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27.01.2009

18:10 Uhr

Better Place

Visionär Agassi schielt auf deutschen Automarkt

VonCarsten Herz

Elektroauto-Pionier Better Place fasst trotz der weltweiten Autokrise einen Markteinstieg in Deutschland noch 2009 ins Auge. "Wir werden in diesem Jahr auf jeden Fall zu einer Entscheidung kommen, ob und wann Better Place in Deutschland starten wird", sagte der zuständige Projektleiter für Deutschland und das übrige Europageschäft, Rolf Schumann. "Ich sehe gute Chancen für einen Start."

Shai Agassis Start-up Better Place will Autos ähnlich wie Handys vermarkten. dpa dpa

Shai Agassis Start-up Better Place will Autos ähnlich wie Handys vermarkten. dpa

FRANKFURT. Das vom Ex-SAP-Manager Shai Agassi gegründete Start-up spricht von sehr interessanten Gesprächen sowohl mit der Politik als auch mit Branchenvertretern. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller bot Better Place bereits an, Kontakte mit Stromversorgern und anderen Entscheidern der Wirtschaft zu vermitteln. Laut Schumann gibt es positive Signale dafür, dass Better Place in Deutschland bald mit dem Aufbau eines massenmarktfähigen Netzes von Lade- und Wechselstationen für Elektroautos beginnen kann.

Das vor zwei Jahren gegründete Unternehmen aus Kalifornien arbeitet an einer flächendeckenden Infrastruktur zum Betrieb von Elektroautos. Better Place will auch in den großen westeuropäischen Industrieländer Fuß fassen. Die Firma hat den französisch-japanischen Autokonzern Renault-Nissan als Kooperationspartner gewonnen und betreibt mit örtlichen Versorgern bereits den Aufbau von Netzen in Israel, Dänemark, Australien, Kalifornien, Hawaii und Ontario. Schon ab 2011 sollen in diesen Ländern die ersten Stromautos rollen.

Auch mit den deutschen Autoherstellern sei Better Place weiter im Gespräch, betonte Schumann. "Wenn wir in Deutschland starten, dann wird es ein flächendeckendes Netz werden." Das Unternehmen drückt damit deutlich aufs Tempo. "Insgesamt gehen wir davon aus, dass sich in naher Zukunft Better Place auch in weiteren europäischen Ländern finden wird."

Die großen deutschen Autohersteller wie Daimler, BMW und VW müssen sich damit auf ihrem Heimatmarkt auf eine neue Konkurrenz bei stromgetriebenen Fahrzeugen einstellen. Die Autobauer wollen dieses Jahr erste Praxistests mit E-Mobilen in Berlin starten und peilen teilweise bereits ab 2010 Serienmodelle mit Elektroantrieb an.

Daimler hatte erst Mitte Dezember zusammen mit dem Industriekonzern Evonik angekündigt, in den Markt für Hochleistungsbatterien für Elektroautos einzusteigen und gemeinsam Lithium-Ionen-Akkus zu entwickeln und zu fertigen. Der rivalisierende VW-Konzern ist bereits mit dem japanischen Batteriehersteller Sanyo eine Akku-Partnerschaft eingegangen. Better Place sieht sich jedoch nicht als Konkurrenz für die Hersteller, sondern als Infrastrukturbetreiber für nachhaltige Mobilität. Der Kunde kaufe bei Better Place Kilometer und kein Auto, betonte Schumann.

Das Start-up will dabei Autos ähnlich wie Handys vermarkten und setzt auf die Trennung von Auto und Batterie. Die Kunden sollen Leistungspakete erwerben können, bei denen die Nutzer jeweils nach Verbrauch zur Kasse gebeten werden und die Autos-Akkus an einem Netz von Lade- und Batteriewechselstationen bei längeren Fahrten ausgetauscht werden. Vorteil: Die stundenlangen Wartezeiten für das Aufladen der Batterien verkürzen sich drastisch. Nachteil: Das System funktioniert in großem Stil nur, wenn Batterien und Fahrzeuge weitgehend standardisiert sind.

In der Branche gilt das Konzept als umstritten. Ingenieure sind skeptisch, ob es gelingen kann, den Strombedarf eines Sportwagens und eines Kleinwagens mit der gleichen Batterie zu befriedigen. Experten zweifeln zudem, dass sich Hersteller und Stromkonzerne Teile des Geschäfts von einem Intermediär wie Better Place wegschnappen lassen werden.

Schumann räumt Widerstände in der Autoindustrie ein. "Die Batterie wird als primäres Differenzierungsmerkmal der künftigen Elektrofahrzeuge angesehen und so sehen viele Hersteller in uns zunächst einen Wettbewerber", sagte er. Aber das sei "ein altes Denken, das den alten Strukturen" verhaftet sei. "Wir sind sicher, dass auch die Autobatterie langfristig nicht ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal für die Hersteller sein wird, sondern lediglich der intelligente Einsatz der Stromquelle."

Für die Branche geht es um einen wichtigen Zukunftsmarkt. Experten schätzen, dass es 2015 neben weltweit 290 Mio. Fahrzeugen mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren bereits rund 10 Mio. Elektroautos geben werde. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.

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