2013, 17:19 Uhr

Nein "Schmiermichl" hier irren Sie. Ich habe das Interview damals selbst gelesen und mich gleich gefragt, ob der Oberstaatsanwalt damit nicht eigentlich befangen ist. Denn er hat sich offen als "Alt-68er" geoutet und es war klar erkennbar, dass seine Objektivität aufgrund seiner politischen Überzeugung zumindest gefährdet ist. Ein genereller Belastungseifer gegenüber Managern war klar erkennbar. Das ist für die angeblich "objektivste Behörde der Welt" nicht tragbar.

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