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20.09.2013

12:46 Uhr

Biermarkt

Probleme am Flaschenhals

VonRaphael Moritz

Im harten Wettbewerb der Brauer geht der Trend zur individualisierten Flasche: Premiumbrauereien prägen ihre Markennamen ins Glas - mit schlimmen Folgen für regionale Brauereien und die Umwelt.

Für Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter der Krefelder Königshof-Brauerei werden die Flaschen mit Prägung zum Problem.

Für Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter der Krefelder Königshof-Brauerei werden die Flaschen mit Prägung zum Problem.

Krefeld/München„Bitte ein Bit“, „Veltins“ oder „Radeberger“ - die Namen der großen Biermarken stehen längst nicht mehr nur auf dem Etikett. Neuerdings werden die Markennamen direkt in die Flasche geprägt. Um sich im schrumpfenden Biermarkt von der Konkurrenz im Getränkehandel abzuheben, reichen Silberpapier und Kronkorken nicht mehr. Der Konsument soll die Biermarke fühlen, wenn er mit dem Daumen über die Flasche fährt.

Auf der Branchenmesse „Drinktec“ in München, der größten Getränke-Messe der Welt, geht der Trend zur individualisierten Flasche. „Große Brauereien, die es sich leisten können, wie Veltins, Radeberger oder Hasseröder, haben sich zur besseren Markendifferenzierung für eine Individualflasche entschieden“, sagt Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Glasindustrie. Die Glasflaschen mit Prägung werden bei den deutschen Brauern immer beliebter - mit schlimmen Folgen für das Pfandsystem und die Umwelt. 

Für viele regionale Brauereien ist die Individualisierung zur Kostenfalle geworden. „Die Sortierung hat in unserer Arbeit einen extrem teuren Stellenwert eingenommen“, sagt Frank Tichelkamp. Der Krefelder ist seit 25 Jahren in der Bierbranche und seit zehn Jahren ist er Verkaufsleiter der Königshof Brauerei in seiner Heimatstadt. Er kennt noch die Zeiten, als alle deutschen Brauereien ihr Bier in die gleichen Flaschen abfüllten und in ochsenblutfarbigen Kästen verkauften. Eine Zeit, die lange vorbei ist. „Die Anzahl an Flaschen, die wir direkt säubern und wiederverwenden können wird immer geringer“, sagt der 52-Jährige. 

Die größten Bierbrauer weltweit

Platz 10

BGI / Groupe Castel (Frankreich)

Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.

Ausstoß (Mio. hl): 29,8

*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015

Platz 9

Kirin (Japan)

Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.

Ausstoß (Mio. hl): 43,1

Platz 8

Beijing Yanjing Beer Company (China)

Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.

Ausstoß (Mio. hl): 48,3

Platz 7

Molson-Coors (USA/Kanada)

Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.

Ausstoß (Mio. hl): 58,1

Platz 6

Tsingtao Brewery (China)

Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.

Ausstoß (Mio. hl): 70,5

Platz 5

China Resource Brewery (China)

Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.

Ausstoß (Mio. hl): 117,4

Platz 4

Carlsberg (Dänemark)

Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.

Ausstoß (Mio. hl): 120,3

Platz 3

Heineken (Niederlande)

Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.

Ausstoß (Mio. hl): 188,3

Platz 2

SAB Miller (Vereinigtes Königreich)

Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.

Ausstoß (Mio. hl): 191,3

Platz 1

Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)

Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.

Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

Das Hauptgeschäft seiner Brauerei sind Abfüllaufträge: Kölsch, Alt, Pils und Fassbrause anderer Marken fließen in Krefeld in die Flaschen. Jährlich kommt „Königshof“ so auf einen Ausstoß von 600.000 Hektolitern. Damit gehören die Krefelder zu den zwanzig größten privaten Brauereien in Deutschland. Dabei macht die eigene Marke „Original Königshof“, die erst seit 2007 existiert, nur rund 40 Prozent des Ausstoßes aus. Das lukrative Geschäft mit den Aufträgen ist für die Privatbrauerei durch die individuellen Flaschen zur Kostenbelastung geworden.

Denn Königshof muss nicht nur die eigenen Flaschen identifizieren, sondern auch die der Auftraggeber. „Wir mussten in teure Sortieranlagen investieren, die diese Flaschen herausfiltern“, sagt Tichelkamp. Vor sieben Jahren hat seine Brauerei eine Sortieranlage für mehrere Millionen Euro angeschafft. Sie sortiert auf 600 Quadratmetern 55.000 Flaschen pro Stunde. Früher waren dafür in drei Schichten 30 Mitarbeiter verantwortlich. Tausende Kisten rattern heute jeden Tag über die Bänder der Brauerei. 

Kommentare (14)

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Merkur

20.09.2013, 13:30 Uhr

Ich denke, dass es Zeit für den Gesetzgeber ist, diesem Wahnsinn ein Ende zu machen. Mit der gesetzlichen Vorgabe, dass nur noch einheitliche Flaschen (je Größe nur 3 - 4 Sorten/Farben) genutzt werden dürfen, ist der Spuk schnell vorbei.
Ich haben mich dafür entschieden, nur noch Bierflaschen zu kaufen, die dem "Pfandeinheitsgebot" entsprechen und alle anderen Flaschen zu meiden.
Wenn das alle machen, gibt es ebenfalls keine "Extraflaschen" mehr.

skrentz

20.09.2013, 13:47 Uhr

Man müßte Trittin die Flaschen in den Garten stellen, der für dieses sinnfreie Gesetz verantwortlich ist.

Nur die Deutschen schaffen es mit ihrem Bürokratie-Wahnsinn - eine gut gemeinte Idee - wie das Recycling bzw. dementsprechend das Pfandsystem - ad absurdum zu führen.

Weintrinker

20.09.2013, 13:51 Uhr

Der gesunde Menschenverstand ist vielen in Deutschland ja schon lange abhanden gekommen. Jeder macht nur noch das, was für ihn einen Vorteil bringt und sei er noch so klein. Am Ende muß dann wieder ein bescheuertes Gesetz her, um die Menschen zu regulieren. "Prägung in die Flasche, damit man die Marke fühlen kann." Was für ein Scheiß! Im Gegenzug wird die leere(!) Pulle dann durch halb Deutschland gekarrt, weil andere Brauereien oder Flaschenabfüller damit nichts anfangen können. Herr lass Hirn vom Himmel fallen!

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