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15.08.2012

17:40 Uhr

Bewusste Irreführung

Pharmabranche kontert Vorwurf zu Scheininnovationen 

VonMaike Telgheder

ExklusivDie frühe Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln sorgt weiter für Zündstoff. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen wehrt sich massiv gegen die Kritik der Krankenkassen.

Um die Nutzenbewertung neu eingeführter Medikamente ist ein Streit entbrannt. dpa

Um die Nutzenbewertung neu eingeführter Medikamente ist ein Streit entbrannt.

DüsseldorfMit heftiger Kritik hat der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (VFA) auf die Äußerungen des Vizechefs des Krankenkassenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, reagiert, dass viele der neu eingeführten Präparate nur Scheininnovationen, also Medikamente ohne Zusatznutzen, seien. „Das ist keine valide Beurteilung sondern eine bewusste Irreführung“, sagte VFA-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer dem Handelsblatt.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen hatte am gestrigen Mittwoch in einem Interview mit dem Handelsblatt eine Zwischenbilanz zum 2011 eingeführten System der frühen Nutzenbewertung von neuen Arzneimitteln gezogen. Als Beleg für die Aussage, viele Präparate seien Scheininnovationen, führt Stackelberg an, dass der für die Bewertung zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bei insgesamt acht Präparaten keinen zusätzlichen Nutzen erkennen konnte.

„Herr von Stackelberg tut so, als sei das Urteil ,kein Zusatznutzen’ stets durch wissenschaftliche Prüfung zustande gekommen. Das ist es jedoch nicht“, kontert Vfa-Geschäftsführerin Fischer. Bewusst verschwiegen werde, dass das Urteil in  sechs von acht Fällen aus rein formalen Gründen und ohne inhaltliche Prüfung ausgesprochen worden sei.So hätten sich Pharmahersteller und der G-BA nicht auf die angemessene Vergleichstherapie einigen können, anhand der der Nutzen der neuen Medikamente bewertet werden soll. „Es ist also in Wirklichkeit noch gar nicht untersucht, ob die Präparate einen Zusatznutzen haben oder nicht“, so Fischer.

Die frühe Nutzenbewertung sorgt seit der Einführung Anfang 2011 für Zündstoff. Ziel ist es, die Medikamentenkosten zu senken. Konnten Pharmafirmen früher die Preise für neue Präparate selbst bestimmen, wird er nun gemäß des Zusatznutzens gegenüber der Standardtherapie festgelegt. 31 Medikamente sind bislang zur Bewertung eingereicht worden.

Kommentare (3)

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lorenziffezheim

15.08.2012, 19:13 Uhr

... die OPharmafirmen arbeiten bei den Zulassungsverfahren mit allerlei Tricks.Z.B. Testreihen die diverse negative Ergebnisse hatten,wurden einfach "vergessen"...! Nur die guten Testergebnisse wurden gezeigt.Es gab ja in den letzten jahren zahlreiche Skandale,nach diesen mußten die betroffenen Pharmafirmen die Medikamente vom Markt nehmen ...!Die Pharmamanager interesieren sich wenig für die Patienten,die ihre Produkte benutzen,sondern für ihre Aktionäre gemäß der Share Holder value Theorie..!Somit ist klar,worum es geht!

pationed

15.08.2012, 20:19 Uhr

Das Wort Innovation impliziert auch die Tür zum Schein hin.
Es geht nichtzuletzt auch um Patente, resp. den Umgang mit ablaufenden Patenten.
Und dass Firmen in Übersee lieber Strafgelder zahlen, als sich den sauber durchorganisierten Markt in good old germany durcheinander bringen zu lassen: nur zu verständlich.

Verständlich allerdings auch, das Krankenkassen sich dagegen wehren die hohen Ambitionen von CEO's finanzieren per Gesetz zu müssen.

naja

15.08.2012, 20:34 Uhr

Mit weiteren Regulierungen werden pharmazeutische Neuentwicklungen ggf auch zusätzlich weiter behindert.
Da wären differenzierte Prüfverfahren in der Tat ein Desiderat.

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