Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2010

09:32 Uhr

Bierbrauer

Heineken kauft für Milliarden in Mexiko zu

VonIngo Reich

Milliardenschwere Expansion: Der niederländische Bierbrauer Heineken baut sein Geschäft auf dem Biermarkt Mexiko aus. Wie der Konzern am Montag mitteilte, will er das Biergeschäft von Femsa übernehmen.

Heineken ist auf Einkaufstour in Mexiko. Quelle: Reuters

Heineken ist auf Einkaufstour in Mexiko.

DÜSSELDORF. Die größten Wachstumschancen auf dem weltweiten Biermarkt finden Braukonzerne nach wie vor in den Schwellenländern Süd- und Mittelamerikas. Diese Erkenntnis hat der niederländische Brauriese Heineken beherzigt und gestern dem mexikanischen Getränkekonzern Femsa ein verbindliches Übernahmeangebot für dessen Biersparte unterbreitet.

Mit dem Kauf im Wert von 3,8 Mrd. Euro sichert sich die mit einem Jahresumsatz von 14,3 Mrd. Euro Nummer drei auf dem Weltbiermarkt nicht nur eine starke Marktstellung in Mexiko, sondern auch in Brasilien, wo in vier Jahren die Fußballweltmeisterschaft stattfindet. Die Übernahme werde über einen reinen Aktientausch umgesetzt und solle im zweiten Quartal abgeschlossen sein, teilte Heineken mit.

Zusammen mit Schulden und Verpflichtungen für die Altersvorsorge hat der Kauf ein Volumen von 5,3 Mrd. Euro. Femsa erhält dem Angebot zufolge neben einer Beteiligung von etwa 20 Prozent an Heineken auch zwei Sitze im Aufsichtsrat. Die bisherige Mehrheit der Heineken-Familienholding, die 50,005 Prozent der Aktien hält, werde allerdings nicht angetastet, wie Heinekens Finanzchef René Hooft Graafland versicherte.

Andere Bieter sprangen ab

Das Volumen von 5,3 Mrd. Euro für Femsa erreicht nicht ganz die Vorstellungen, die die Mexikaner ursprünglich über die Höhe des Kaufpreises entwickelt hatten. Die Niederländer zahlen demnach nur das Zehnfache des letzten Femsa-Bruttoergebnisses (Ebitda). Medienberichten zufolge forderte das Femsa-Management zunächst mit rund neun Mrd. Dollar (6,2 Mrd. Euro) das derzeit branchenübliche Zwölffache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Doch nach dem japanischen Braukonzern Kirin sprang mit SAB Miller am vergangenen Wochenende auch noch der letzte Mitbieter ab, so dass der Weg zur Femsa-Übernahme für Heineken frei wurde. Der Wert der Heineken-Aktien stieg zwischenzeitlich um fast sechs Prozent auf knapp 35 Euro. Der Preis inklusive Verbindlichkeiten sei niedriger als erwartet, urteilt Analyst Wim Hoste vom Bankhaus KBC. Außerdem sei der Deal „strategisch sinnvoll“.Mit der Übernahme eines Femsa-Umsatzes von 2,6 Mrd. Euro behauptet Heineken einen festen Platz im Führungstrio, das aus AB Inbev, SAB Miller und den Niederländern besteht. Die drei Biergiganten sind aus einem lange auf dem Weltbiermarkt tobenden Übernahmekampf als Sieger hervorgegangen. Sie repräsentieren zusammen mehr als 40 Prozent der Weltbierproduktion von 1,8 Mrd. Hektolitern. Die Nummer vier, der dänische Brauriese Carlsberg, kämpft derzeit mit den finanziellen Folgen der Expansion. Deutsche Brauer spielen international keine Rolle.

Erstmals wuchs die weltweite Bierproduktion im Jahr 2008 mit plus 1,6 Prozent nur moderat. Allein in Südamerika blieb die Wachstumsrate mit 6,5 Prozent konstant. Hier verfügte Heineken bisher schon über einen Marktanteil von vier Prozent. Mit der Übernahme von Femsa bietet Heineken Marktführer AB Inbev jetzt auch auf dessen brasilianischen Heimatmarkt die Stirn.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×