Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.08.2012

13:58 Uhr

BHP Billiton

Flaute erwischt weltgrößten Rohstoff-Konzern

Die schwache Konjunktur drückt die Rohstoffpreise. Das beschert dem Bergbau-Giganten BHP Billiton einen Gewinnrückgang um ein Drittel. Nun legt der Konzern den Ausbau von Minenprojekten in Milliardenhöhe auf Eis.

Wenige Bergbau-Riesen kontrollieren das Milliardengeschäft mit Rohstoffen. Doch nun stoppen Konzerne wie BHP Billiton ihre Ausbauprojekte. AFP

Wenige Bergbau-Riesen kontrollieren das Milliardengeschäft mit Rohstoffen. Doch nun stoppen Konzerne wie BHP Billiton ihre Ausbauprojekte.

Melbourne/DüsseldorfDer Bergbaukonzern BHP Billiton hat wegen des ausgebremsten Wirtschaftswachstums in China einen Gewinneinbruch erlitten. Zudem stoppt der Minenkonzern im kommenden Geschäftsjahr 2013 Großprojekte im Gesamtvolumen von 68 Milliarden Dollar. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende Juni sei der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 15,4 Milliarden Dollar abgesackt, teilte der weltgrößte Minenbetreiber am Mittwoch mit.

Höhere Kosten und niedrigere Rohstoffpreise ließen das Jahresergebnis erstmals seit drei Jahren zurückgehen. Mit Blick auf das schwierige Marktumfeld verschob der Bergbauriese seine geplante 20 Milliarden Dollar schwere Expansion der Kupfer- und Uranabbaustätte Olympic Dam.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Im zweiten Geschäftshalbjahr bis Ende Juni brach der BHP Gewinn um 58 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar ein. Die abgeschwächte Nachfrage in China bekam der australisch-britische Konzern vor allem in seinem größten Geschäftszweig Eisenerz zu spüren. Das Material kommt vor allem bei der Stahlproduktion zum Einsatz.

Der Bauboom und der Aufbau der Infrastruktur im Reich der Mitte trieben über Jahre den Bedarf an Eisenerz, Nickel oder Zink sowie an Energieträgern wie Kohle und Öl. Konzerne wie Experten hatten mit einer anhaltenden Nachfrage und damit dauerhaft steigenden Rohstoffpreisen gerechnet.

Jetzt steuert BHP Billiton gegen den sich abzeichnenden Abschwung. Geplant sei nun eine weniger kapitalintensive Alternative zu finden, um den Tiefabbau beim Bergbaukomplex Olympic Dam zu ersetzen, sagte BHP-Chef Marius Kloppers. Der Konzern rechnet damit, dass sich die Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten auch in nächster Zeit fortsetzen. Die bereits bewilligten Ausgaben im Wert von 22 Milliarden Dollar für laufende Vorhaben würden ohne Änderungen investiert.

BHP müsse einen frischen Blick auf den Ausbau von Olympic Dam werfen, sagte Firmenchef Marius Kloppers. "Es hat eine Reihe von Veränderungen gegeben, aber das Wichtigste ist, dass die Kosten nach oben gegangen sind, was ein branchenübergreifendes Phänomen ist." Angesichts des Rückgangs der Kupferpreise um 25 Prozent erscheinen die Investitionen derzeit unwirtschaftlich. Eine Entscheidung, wie es mit Olympic Dam weitergeht, soll Mitte Dezember fallen.

Der weltgrößte Eisenerz-Produzent, der brasilianische Rivale Vale, hatte im vergangenen Monat sein schlechtestes Ergebnis seit zwei Jahren vorgelegt. Auch das drittgrößte Bergbau-Unternehmen der Welt, Rio Tinto, erlitt im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang um 22 Prozent. Einen Gewinnrückgang erlitt auch der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata. Der Nettogewinn der Schweizer sank auf 1,9 Milliarden Dollar – eine Milliarde weniger als im Vorjahr.

Die wichtigsten Eisenerz-Lieferanten

Rang 10

Iran

Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.

Rang 9

Kanada

Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.

Rang 8

USA

Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.

Rang 7

Südafrika

Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.

Rang 6

Ukraine

Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.

Rang 5

Russland

Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.

Rang 4

Indien

Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.

Rang 3

Brasilien

Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.

Rang 2

Australien

Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.

Rang 1

China

Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.

Quelle: US Geological Survey

Die Aktien von BHP Billiton fielen im Londoner Handel zeitweilig um 1,6 Prozent. „Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen“, sagt Analyst Hayden Bairstow von der Investmentbank CLSA. „Die Absage des Olympic Dam-Projektes ist wohl eine gute Nachricht, da der Markt etwas Derartiges erwartet hat.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Vielfahrerin

22.08.2012, 10:23 Uhr

So anständig wie es sich anhört, dass der Chef auf seinen Bonus verzichtet. Ich halte es auch für richtig. Das hätte ich mir bei sämtlichen Bänkern auch gewünscht.
Wie kann es aber sein, dass ihm überhaupt ein Bonus zusteht? Wenn die Chefetage unabhängig vom Erfolg des Unternehmens einen Bonus erhält, müsste man es dann nicht ehrlicherweise Grundgehalt mit Sonderzahlungszeitpunkt nennen?

Krullemuk

22.08.2012, 15:33 Uhr

Wieviel Milliarden $ Gewinn machen die noch ????
Und dann wird rumgejammert, was das doch für miese Zeiten sind. Da gibts nur eines: Die Shareholder fett verwöhnen und gleichzeitig kräftig Personal abbauen. Wenn noch was übrig ist kann man dann auch gleich die Managementgehälter exorbitant erhöhen -- Funktioniert doch bestens.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×